106 Millionen für die Warenverteilung von morgen

Foto: Schuster Architekten Düsseldorf

Dortmund. „Es freut mich, dass es die Logistik geschafft hat”, sagt Prof. Michael ten Hompel, Leiter des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik.

Das Institut hat soeben den bundesweiten Wettbewerb für Zukunftsbranchen gewonnen und holt damit 40 Millionen Euro öffentliche Gelder nach Dortmund sowie Zusagen in Höhe von 66 Millionen Euro aus der Wirtschaft. Außerdem baut die TU den Logistik Campus Dortmund mit einem sechsstöckigen Gebäude an der B 1 sowie eine große Versuchshalle zum Test neuer selbstständiger Transportfahrzeuge im „Schwarm”.

„Es fluppt ganz gut”, sagt ten Hompel ausnahmsweise mal umgangssprachlich. Ansonsten müssen die überwiegend anglizistisch geprägten Fachbegriffe dem Leser übersetzt und erläutert werden. „Wir stehen in der Logistik heute da, wo die Informatik vor 30 Jahren stand.” Also vor einem gewaltigen Durchbruch.

Frachtgut effizient verteilen

Jetzt werde die Logistikbranche in einem Atemzug genannt mit Biotechnologie und Medizin, Chips und Solartechnik. Die Logistik, so ten Hompel, sei bislang gewaltig unterschätzt worden. „Wir reden über 5700 Unternehmen zwischen Duisburg und Dortmund mit 100 000 Beschäftigten. Allen sei klar, dass es - bei allem Wettbewerb untereinander - so nicht weiter gehen könne. Die Warenverteilung stehe buchstäblich kurz vor einem Kollaps.

„Wir können es uns nicht mehr erlauben, mit 30 Prozent gefülltem Laderaum fast leer fahren zu lassen”, kommt ten Hompel auf den Punkt. „Morgens liefert DHL, mittags UPS” - dieser Luxus sei angesichts von Kostendruck und schwindenden Ressourcen einfach nicht mehr zeitgemäß.

Warenverkehr werde zunehmend von individuellen Sendungen geprägt. Und dem Kauf im Internet. Warenkorb, das war einmal. „Heute wird die einzelne CD im Internet bestellt”, weiß ten Hompel. Und das stellt die Logistik für gewaltige Herausforderungen. Für ein Teil kann man keinen Lkw vorbeischicken.

„Die entscheidende Frage ist: Wie kann ich das effizient erreichen?” Oder anders - und auf deutsch: „Wie holt man mehr 'raus mit weniger rein?”

"Logistik-Hauptstadt Europas"

Ziel sei, so ten Hompel, 25 Prozent der Ressourcen einzusparen. Deshalb zögen die Logistik-Unternehmen trotz Konkurrenz in dieser Frage an einem Strang. Und wo ließe sich die Frage besser lösen als im Ruhrgebiet, „der Logistik-Hauptstadt Europas”.

Eine Lösung der Zukunft könnte das „intelligente Etikett” sein, dass weiß, woher es kommt und wohin es will. „Es findet selbst seinen Weg zum Ziel”, verdeutlicht der Fraunhofer-Chef. Und springt zwischendurch bei verschiedenen Transportmitteln auf. Die Natur habe es bereits vorgemacht. Die Menschen schauen sich das Prinzip jetzt vom Ameisenhaufen ab. „Eine einzelne Ameise hat wenig Informationen. Trotzdem funktioniert der Materialfluss untereinander.” Wissenschaftlich dokumentiert im „Ameisen-Algorithmus”.

Der Geschäftsführer des Fraunhofer Instituts sieht einen Markt von 4000 neuen Jobs. „Wenn nur drei oder vier von 100 angedachten Projekte fliegen, ist die Zahl zu erreichen”, ist ten Hompel zuversichtlich.

 
 

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