Rocky Horror aus Castrop-Rauxel für das ganze Land

Spaß garantiert: Rocky Horror mit dem Westfälischen Landestheater.
Spaß garantiert: Rocky Horror mit dem Westfälischen Landestheater.
Foto: WAZ
Das Westfälische Landestheater setzt den Musical-Klassiker 40 Jahre nach der Uraufführung auf dem Marktplatz von Castrop-Rauxel in Szene. Danach wandert das gute Stück weiter – nach Bottrop (Bergarena), Hamm, Kamp-Lintfort, Dorsten, Siegen, Brilon und anderswo.

Castrop-Rauxel.. Fast auf den Tag genau vor vierzig Jahren, am 16. Juni 1973, entstieg im Londoner Royal Court Theatre der wunderschöne, aber künstliche Knabe Rocky seiner Retorte. Richard O’Brien’s „The Rocky Horror Show“ war geboren und aus den Spielplänen der Musical-Bühnen dieser Welt nicht mehr zu vertreiben.

Im Gegenteil. Letzten Freitag eroberten die außerirdischen Transformer vom Planeten Transsexual, also Riff Raff, Frank’n’F urter und Gefolge, sogar den Marktplatz der braven Revierstadt Castrop-Rauxel, um den Geburtstag der Show in all ihrer erotischen Freizügigkeit zu feiern. Allerdings, die Fete dort ist schon wieder vorüber, noch am Sonntagabend hob das Raumschiff ab in den Abend.

Verloren ist es darum noch lange nicht. Vom 26. bis 30. Juni wird die Produktion des Westfälischen Landestheaters (WLT) in Bottrop erwartet (Bergarena), später macht sie in Hamm, Kamp-Lintfort, Dorsten, Siegen, Brilon und anderswo Station, sogar eine Zwischenlandung in der Schweiz ist gebucht. In Castrop-Rauxel ist die Show erst wieder am 24. Januar 2014 zu sehen - dann in der Stadthalle, nicht auf dem Markt.

Reis, Bierdeckeltoasts und Spritzpistolen dürfen nicht fehlen

Die Geschichte, ein Sammelsurium aus B-Pictures-Versatzstücken, hat sich herumgesprochen: Brautpaar Brad und Janet unterwegs, Unwetter, Autopanne, Klingeln am falschen Schloss, Glöckner-Kopie Riff Raff öffnet das Tor und die große Transe Frank’n’Furter den Gästen die Wäsche. Rocky erwacht, Eddie landet im Eimer, am Ende erweisen sich Riff Raff und Gefährtin Magenta als die wahren Beherrscher des Alls und der Gefühle.

Das um auch stimmlich starke Gäste (Léon van Leeuwenberg als Frank’n’Furter, Chris Murray als Riff Raff) erweiterte Ensemble, Regie Reinhardt Friese, Choreografie Barbara Manegold, Musik Lippe-Saiten-Orchester, liefert grundsolide Arbeit, so professionell wie perfekt. Natürlich ist der Time Warp-Song, dieser Zeitreisen-Rock’n’Roll, der Hit der Horror-Show schlechthin, er eignet sich prima auch als Zugabe. Spielfreude verbindet sich mit Spielwitz, die Inszenierung ist reich an Anspielungen, Gags und akustischen Einfällen.

Die Vorlage ist gut, man muss sich nur bedienen. Und es geht auch mal klein und leise - für den Start des Raumschiffs, das wieder Richtung Transsexual abhebt, genügen: ein Teekessel-großes Modell, rotes Licht von unten, eine Angel - und ein Jemand, der den Kessel an der Angel in die Höhe hievt. Da wirkt das Theater mal wieder neu erfunden.

Natürlich spielt das Publikum mit in einer „Rocky Horror Show“. Die entsprechenden Utensilien, Reis, Bierdeckeltoasts und Spritzpistolen, werden vorab gereicht, das ist üblich, und ein paar Unentwegte im Publikum erscheinen im Kostüm, auch das gehört sich so. Leidtragender ist, wie immer, der graue, langweilige Erzählertyp (Guido Thurk), den die Zwischenrufer mit „boaring“-Getön abspeisen. Armer Kerl.

 
 

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