Liebling Johannes

Foto: IKZ

Castrop-Rauxel.. Der langjährige SPD-Landtagsabgeordnete Horst Sommerfeld wird 80 Jahre alt. Im Gespräch lässt er Dinge, die ihm wichtig sind, Revue passieren.

Horst Sommerfeld ist ein bedächtiger Mensch, er wägt ab. Vorwitzige Schnellspreche ist nicht sein Ding. Was er dann aber sagt, hat Hand und Fuß. Und mancher Satz steht geradezu monolithisch für sich. So wie dieser: „Das Ehrenamt habe ich immer für wichtig gehalten. Das ist es, was die Gesellschaft zusammen schweißt.“

Ein guter Satz, der eben nicht herausposaunt wird, sondern bescheiden daher kommt. Kein Wunder, dass die nachgeschobene Ergänzung eher still als laut für sich wirkt: „Aber darüber muss man nicht reden, das muss man nicht an die große Glocke hängen.“

Der Mann mit dem so fröhlich-positiven Nachnamen wird Dienstag, 24. August, am ersten Tag des Sternzeichens Jungfrau, 80 Jahre alt. Bescheiden wie er ist, soll an diesem Tag „kein großes Aufheben“ gemacht werden, „aber klar, man muss natürlich dankbar sein“. Dankbar sein für die Gesundheit und für die vielen Erlebnisse, Freunde und vor allem die Familie, „die immer an meiner Seite stand“.

Der das sagt, war ein Vollblutpolitiker, war über Jahrzehnte in der Politik dieser Stadt aktiv. „Ich bin immer mit großer Mehrheit gewählt worden, dafür bin dankbar.“ Er drückte der Stadt seinen sozialdemokratischen Stempel auf, ja saß für die Partei und die Menschen hier über 20 Jahre im Landtag.

Drei Ministerpräsidenten hat er dort erlebt, erst Heinz Kühn, dann Johannes Rau und schließlich noch Wolfgang Clement. Er muss nicht lange nachdenken, welchen der drei er besonders mochte. „Johannes, das war mein Lieblings-Ministerpräsident.“ In 20 Jahren gab es viele Begegnungen, „das läppert sich“, und diese waren immer ergiebig. „Rau, das war gleich zu setzen mit Menschlichkeit, Heiterkeit und Loyalität.“ Die Betonung liegt hier auf war.

Dabei war nicht immer alles besser, aber einiges. Wenn Sommerfeld an seine 30 Jahre als Ratsmitglied zurück denkt, dann fällt ihm vor allem ein, dass damals der finanzielle Spielraum einfach gut war. Dank guten Steueraufkommens schritten Stadtentwicklung und Etablierung von sozialen Einrichtungen voran. „Da konnte man schon einiges machen. Heute ist es für unsere Mandatsträger leider besonders schwierig geworden.“ Gleichwohl sieht er seine Partei in der Stadt auf einem guten Weg. „Alles fähige Leute und es ist erfreulich, dass sich auch die jungen Leute einbringen und Veranwortung übernehmen.“

Natürlich ist die Politik nicht ganz passe. Einmal im Monat trifft er sich mit alten Ratskollegen zum Bowlen und Reden, und auch die jungen Kollegen kommen gerne auf einen Plausch oder eine kleine Beratung vorbei. Doch was Sommerfeld wirklich liebt, das ist seine Familie, sind seine Ehrenämter. „Die lebe ich, das macht einfach Spaß.“ Zu nennen sind hier sein Vorsitz in der Ortsarbeitsgemeinschaft der Verbraucher, seine Stimme im Verwaltungsrat der Verbraucherberatung NRW und die Volksbühne.

Seit 50 Jahren sitzt er im Vorstand der Volksbühne, dem Unterstützungsverein des Westfälischen Landestheaters, dient ist als Vorsitzender seit Mitte der 60er Jahre. „Wir bereiten jedes Jahr ein gutes Angebot für unsere Mitglieder vor und überhaupt: Das WLT ist unser Theater.“

Der Begriff Volksbühne kommt aus der Arbeiterbewegung der 20er Jahre und steht in der Europastadt bis heute für „günstige Preise, die Theater für alle ermöglichen“. Und ihre Besucherorganisation ist von Erfolg gekrönt: „Die Nachfrage ist gut, vor allem viele junge Leute besuchen die Vorstellungen.“ Sommerfeld, der in der Jugend selber politisches Kabarett machte und auch durch seine Gewerkschaftertätigkeit immer mit der Bühne Kontakt hatte, setzt beim WLT auf eine ständige künstlerische Entwicklung und hofft darauf, dass „die Zuschussgeber weiterhin in der Lage sind, ein öffentlichrechtliches Theater zu unterstützen“.

Mit dem Eintritt ins neunte Lebensjahrzehnt - „die Jahre sind verdammt schnell vergangen“ - ist mit den Ehrenämter noch lange nicht Schluss. „Wenn es gesundheitlich geht und solange man mich will, bleibe ich dabei“, sagt Sommerfeld und sein Blick fällt auf Gattin Elisabeth. Beide sind seit 51 Jahren verheiratet, haben einen Sohn, der mit seiner Familie in Berlin lebt. „Lisel und ich machen fast alles gemeinsam, selbst das Frühstück.“ Da müssen beide herzhaft lachen. „Aber ist doch klar“, erklärt Sommerfeld wieder ernster, „es geht im Leben wirklich nur gemeinsam.“

So war die Unterstützung durch Gattin Elisabeth zu Arbeitszeiten Gold wert. „Ich war oft von morgens sieben bis spät in die Nacht unterwegs, eine Sitzung jagte die nächste.“ Da musste Elisabeth Sommerfeld familiär oft alles alleine regeln. Das ist nun anders. „Wir sind ein eingespieltes Team, machen alles zusammen: Spaziergänge, Theaterbesuche, den Einkauf.“ Auch den Einkauf? „Klar, als Verbraucherschützer kennt man ja genau die Preise. Das hilft enorm.“

 
 

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