So wollen Merklinder einen Bürgerverein gründen

Einige Merklinder wollen die Zukunft ihres Stadtteils aktiver mitgestalten. Ihr Plan: einen Bürgerverein gründen. Ihre Vorbilder: Mein Ickern und der Bürgerverein Habinghorst. Unter den Engagierten herrscht Optimismus, aber da sind auch Hürden. Wir sprachen darüber mit den etablierten Vereinen - und wollen Ihre Meinung wissen.

Merklinde. Eine erste Versammlung hat es im Juni in Merklinde gegeben, eine zweite im August, eine dritte beginnt am Donnerstag um 18.30 Uhr im Bürgerzentrum Marienschule, Johannesstraße 5. Die Anwesenden wollen einen Namen für den geplanten Bürgerverein finden, über eine Satzung abstimmen und Ideen zusammentragen. Auch Bürgermeister Rajko Kravanja hat sein Kommen angekündigt.

Die Anregung zur Vereinsgründung kam von Karl-Heinz Hoffmann und Willi Müller. "Wir haben in unserem Stadtteil niemanden als Ansprechpartner", sagte Müller bei der ersten Versammlung, an der ein Dutzend Interessierte teilnahm. Auch Marc Frese, der Vorsitzende von "Mein Ickern", war dabei.

Ein Dorfleben gebe es in Merklinde schon lange nicht mehr. Eines der Vereinsziele könnte sein, einen Bürgerladen zu schaffen - eine Art Tante-Emma-Laden. Neben dem Versorgungsaspekt wäre das eine ideale Begegnungsstätte für Merklinder, sagt Müller. Auch Arbeitsgruppen sollen initiiert werden, die kulturelle oder sportliche Angebote organisieren.

"Merklinde ist viel kleiner als Ickern mit 15.400 Einwohnern", sagt Marc Frese - "wahrscheinlich werden weniger Menschen zu den Vereinstreffen kommen als bei uns. Aber das darf die Motivation nicht hemmen." Denn was man mit einem Bürgerverein alles auf die Beine stellen könne, sei enorm.

Seit 2014 gibt es den Bürgerverein "Mein Ickern". "Als Verein wirst du ganz anders wahrgenommen, als wenn du als Einzelperson vorsprichst", sagt Frese - "sei es von der Stadtverwaltung, von Vermietern oder von Unternehmen. Immer dann, wenn es um finanzielle Fragen geht. Da ist ein Verein die bessere Lösung als eine Bürgerinitiative ohne feste Strukturen."

Der Habinghorster Bürgerverein ist Anfang 2015 entstanden. "Und der Vorstand von ‚Mein Ickern‘ hat uns dankenswerterweise beim Papierkram geholfen", sagt der Vorsitzende Axel Bleck. "Jetzt sind wir natürlich auch gerne bereit, den Merklindern zu helfen." Alle Castrop-Rauxeler Bürgervereine hätten dasselbe Ziel: ihren Stadtteil auf Vordermann zu bringen, die Bürger zum ehrenamtlichen Engagement zu motivieren und Netzwerke zu schaffen. "Da sollten wir dann auch alle an einem Strang ziehen", sagt Bleck.

Um die 50 Mitglieder hat der Habinghorster Bürgerverein heute. Und rund dreimal im Jahr ist "Klöntag" - was anfangs nur ein Arbeitstitel war, sich dann aber etabliert hat. Es ist eine offene Runde, zu der nicht nur Mitglieder kommen können - ähnlich der Großen Ickernrunde.

Zwei Bürgervereine haben sich in Castrop-Rauxel bereits etabliert. Am Donnerstag steht Nummer drei (Fehler, Anm.d.Red.) kurz vor der Geburt.

Der Verein "Mein Ickern"

  • Der Verein "Mein Ickern" entstand, weil in Ickern immer größer werdende Unzufriedenheit geherrscht hat, sagt Marc Frese. "Viele fanden die Ickerner Straße zu grau, wollten, dass sie bunter, lebendiger wird. Die Ickerner wollten mehr Feste feiern, sich mehr einbringen - und zwar inmitten flacher Hierarchien. Und das haben wir mit dem Verein möglich gemacht."
  • Jeder Bewohner des Stadtteils kann sich einbringen, kann zum Beispiel bei den Großen Ickernrunden, die fünf- bis sechsmal jährlich stattfinden, seine Ideen einbringen. "Da kommen immer rund 40 Ickerner zusammen, auch mal 70", sagt Frese.
  • In Zeiten, wo es Vereine "eher schwer" haben, was die Mitgliederzahlen anbelangt, wachse "Mein Ickern", sagt Frese. Warum? "Weil jeder ernstgenommen wird, weil die Mitglieder einen hohen direkten Nutzen von der Vereinsarbeit haben und weil sie sehen, was möglich ist." Zum Beispiel die Familienfeste auf der Ickerner Straße. Momentan sind es rund 150 Mitglieder.
  • Der Mitgliedsbeitrag bei "Mein Ickern" beträgt 20 Euro im Jahr für eine Einzelperson, 30 Euro für eine Familie, ermäßigt 12 Euro für Schüler und Studenten. Der Mitgliedsbeitrag im Habinghorster Bürgerverein beträgt 24 Euro im Jahr.
Aktualisierung am Donnerstag um 10.45 Uhr:

Unser Leser Manfred Herold von der Dresdener Straße schreibt am Donnerstagmorgen im Nachgang zu unserer Berichterstattung: "Ja, es stimmt. Es ist ruhig geworden um den Verein ‚Bürger für Deininghausen‘, den ältesten Bürgerverein in Castrop-Rauxel. Aber dass er in Ihrem Artikel gleich ganz unterschlagen wird, hat er und die Menschen, die sich teilweise seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich für ihren Stadtteil Deininghausen engagieren, dann doch nicht verdient. Am Beispiel dieses Vereins und seiner Erfolge kann man ganz gut sehen, dass es sich lohnt, sich für seinen Ortsteil, seinen Lebensmittelpunkt, zu engagieren."

Auch der Vorsitzende Dieter Mertens meldete sich bei uns: "Wir sind der älteste Bürgerverein in Castrop-Rauxel und sind für unsere Arbeit von der Stadt und dem Bundespräsidenten ausgezeichnet worden - und sind von der Bosch-Stiftung gefördert gewesen."

Herold ergänzt: "Wäre ohne den Einsatz des Vereins jemals Deininghausen zum Projektgebiet "Soziale Stadt" geworden? Wäre der Ortsteil jemals ins Blickfeld von Politik und Verwaltung gerückt, wenn die ‚Macher‘ um Dieter Mertens und Rosemarie Vagts, die hier nur stellvertretend für viele andere stehen, den ‚Machern‘ im Rathaus nicht regelmäßig auf den Pelz gerückt wären? Tritt nun ein, was viele befürchtet haben, nämlich dass Deininghausen nun wieder der abgehängte Stadtteil wird?" Aus der Wahrnehmung der Presse scheine er schon verschwunden zu sein.

Anmerkung der Redaktion: Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen. Deininghausen gerät nicht aus der Wahrnehmung der Presse - wie zum Beispiel unsere Anwesenheit beim Hoffest der Grünen auf Hof Dingebauer bewies. Sie möchten uns Themen aus und über Deininghausen vorschlagen? Dann melden Sie sich bei uns: lokalredaktion.castrop@ruhrnachrichten.de.

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