Abriss — "Chemnitzer Nr. 10" hat den Häuserkampf verloren

Der Abrissbagger steht vor dem Haus Chemnitzer Straße 10.
Der Abrissbagger steht vor dem Haus Chemnitzer Straße 10.
Foto: Katrin Figge/WNM
Und wieder verschwindet ein Stück Baukultur: Am Mittwochmorgen rückte der Abrissbagger am Haus Chemnitzer Straße 10 an. Beim Bau des Volkswohlbund-Hochhauses am Südwall war der Altbau (1892) in die Schlagzeilen geraten. Erst schien er gerettet — jetzt ist er weg.

Dortmund.. Eins der schönsten Häuser in der Innenstadt ist Geschichte: Am Mittwoch rückte an der Chemnitzer Straße 10 der Abrissbagger an. Er brauchte nicht lange, um den über 120 Jahre alten Backstein-Bau von 1892 dem Erdboden gleichzumachen.

Das Gebäude gehört wie die Nachbargebäude dem Volkswohlbund. 2008 hatte die Dortmunder Versicherung ihr altes Domizil am Südwall (direkt hinter der Chemnitzer Straße) abgerissen und durch ein modernes Hochhaus ersetzt. 2011 wurde es eingeweiht.

Damals geriet "Chemnitzer Nr. 10" in die Schlagzeilen. Die Bewohner — meist Studenten in WGs — kämpften erfolgreich gegen den drohenden Abriss. Der Volkswohlbund wollte den Altbau einer Baustellenzufahrt opfern. Dann blieb das Haus doch stehen.

Aber seit 2011 stand das Haus leer. Nach Auszügen wurde nicht nach neuen Mietern gesucht — die verbleibenden Mieter wurden sanft herausgedrängt.

Haus war "wirtschaftlich nicht mehr tragbar"

Das Haus sei wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen, erklärt Volkswohlbund-Sprecherin Simone Szydlak. Für eine Instandsetzung hätten Dach, Rohre, Leitungen und Heizungen erneuert werden müssen — zudem hätte das Haus wärmeisoliert werden müssen.

"Unsere Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter erwarten, dass unsere Investitionen auch ökonomisch Sinn machen. Darum haben wir uns nach sorgfältiger Abwägung aller Möglichkeiten für den Abriss des Hauses entschieden."

Ersatz-Neubau ist bislang nicht geplant

Auf dem frei werdenden Grundstück soll ein "Mehrzweckplatz" für die Mieter der angrenzenden Häuser entstehen. Ein Neubau, der die alten Wohnungen ersetzt, sei bis auf weiteres nicht geplant, erklärt die Sprecherin.

Im kleinen Viertel zwischen Südwall, Hoher Straße, Chemnitzer Straße und Elisabethstraße besitzt der Versicherer neben Ladenlokalen auch 58 Wohnungen — viele davon in Altbauten.

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