Längere Pflege in den eigenen vier Wänden

Castrop-Rauxel.  Qualifizierte trägerunabhängige Beratung für Pflegebedürftige, von Pflegebedürftigkeit Bedrohten, deren Angehörigen und Senioren – dieses Angebot der Beratungs- und Infocenter Pflege (BIP) in den zehn Städten des Kreises nutzen jedes Jahr tausende von Ratsuchenden. Allein 2011 wurden mehr als 16 500 Kontakte registriert. Ständige Aus- und Fortbildung ist daher für die Berater Pflicht, vor allem, wenn erneut eine umfangreichere Reform der Pflegeversicherung ins Haus steht.

Das Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung (PNG) – so die offizielle Bezeichnung – ist im Bundestag beschlossen worden. Im Gegensatz zur Beitragserhöhung, die erst am 1. Januar 2013 zum Tragen kommt, sind einige Regelungen schon zum 1. Oktober 2012 in Kraft treten. Die inzwischen gute Vernetzung zwischen Pflegekassen und Kommunen kam nun dem Kreis als Steuerungsstelle der BIP zugute: mit Gerd Jendreiko (Sachgebietsleiter der Regionalgeschäftsstelle Recklinghausen) und Stefan Grawe (Bereich Pflegeberatung und Versorgungsmanagement) gelang es, zwei kompetente Referenten der Barmer Krankenkasse zu gewinnen, die zusammen mit den kommunalen Beratern die bisher vorliegenden Informationen der Änderungen durchforsteten.

Vorrangiges Ziel des Pflegeneuausrichtungsgesetzes ist die Stärkung der häuslichen Pflege – das ist nicht nur im Interesse aller Betroffenen, sondern auch im Sinne von Kreis und Städten: Die älteren Menschen im Kreis sollen so lange wie möglich in ihren eigenen Wohnungen und Häusern leben können. So haben z. B. Erstantragssteller bei der Pflegekasse ab dem 1. Oktober einen frühen Beratungsanspruch bei ihrer Pflegekasse: Sie muss sofort nach Antragseingang einen konkreten Beratungstermin anbieten.

Demenzkranke ohne Pflegestufe (sogenannte Pflegestufe 0) erhalten erstmals Anspruch auf ein Pflegegeld in Höhe von monatlich 120 Euro oder Pflegesachleistungen von bis zu 225 Euro. Demenzkranke mit Pflegestufe erhalten höhere Leistungen, so z. B. in Pflegestufe I 305 Euro Pflegegeld oder ab 1.1.2013 sogar bis zu 665 Euro für Pflegesachleistungen.

Weiterhin können Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Leistungen der Pflegedienste nun flexibler in Anspruch nehmen, indem bestimmte Zeiträume für die Pflege gewählt werden. Mit den Pflegediensten zusammen können Pflegebedürftige und Angehörige dann entscheiden, welche Leistungen in dieser Zeit erbracht werden.

Pflegegeld wird künftig zur Hälfte weitergezahlt, wenn eine Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch genommen wird. Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige werden als Versorgungsalternative gefördert. Pflegebedürftige, die in einer solchen ambulant betreuten Wohngemeinschaft leben, bekommen einen Zuschlag von pauschal 200 Euro monatlich.