Schrille Outfits mit viel nackter Haut

Foto: Volker Beushausen

Castrop-Rauxel..  Zum Kult-Stück „The Rocky Horror Show“ lassen sich die Castrop-Rauxeler nicht lange bitten. Alle drei Aufführungen des schrägen Musical aus der Feder von Richard O’Brien mit der Ohrwurm-Hammer-Musik sind ausverkauft. Eine letzte Kartenchance führt über die Warteliste.

Also ganz schnell dort eintragen, sagt Sprecherin Christine Beckmann, denn auf der Liste ist wegen plötzlicher Absagen von Theaterfreunden „relativ viel Bewegung“. Die Ticket-Hotline für Kurzentschlossene: 02305/97 80 20.

Geboten wird dem Publikum eine atemberaubende und rasante Show. Eine kleine Kostprobe bekam gestern die Lokalpresse zu sehen und zu hören. Soviel vorab: viel nackte Haut, schrilles Outfit und ein Lippe-Saiten-Orchester, dessen Saxofon knackig auf den Punkt kommt samt pulsierender Knall-Drums.

Wow, das ist eine heiße Nummer, wenn Musical-Star Léon van Leeuwenberg (Frank ‘n’ Furter) in Netz-Kleidung den Song „Sweet transvestite“ anstimmt und die beiden außerirdischen Geschwister Riff Raff (Chris Murray) und Magenta (Sophie Schmidt) körperlich ganz nah am großen Meister sind. Regisseur Reinhardt Friese, er ist ein alter Bekannter beim WLT, inszenierte „Der Name der Rose“ und beim letztjährigen „Bühne raus!“-Spektakel „Beatles. Das weiße Album“, ist voll des Lobes über die Probenarbeit, die in die heiße Phase geht.

„Alle sind mit viel Lust und Eifer zusammen.“ Besonders lobt er „die fantastische Zusammenarbeit“ mit dem musikalischen Leiter Tankred Schleinschock. „Er holt das Beste aus den Leuten heraus.“

Bereits jetzt horcht die Musikfachwelt auf, Riff-Raff- und Frank-Darsteller sind in der Szene bekannt. Zudem ist die Produktion eine große logistische Herausforderung: Abend-Ensemble, Jugend-Theater und Gäste müssen unter einen Hut gebracht werden. Regisseur Friese will „das Rad nicht neu erfinden“, plant eine „wiedererkennbare Show“, will sich dem Kultcharakter des Musicals eins zu eins nähert.

„Es geht um Party und Spaß, um ein Fest für Augen und Ohren.“ Irre und verrückt ist die Geschichte, eine „Hommage an Horrorfilm-Klassiker und die sexuelle Befreiung“. Sein Lob gilt dem WLT-Team: „Das Projekt ist groß und schwierig. Toll, dass das Haus hier das so stemmt.“ Doch was wäre eine „Rocky Horror Show“ ohne das Beiwerk? Genau, die Kenner erscheinen selbstverständlich präpariert, feiern ihr Stück mit mitgebrachten Accessoires.

Für alle anderen bastelt das WLT ein Survival-Paket. Intendant Ralf Ebeling: „Ja, wir treffen uns und packen Tüten. Tüten mit Klopapier, Reis, Wasserpistolen und Bierdeckel, die den Toast darstellen sollen.“ Und wann wird das eingesetzt? Nun, die passende Gebrauchsanleitung liegt dabei. „Da steht genau drin, was wann zu tun ist, um Teil der Party zu werden.“

Gut zwei Stunden mitsamt Pause dauert die Produktion „The Rocky Horror Show“. Erstmals wurde bei „Bühne raus!“ die Anfangszeit um eine halbe Stunde auf 19.30 Uhr vorverlegt. So soll vermieden werden, dass die Nachtruhe der Anwohner gestört wird.

Die drei Aufführungen gehen am 14., 15. und 16. Juni auf dem Marktplatz über die Bühne. Je Vorstellung können 500 Zuschauer ihre Plätze auf den Stühlen einnehmen. Wegen des großen Andrangs hat das WLT einen weiteren Termin festgelegt. Dieser findet am 24. Januar um 20 Uhr in der Stadthalle statt. Der Kartenverkauf hat bereits begonnen.

Zum Stück: Den Wissenschaftler Dr. Frank ‘n’ Furter als exzentrisch zu bezeichnen, wäre untertrieben. Die Wirkung seiner hemmungslosen Gier nach seelischer und körperlicher Erfüllung erleben die frisch und vorerst glücklich verlobten Brad Majors und Janet Weiss nach einer schicksalhaften Reifenpanne an einem verregneten Herbstabend. In dem Schloss, in dem sie nach Hilfe suchen, erleben sie statt des erhofften Telefongesprächs die Nacht ihres Lebens.

Kaum haben sie sich mit der verstörenden Tatsache arrangiert, von Außerirdischen des Planeten Transsexual umgeben zu sein, müssen sie die Geburt des unwiderstehlichen Retortenwesens Rocky miterleben.

Im Laufe der folgenden Feierlichkeiten erlebt das Paar Verführungen, die jede Vorstellung sprengen, die ihr Bewusstsein in ungeahnte Galaxien schicken, die sie zu neuen Menschen machen. Mit der Uraufführung des Musicals von Richard O’Brien erlebte das Musiktheater 1973 eine Revolution, deren Auswirkungen bis heute prägend sind. In der ganzen Welt ist dieses Werk das Non Plus Ultra der Musicals, unvergleichlich in seiner Faszination und der Wirkung auf das Publikum.

 
 

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