Seniorenheim wird WG für schwierige Jugendliche

Wo früher Senioren Skat gespielt haben, sollen bald schwierige Jugendliche lernen, auf eigenen Füßen zu stehen: Nach zweijährigem Leerstand ziehen Ende des Jahres neue Bewohner in das Haus in der Sophienstraße 4 in Rauxel - mit ihren Betreuern. Wir stellen diese außergewöhnliche Wohngemeinschaft vor.

Rauxel.. Jahrzehntelang haben Senioren in der Sophienstraße 4 den letzten Abschnitt ihres Lebens verbracht, bald sollen dort "schwierige Jugendliche" für das Leben fit gemacht werden. Das ehemalige Seniorenzentrum stand die vergangenen zwei Jahre leer und wird sich nun nach mehrmonatigen Umbauarbeiten Ende des Jahres mit Leben füllen.

Eher Wohngemeinschaft als Heim

Das Projekt heißt "Die Drehscheibe" und wurde vom in Dortmund ansässigen Jugendhilfeträger "Wellenbrecher" initiiert. Laut "Drehscheibe"-Projektleiter Michael Karkuth wird es in der Sophienstraße so genannte "Kompetenztrainings" geben. Daran nehmen zunächst drei, später maximal vier Jugendliche im wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Wechsel teil.

",Wie eröffnete ich ein Konto?‘ oder 'Wie bewege ich mich in öffentlichen Verkehrsmitteln?' wird dort konkret im Gruppenkontext geübt", nannte Karkuth zwei Beispiele. Diese Art von Gruppenbetreuung soll verhindern, dass die Jugendlichen nicht sich abrupt sich selbst überlassen werden, nachdem sie lange Zeit individuell betreut wurden. So lernen sie Schritt für Schritt sich wieder in Gruppen einzugliedern.

Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren wohnten während ihres Aufenthaltes in Einzelzimmern, der ihnen zugeteilte Betreuer direkt nebenan. Darüber hinaus werde es noch einen Verantwortlichen geben, der das Ganze anleite. "Das ganze Haus soll keinen Heimcharakter erhalten, sondern eine Wohnraumatmosphäre", fügte der "Drehscheibe"-Chef hinzu.

Auch Büros von "Wellenbrecher" ziehen ein

Wahrscheinlich ist, dass die ersten drei Jugendlichen um die Jahreswende mit ihren Betreuern dort einziehen. Von den Bewohnern sind auch durchschnittlich ein Drittel Mädchen. Zudem wird die Verwaltung für die von "Wellenbrecher" ebenfalls angebotenen erzieherischen Hilfen im Ausland künftig in Castrop-Rauxel ihren Sitz haben. Diese bestehen darin, die Jugendlichen bspw. in Pflegefamilien im Ausland unterzubringen. Oft haben die Jugendlichen schon einen Aufenthalt im Ausland hinter sich, wenn sie nach Rauxel kommen. Insgesamt werden zehn "Wellenbrecher"-Mitarbeiter in Rauxel ihren neuen Arbeitsplatz erhalten.

Eine Bereicherung des Sozialraumes

Betont wird die enge Zusammenarbeit mit der Kommunalverwaltung sowie mit der Bürgerstiftung Agora, die bei der Vermittlung der Immobilie offenbar entscheidend beteiligt war. Man nehme an, dass "Die Drehscheibe" auch von der Stadt als "Bereicherung des Sozialraumes" gesehen werde.

Zum Stellenwert des Projektes heißt es ergänzend von der "Wellenbrecher"-Pressestelle: ",Die Drehscheibe‘ ist durchaus als außergewöhnliches Projekt zu betrachten, das mit seiner geplanten facettenreichen Struktur im Jugendhilfebereich ein Alleinstellungsmerkmal besitzt und das Leistungsspektrum auch für die Jugendämter um ein attraktives und erfolgversprechendes Element bereichert."

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