Rituelle Totenwaschung ermöglichen

Auf dem Friedhof in Merklinde in Castrop-Rauxel soll es in der Trauerhalle  einen Leichenwaschungsraum für muslimische Verstorbene geben.
Auf dem Friedhof in Merklinde in Castrop-Rauxel soll es in der Trauerhalle einen Leichenwaschungsraum für muslimische Verstorbene geben.
Foto: WAZ FotoPool
Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr wird sich in seiner Sitzung am 1. Dezember mit der Möglichkeit beschäftigen, auf dem Friedhof Merklinde einen muslimischen Toten-Waschungsraum einzurichten.

Castrop-Rauxel.. Gelebte Integration nennt Klaus Breuer es. Dafür nimmt der städtische Leiter des Bereichs Stadtgrün und Friedhofswesen gern in Kauf, dass deshalb künftig ein wenig mehr an Verwaltungsaufwand auf sein Amt zukommt. Und Kubilay Corbaci, Vorsitzender des Integrationsrates, hofft, dass endlich ein lang gehegter Wunsch der Menschen muslimischen Glaubens in der Europastadt in Erfüllung gehen könnte.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr wird sich in seiner Sitzung am 1. Dezember mit der Möglichkeit beschäftigen, auf dem Friedhof Merklinde einen muslimischen Toten-Waschungsraum einzurichten.

Die Verwaltungsvorlage dazu ist ein nüchternes Zahlenwerk. Gut 14.500 Euro würde es kosten, den kleinen Raum in einem Nebentrakt der Trauerhalle auf dem Friedhof Merklinde entsprechend her zu richten und zu möblieren. Für die Stadt im übrigen wäre das Ganze eine Nullnummer, im Etat, denn die sechs Moscheevereine von Castrop-Rauxel haben sich bereit erklärt die Kosten komplett zu übernehmen.

Was in der Vorlage nicht steht: Im Moment noch haben es die Menschen muslimischen Glaubens in der Europastadt sehr schwer, so um ihre Verstorbenen zu trauern, wie es ihre Religion vorsieht. Ein Punkt im Islam ist nämlich die rituelle Totenwaschung, die zeitnah nach Eintreten des Todes durchgeführt werden muss. Dafür gibt es derzeit in Castrop-Rauxel aber noch keinen Raum. „Stirbt jemand im Krankenhaus, ist das kein Problem. Dann kann die Waschung dort durchgeführt werden. Ist das aber nicht der Fall, dann sind wir bis jetzt noch gezwungen mit den Toten in die Nachbarstädte zu fahren, dort gibt es Moscheen mit einem solchen Raum“, erklärt Kubilay Corbaci.

Mit der Bitte, in dieser Situation endlich Abhilfe zu schaffen, sei der Integrationsrat schon in der vorherigen Amtszeit an die Stadt heran getreten. Nun zeichnet sich mit der Renovierung des kleinen Raumes auf dem Friedhof Merklinde eine mögliche Lösung ab. Die Vorplanung hat ein Arbeitskreis von SPD und Integrationsrat geleistet. Nun steht die Entscheidung im Fachausschuss und dann im Rat an.

Diesen Raum auf dem Friedhof Merklinde zu schaffen bietet sich an, weil es da bereits seit 2003 ein muslimisches Grabfeld gibt. Bisher sind dort nur zwölf Menschen beerdigt. „Die ältere türkische Generation legt meist noch Wert darauf, im Falle des Todes in die Heimat geflogen zu werden. Dafür gibt es spezielle Sterberversicherungen, die die Flugkosten abdecken“, so Klaus Breuer. Doch für die nachfolgenden Generationen sei ja in der Regel Deutschland die Heimat. Also werden wohl auch in den nächsten Jahren mehr Beerdigungen auf dem muslimischen Grabfeld in Merklinde stattfinden. Vor allem, wenn nun auch noch dieser Waschungs-Raum angeboten werden kann.

Die rituelle Waschung, erklärt Kubilay Corbaci, muss auf jeden Fall stattfinden. „Auch bei den Verstorbenen, die in die Türkei geflogen werden.“ Insofern sieht er das muslimische Grabfeld noch „als Geschichte für die Zukunft“ an. Der Waschungsraum, der werde aber sofort benötigt. Die Moscheevereine haben auch bereits begonnen das Geld für die Renovierung des Raumes zu sammeln. „2500 Euro muss jede Gemeinde geben“, so Corbaci. 70 Prozent der Summe sei schon zusammen.

 
 

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