„Man ahnt, da ist gleich Holland in Not“

Foto: WAZ FotoPool

Castrop-Rauxel.. Es bedarf des zweiten Blicks: immer. Die Malerin Tanja Selzer zwingt uns mit ihren Arbeiten, genau hinzusehen. Eine Auswahl ihres Schaffens zeigt sie in der Galerie „Art.ist“ unter dem Titel „Sabotage“.

Winfried Radinger von „Art.ist“ bringt’s auf den Punkt: „Wenn man näher ‘rangeht, dann gefriert einem das Blut in den Adern.“ In der Tat, die Mischung aus unheimlich und faszinierend hat’s in sich, führt direkt zur Herzkammer der künstlerischen Beschäftigung Selzers. Es ist die Entstellung, das „Nebeneinander des schönen Hässlichen und des hässliche Schönen“, was das Thema der 41-Jährigen ist.

Die Künstlerin schöpft ihre Ideen aus der alltäglichen medialen Bilder-Flut. Nachrichtenbilder desaströser Naturereignissen, Kriegs-Szenen, Leid und Elend in Slums und vieles mehr werden von Selzer mit dem Handy abfotografiert.

Anschließend beginnt die Übertragung auf Leinwand - immer in Öl, auch wenn’s aquarellweich rüberkommt. Dabei verändert Selzer durch Komposition, Farbverschiebung und Leichtigkeit des malerischen Auftrags das Ausgangsmaterial. So kommt das Szenario in bunter, landschaftlicher Idylle daher, ja, lässt eine neue Realität des eigentlichen Ereignisses entstehen.

Doch die meisterlich-rauschhafte Vorgehensweise täuscht. Radinger: „Sie lockt uns in eine Falle. Was auf den ersten Blick ganz niedlich wirkt, verwandelt sich bei genauem Hinsehen in Schreckliches.“ Da füllt ein springender Delfin den Himmel, doch drunter macht sich ein militärisches Landungsboot zum Einsatz auf Leben und Tod bereit. Ein Rodeoreiter hält sich am hochsteigenden Pferd fest, wissend, dass das schwere Tier ihn in wenigen Sekunden unter sich begraben wird. Und zwei niedliche Hunde entpuppen sich als Bestien, denen man beim Joggen nicht begegnen möchte.

Radinger: „Man ahnt, da ist gleich Holland in Not.“ Über den Szenen, die wir als Fotos permanent wahrnehmen und gerade deshalb längst überblättern, dräut bei Selzer immer ein überaus bedrohlicher Himmel. Ein Himmel, der alles nur noch unerträglicher macht. Selzer schafft es, mit ihren malerischen Störungen - „Sabotage!“ - den Katastrophenszenarien eine neue Form zu geben und diese so wieder in unseren Fokus zu bringen, alldieweil das diffuse Bilderrauschen um uns herum weiterhin an- und abschwellt.

Die Galerie „Art.ist“, Am Markt 21, Samstag 11 - 13 Uhr, Ausstellung. Tanja Selzer - „Sabotage“: bis 16. Juli.

 
 

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