14 000 Bürger sagen Nein zu Spätflügen

Michael Kohlstadt
Wegen der geplanten längeren Betriebszeiten am Dortmunder Flughafen fürchten Anwohner um ihren Schlaf. Foto: ddp
Wegen der geplanten längeren Betriebszeiten am Dortmunder Flughafen fürchten Anwohner um ihren Schlaf. Foto: ddp
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Dortmund. Auf den Dortmunder Flughafen, vor allem aber auf die Bezirksregierung in Münster rollt eine Menge Arbeit zu. Gestern präsentierte die Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm (SGF) eine Liste mit 12 500 Einwendungen gegen die vom Airport beantragte Betriebszeitenverlängerung.

Bei der Genehmigungsbehörde in Münster lagen - Stand gestern Nachmittag - weitere 1739 Einsprüche vor. Insgesamt muss sich die für das Verfahren zuständige Aufsichtsbehörde also mit Protestnoten von über 14 000 Bürgern vornehmlich aus Dortmund und Unna auseinandersetzen. „Das sind erstaunlich viele“, sagte Behördensprecherin Sigrun Rittrich gestern im Gespräch mit der WAZ, zumal es sich nicht einmal um ein Planfeststellungsverfahren, sondern „nur“ um Betriebszeiten handele. Selbst gegen die Startbahn-Verlängerung am Flughafen Paderborn votierten vor ein paar Jahren schriftlich lediglich 2300 Gegner, so Rittrich.

Lärmschutz

Ganz gleich, ob die Dortmunder Fluglärmgegner nur besonders gut organisiert sind oder der Widerstand gegen spätere Starts und Landungen in Wickede besonders weite Kreise zieht - den Gang der Dinge wird die Vielzahl der Einwendungen sicher nicht beschleunigen. Am heutigen Dienstag endet die Einspruchsfrist für Bürgereingaben. Behörden und Institutionen haben noch bis zum 22. Juli Zeit, Stellung zu beziehen.

Im Anschluss muss das Luftfahrtdezernat der Münsteraner Kommunalaufsicht alle Einwendungen zunächst einmal sichten und dann nach Begründungen sortiert katalogisieren. Dazu hat das Amt zwei bis drei Mitarbeiter abgestellt. Allein das Lesen der Begründungen dürfte seine Zeit dauern, auch wenn viele Einsprüche auf vorgefertigten Formularen der Schutzgemeinschaft verfasst sind.

Anschließend werden die nach „Typen“ zusammengefassten Beschwerden dem Flughafen zur Stellungnahme weitergeleitet. Der hat weitere ein bis zwei Monate Zeit zu reagieren, eventuell auch mehr. Erst dann setzt die eigentliche Prüfung der Genehmigung ein. Eventuell seien zusätzliche Gutachten nötig, so Sigrun Rittrich. Auf jeden Fall werde die Entscheidung mit dem zuständigen NRW-Verkehrsministerium abgestimmt. Klarheit könne es keinesfalls vor 2012 geben.

Dortmunds Fluglärm-Gegner richten sich sogar auf eine noch längere Bearbeitungszeit ein. „Wir rechnen mit Ende 2012“, sagte die SGF-Vorsitzende Ursula Wirtz gestern. Wirtz rechnet zumindest mit einem Teilerfolg des Widerspruchs. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Münster das Fliegen über 23 Uhr hinaus erlaubt. Dafür fehlt jede Notwendigkeit.“

Die aus Sicht der SGF gravierendsten Mängel des Flughafen-Antrags beziehen sich auf den Lärmschutz. Das Fluglärmgesetz von 2007 biete den betroffenen Anwohnern keinen Schutz, sondern schütze den Flughafen vor Ansprüchen. Der Kreis derjenigen, die von Lärmschutzmaßnahmen profitieren könnten, sei in Unna sehr klein und in Dortmund nicht vorhanden.