Schmökertreff und Tauschbörse

Castrop-Rauxel.. Was ist denn das? Ein Schrank am Straßenrand? Und darin? Buch an Buch. Die Neugier ist geweckt und zugleich die Leselust.

In Habinghorst, auf der Lange Straße, steht er, der Bücherschrank, ein Geschenk der Stiftung Mercator, Samstag wurde er feierlich enthüllt.

Er gehört nun zum (Bildungs-)Inventar des Stadtteils, dient als öffentliche Tauschbörse. Das Prinzip: geben und nehmen. Heißt: Die Bürger können in dem Schrank nach Büchern für sich stöbern und stellen dafür – allerdings kein Muss – ihre ausgedienten Romane, Krimis oder Märchen in die Regale.

„Es ist ein kleiner, aber bedeutender Meilenstein im Projekt Soziale Stadt Habinghorst“, betonte Bürgermeister Johannes Beisenherz, kurz bevor er den Schrank enthüllte. „Wir wollen das Quartier aufwerten, für Qualität sorgen, wir wollen die Menschen mobilisieren und Aktivitäten bündeln – genau dafür ist ein solches Angebot geeignet“, fuhr Beisenherz fort.

Er hoffe, dass der Bücherschrank die Kommunikation anrege, einen kleinen Treffpunkt bilde und von Vandalismus verschont bleibe. „Da kann ich beruhigen“, konnte Mechthild Eickhoff von der Stiftung Mercator jegliche Befürchtungen entkräften: „Das ist jetzt der siebte von insgesamt zehn Bücherschränken, die wir aufstellen – und wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht.“ Nicht zuletzt auch deshalb, weil es vor Ort Kümmerer gebe, engagierte Menschen, die Acht geben.

Und die gibt es in Habinghorst natürlich auch. So übernimmt die Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel die Patenschaft, doch nicht nur sie: Zudem werden zwei Frauen, Schwestern, stets ein Auge auf den Bücherschrank haben. Für Ulla Wiedemann und Gisela Kahlmeyer eine Selbstverständlichkeit, liegt ihnen ihr Stadtteil doch sehr am Herzen. „Wir sind hier geboren, hier aufgewachsen, wollen etwas für die Habinghorster tun“, erzählten die Schwestern, die sich beide im Haus der Begegnung engagieren und dort den Sonntagstreff organisieren.

Ein Buch für den Urlaub mitnehmen

„Ich lese selbst sehr gerne“, lächelte Ulla Wiedemann, „da war ich von dem Bücherschrank sofort angetan.“ Für die Habinghorst sei dieses Angebot genau das Richtige. „Es gibt viele, die nicht in die Bibliothek nach Castrop fahren, und wir haben hier ja auch keinen Buchladen.“ Somit fülle der Schrank eine Lücke.

„Die Resonanz war bisher auch sehr positiv“, erzählte die 57-Jährige. „Für einige ist es natürlich noch fremd, andere finden es toll und haben auch schon gesagt, dass sie sich jetzt hier künftig ein Buch für den Urlaub mitnehmen.“ Zudem erfährt die Lange Straße mit dem Mercator Bücherschrank eine gewisse, sehr gewünschte Aufwertung. Beisenherz: „Wir wollen nach außen hin zeigen, dass sich hier etwas tut.“ Sichtbar werde das vor allem durch die Umbaumaßnahmen im Quartier, beginnend noch in diesem Jahr.

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