Tradition trotzt Fleisch-Skandal

Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool

Der aktuelle Lebensmittelskandal hält das Ehepaar Gladisch auf Trab: „Für uns ist das interessant, weil Pferdefleisch ins Gespräch gekommen ist.“ Logisch, denn die Ickerner verkaufen in ihrem kleinen Laden an der Recklinghauser Straße sowohl Schweine- als auch Pferdefleisch. Und das bereits seit 1995 zur Freude ihrer Kunden. Und mit der Fleischpanscherei haben sie schon überhaupt nichts zu tun.

„Die Pferde-Klöpse sind geil“, schwärmt eine junge Mutter. „Und bei Sauerbraten ist Pferdefleisch der Hit.“ Dass Thomas und Sabine Gladisch kein Rindfleisch anbieten, stört sie überhaupt nicht: „Weil Pferdefleisch zarter ist.“

Metzger aus dem Münsterland

Allerdings ist es auch teurer. „Ein Kilo Rinderroulade kostet etwa 7 Euro, Pferderoulade dagegen über 11 Euro“, rechnet Sabine Gladisch vor. Schon allein diese Preisdifferenz macht es unlogisch, den Kunden ungefragt Rossfleisch unterzujubeln.

Der Verkauf von Pferdefleisch hat bei Gladisch Tradition. Im kleinen, bis zur Decke gefliesten Verkaufsraum erinnern Schwarz-Weiß-Bilder an die frühen 50er Jahre. Bis unter die Decke stapelten sich damals die Konserven. Noch heute liegen in der Auslage Fleischwurst und die Polnische vom Pferd, direkt neben der Schweinefleisch-Version. „Wir verkaufen nur Wurstwaren, und das etwa Hälfte/Hälfte“, sagt Thomas Gladisch. Das Hauptgeschäft liegt im Partyservice und der Wurstküche.

Ihr Fleisch beziehen die Gladischs von einem Metzger aus dem Münsterland, der dort auch schlachten lässt: „In dieser Hinsicht sind wir nur Wiederverkäufer.“ Aber allein schon die Herkunft aus einem Betrieb in der Region macht das Ehepaar sicher, den aktuellen Fleischskandal unbeschadet zu überstehen. Rückstände von illegalen Medikamenten , wie sie jetzt in England nachgewiesen wurden, schließen sie aus. „Ein Veterinär kontrolliert das Fleisch. Und die Tiere haben Papiere wie die Rinder“, weiß Thomas Gladisch.

Doch nur der kleinere Teil der geschlachteten Rösser werde zu Lebensmitteln für Menschen verarbeitet. „Das sind nur die Pferde, die zu alt zum Beispiel für den Sport sind oder ein Bein gebrochen haben. Der größte Teil des Schlachtfleischs geht in den Zoo.“

Obwohl der Ickerner vom Verkauf des Fleisches lebt, hat er ein besonderes Verhältnis zu Pferden. „Bevor ich das Geschäft übernommen habe, habe ich eineinhalb Jahre als Pferdewirt auf einem Reiterhof gearbeitet.“ Deshalb müsse er sich auch „nicht angucken, wie sie geschlachtet werden“. Auf den Verzehr von Fleisch, sei es vom Pferd oder Schwein, verzichtet er trotzdem nicht: „Dann müssten wir alle Vegetarier werden.“ Das wäre wohl auch in Ordnung, ist nur nicht sein Thema.

 
 

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