Murat Yaman will bei Opel in Bochum mitgestalten

Es gibt leichtere Aufgaben, als Betriebsratsvorsitender bei Opel in Bochum zu sein. Im Interview spricht der Ickerner Murat Yaman über seinen Posten und die Zukunft des einstigen Vorzeigestandorts. Und er erinnert sich an seinen allerersten Tag im Bochumer Werk.

Castrop-rauxel.. Murat Yaman, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag bei Opel?
Da war ich in der Ausbildung. Erst einmal war ich natürlich aufgeregt, bei so einem Großunternehmen anzufangen. Mein Vater war auch bei Opel und damit war es auch vorprogrammiert, dass ich bei Opel anfange.

Was haben Sie damals mit Opel verbunden?
Früher hieß es von vornherein: Wer bei Opel anfängt, kann auch hier in Rente gehen. Mit der Erwartung ist man zu Opel gekommen.

Hätten Sie sich eine schwierigere Aufgabe aussuchen können, als Betriebsratsvorsitzender bei Opel zu werden?
Es ist natürlich so, dass man als Vorsitzender stärker im Fokus steht. Es ist aber Teamarbeit, die wir im Gremium leisten. Wir haben natürlich kniffelige Aufgaben in der Vergangenheit bewältigt und das wird nicht abreißen. Es kommen aber auch viele wichtige Herausforderungen auf uns als Betriebsrat Opel Bochum zu.

Welche zum Beispiel?
Das Warenverteilzentrum, das in Bochum und Rüsselsheim von Neovia betrieben wird, soll zu Opel zurückgeführt werden. Damit ist es aber nicht getan. Es wird ein steiniger Weg. Ich gehe davon aus, dass es zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber verschiedene Ansichten geben wird, wie die Eingliederung umgesetzt werden soll. Das liegt in der Natur der Sache. Dabei dürfen die Interessen der Beschäftigten nicht unter die Räder kommen.

Hätten Sie sich einen schöneren Zeitpunkt gewünscht, den Posten zu übernehmen?
Ich glaube nicht, dass das an der Situation etwas geändert hätte. Ich weiß nur, dass wir als Betriebsrat immer versucht haben, im Sinne der Kollegen zu handeln. Immer wieder war Bochum auf den Schließungslisten. Wir haben es ein paar Mal geschafft, die Schließung zu verhindern. Personalabbau war natürlich immer damit verbunden. Das Ende der Fahrzeugproduktion war eher eine politische Entscheidung, als eine wirtschaftliche. Da gibt es nichts schön zu reden.

Was bleibt nun von Opel Bochum?
Es gibt immer noch das Warenverteilzentrum und da ist es gelungen, weitere 265 Arbeitsplätze durchzubringen. Wir wollen zumindest bis Ende 2020, solange gilt die Absicherung im Sozialtarifvertrag, mit den insgesamt 700 Mitarbeitern in die Zukunft schauen. Ein neues Verteilzentrum soll auf dem Gelände des ehemaligen Werk 2 errichtet werden. Das ist eine Investition von 60 Millionen Euro - und damit hat Opel Bochum eine Zukunft.

Welche Reaktionen haben Sie in Ihrer Heimatstadt Castrop-Rauxel erhalten?
Positive wie negative. Es kommt auch auf die einzelnen Personen an. Es gibt einige Koleginnen und Kollegen, die sich schon neu orientiert haben, andere befinden sich noch in der Transfergesellschaft, wieder andere haben den Wechsel ins Warenverteilzentrum gewagt. Es kommt darauf an, welches Alter man hat. Ob man nur noch einen kurzen Zeitraum bis zur Rente überbrücken oder ob man sich neu orientieren muss. Auch wenn viele nicht mehr bei Opel sind, fühlt man sich trotzdem noch für sie verantwortlich.

Sie sind Familienvater, haben drei Kinder. Hatten Sie Angst um Ihre persönliche Zukunft?
Darauf guckt man, glaube ich, in der Funktion als Betriebsrat als letztes. Man schaut in den ganzen Verhandlungen, Einigungen und Gesprächen auf das große Ganze und nicht auf die Einzelpersonen oder sein eigenes Schicksal. Man hofft, dass man die wichtigsten Punkte und Forderungen umgesetzt bekommt und dass sich die Kollegen da auch wiederfinden. Unser erstes Ziel war es, die Arbeitsplätze zu retten und zu sichern, und das möglichst dreifach oder vierfach. Zusicherungen haben, ist das eine. Dafür Sorge tragen, dass sie auch wirklich umgesetzt werden, ist das andere.

Im Juni dieses Jahres wird der Betriebsrat neu gewählt. Treten Sie wieder an?
Ich trete selbstverständlich wieder an. Aber ganz ehrlich: Natürlich müssen wir die Wahl vorbereiten, aber ansonsten schauen wir noch nicht auf den Termin. Wir sind mit anderen, wichtigeren Aufgaben beschäftigt. Die Kollegen wollen Sicherheit und das ist unser Job. Wir haben viele emotionale Momente erlebt zuletzt und wollen so viel Sicherheit wie möglich, auch wenn es die absolute Sicherheit nicht gibt.

Murat Yaman ist seit Januar 2015 Betriebsratsvorsitzender bei Opel Bochum. Er folgte auf Rainer Einenkel.
Der 37-jährige Yaman stammt aus Castrop-Rauxel, kickte unter anderem in diversen Sportvereinen und wohnt mittlerweile in Ickern.
Seit 1995 arbeitet der dreifache Familienvater bei Opel. Dort begann er in der Fahrzeugproduktion, bevor er zunächst zu Einenkels Stellvertreter aufstieg.

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