Wie laut darf es bei Castrop kocht über werden?

Wie laut ist zu laut? 70 Dezibel, das ist richterlich verfügt, dürfen nicht überschritten werden. Für den Alltag ist dieser Richtwert ausreichend, aber für ein Volksfest mit Tradition im Herzen der Altstadt auch? Bei Castrop kocht über (CKÜ) wurde der Wert überschritten - was einen Anwohner ärgerte.

Castrop-rauxel.. Am Wochenende hatte es wieder Unmut gegeben. Ein Anwohner hatte sich beschwert, die Pegler der Live-Musiker, darunter auch Seven Cent, mussten runtergedreht werden. Gespräche darüber soll und wird es geben. Das haben sowohl Gastronomen-Sprecher und CKÜ-Organisator Bubi Leuthold als auch Bürgermeister Johannes Beisenherz auf Anfrage unserer Redaktion angekündigt.

Thema dieser Gespräche zwischen der Gastronomengemeinschaft und der Verwaltung wird sein, welche Zukunft die Veranstaltung hat, in welcher Form sie in Zukunft stattfinden kann, darf und soll.

Vorgabe: Nicht lauter als ein Staubsauger

Die Diskussionen um den Lautstärkepegel bei "Castrop kocht über" sind fast so alt wie die Veranstaltung selbst. Immer wieder ist in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten darüber diskutiert worden, wie laut es zwischen Bühne, Tischen und den Gastro-Zelten zugehen darf.

Der Streit zwischen einem mittlerweile gestorbenen Anwohnerpaar und der Stadt wurde schließlich vor dem Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen verhandelt. Die Anwohner bekamen Recht - und das Fest einen Schalldämpfer. 70 Dezibel, das entspricht laut einer Tabelle im Internet etwa der Lautstärke eines laufenden Staubsaugers in einem Meter Entfernung.

Ein Wert, der für CKÜ eher beispielhaft sein dürfte, kommt aus einer Diskothek. 100 Dezibel werden erreicht, wenn man in einer Disco in etwa einem Meter Entfernung zur Box steht, aus der die Musik kommt. Aber: Einen Abend in der Diskothek verbringt man in der Regel nicht ausschließlich direkt neben der Box.

Besondere Vorgaben für Volksfeste

Man muss den Anwohnern am Markplatz und ihrem Lärm-Empfinden zu Gute halten, dass durch die Bebauung des Marktplatzes eine besondere Akustik entsteht. Die Bebauung schluckt den Lärm vom Markt, in den umliegenden Straßen kommt von der Lautstärke auf dem Platz nicht wirklich viel an.

Die Frage, die sich stellt: Besteht die Möglichkeit, eine einvernehmliche Lösung zu finden, die es ermöglicht, "Castrop kocht über" für vier Tage als Volksfest mit Ausnahmeregelungen zu deklarieren?

"Einfach machen" dürfte die ungünstigste aller Ideen sein. "Wir können nicht das Risiko einer einstweiligen Verfügung eingehen", sagt Bürgermeister Johannes Beisenherz im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Gefahr bestehe darin, dass die Musik gestoppt, und die Veranstaltung dann komplett gekippt werden könnte. Aber Beisenherz sagt auch: "Die Beschwerden ärgern mich." Schließlich locke die Veranstaltung auch Menschen aus anderen Städten in die Castroper Altstadt.

Zwei Jahre Zeit für neue Planungen

Die Stadt sei jedoch in der Pflicht, die gesetzlichen Vorgaben im Blick zu haben und im Zweifel auch durchzusetzen. "Das Ordnungsamt trifft keine Schuld", so Beisenherz. Viele Besucher des Festes hatten das Ordnungsamt für die Drosselung der Lautstärke verantwortlich gemacht.

Wie es mit "Castrop kocht über" weitergeht, ist noch unklar. Im kommenden Jahr wird der Marktplatz großflächig umgebaut, möglich ist, dass die Veranstaltung dann auf den Europaplatz ausweichen wird. Bis zur Rückkehr zum Marktplatz bleiben also knapp zwei Jahre, um eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten tragbar ist. Für die Anwohner, die Besucher und die Gastronomen.

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