Zweimal die Note „sehr gut“

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Castrop-Rauxel. „Ein Herz für Ickern“ kommt im Sommer - und jetzt kommt ganz dolle auch ein Herz für die VRR-Linie RB 43.

Im Betriebsausschuss 1 reckten die Politiker durch die Bank den Daumen nach oben für ein Bestehen der Emschertalbahn auch nach der bisher gültigen Zeitschiene von 2015.

Dabei gilt: Hände in den Schoß legen ist nicht - auch wenn es ja noch über vier Jahre bis dahin sind. Bernd Goerke (SPD) machte deutlich, dass man noch in 2011 tätig werden müsse, da die Linienausschreibung bereits in 2012 erfolgen werde.

So schreibe der Verkehrsverbund Rhein Ruhr eben nicht einzelne Strecken aus. Vielmehr gehe es ums große Ganze. Goerke: „Das ,Sauerlandnetz’ soll um die RB 43 ergänzt werden.“ Ein Kombipaket, dass dann auch für den Betreiber, der letztendlich den Zuschlag erhält, reizvoll und attraktiv sei. Deshalb sei es wichtig, dass sich nun und am besten sofort die Verwaltung zusammen mit den Anrainerstädten der Emschertalbahn sowie der Kreisverwaltung und dem VRR zusammensetzt um sich gemeinsam für die Strecke einzusetzen. Goerke: „Der Druck muss aus den Städten kommen.“

Positive Signale sendete Hubert Beckmann, Leiter der Regionalentwicklung beim Regionalverband Ruhrgebiet (RVR) und Mitglied des Arbeitskreises RB 43. Er sagte nicht nur: „Die Emschertalbahn lässt uns nicht los in den nächsten Jahren“, sondern machte auch Mut: „Im Rahmen des ,Sauerlandnetzes’ könnte die RB 43 eine Zukunft haben.“ Bis zum Sommer werde nun ein interkommunaler Arbeitskreis einen gemeinsamen Aktionplan erarbeiten.

Dabei würden alle Punkte auf den Prüfstand kommen, von Experten geprüft. Allein für den beklagten Gleiszustand habe man wegen der Kosten noch keinen Fachmann an der Seite. Hintergrund hier: Auf zahlreichen Abschnitten der Strecke zwischen Dorsten und Dortmund können die Züge nur sehr langsam fahren, was wiederum an der Gleis-Geschichte liege, die früher vor allem für den Güterverkehr ausgelegt war. So finden sich hier oft alte Weichenanlage, die ein zügigeres Überfahren einfach nicht zuließen.

Doch die Geschwindigkeit macht den Kohl nicht fett, dies habe eine Befragung der Fahrgäste ergeben. Die forderten vor allem eine höhere Taktferquenz „Sie sind mit der Taktung von einer Stunde an Werktagen nicht zufrieden und beklagen auch den Bahnhofszustand.“ In der Konsequenz hieße dies, dass die Züge in Zukunft häufiger fahren müssten, beispielsweise halbstündig, und wegen des guten Fahrgastaufkommens auch über höhere Kapazitäten verfügen müssten. Großes Lob gab es übrigens für die Pünktlichkeit und die Sauberkeit in den Zügen. Beckmann: „Da gab es die Note ,sehr gut’.“

Eine Taktverdichtung mache allerdings nur auf dem Streckenabschnitt zwischen Herne und Dortmund Sinn. Beckmann: „Hier könne nahezu eine Verdoppelung der Fahrgäste erzielt werden, und zwar ohne dass woanders Gäste abgezogen werden.“ In Zahlen rechnet der VRR hier dann mit rund 1400 neuen Fahrgästen.

Apropos Fahrgäste: Die sind nicht nur Stammgäste - „42 Prozent aller Befragten nutzen die Strecke täglich.“ -, sondern wohnen geradezu ausschließlich an der Strecke, was der Bahn eine „hohe lokale Bedeutung zukommen lasse.“ Außerdem seien die Gäste sehr jung, die Hälfte der Nutzer seien noch unter 31 Jahren alt. Als „intensiv und wichtig“ bezeichnet Beckmann die Strecke Castrop-Rauxel Süd und Dortmund. Zwischen diesen beiden Bahnhöfen gebe es die stärksten Verflechtungen. Allein in Castrop-Rauxel habe man bis zu 600 Fahrgäste am Tag gezählt.

Speziell für den stark frequentierten Bahnhof Castrop-Rauxel Süd hatte Hubert Beckmann (RVR) ein kleines Maßnahmenpaket für die Politik geschnürt. So sei die Lage wegen der Innenstadtnähe äußerst attraktiv, es fehle aber an einer deutlichen Beschilderung zwischen ZOB und Bahnhof, die für den Außenstehenden quasi unerkannt nebeneinander schlummern würden. Dringend müsse der Bahnsteig erhöht werden, der bis zu 40 Zentimeter Differenz aufweise. „Alle Haltestellen sollten auf 76 Zentimeter angepasst werden, um sie barrierefrei zu machen.“ Nötig ist zudem dringend eine Erneuerung der Ausstattung und Möblierung sowie eine optische Rundum-Aufwertung des Haltestellen-Umfelds.

Ergänzt wurden die Prüfungs-Aufträge an die Verwaltung durch einen SPD-Antrag zur Einrichtung eines Park&Ride-Platzes an der Haltestelle Merklinde sowie der FDP-Anregung, an den zwei Castrop-Rauxeler Haltestellen für Fahrradboxen zu sorgen.

 
 

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