Kind verletzt und weitergefahren

Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool
Eine 23-Jährige musste sich jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht vor dem Amtsgericht verurteilen. Im Januar hat sie einen sechsjährigen Jungen angefahren und sich danach unerlaubt vom Unfallort entfernt.

Castrop-Rauxel.. Nach dem Unfall wollte sich der Sechsjährige zunächst nicht mehr alleine auf den Schulweg begeben, er traute sich nicht. Und er zucke auch heute noch zusammen, wenn ein Auto schnell und laut an ihm vorbei rausche, berichtete die Mutter des Jungen.

Im Januar dieses Jahres hatte ihn eine Frau angefahren. Der Steppke war an jenem Morgen auf dem Weg zur Schule, wollte gerade die Ickerner Straße an einer Fußgängerampel überqueren, als die Waltroperin ihn mit dem Außenspiegel ihres Pkw an der Hand touchierte. Der Junge verletzte sich dabei, erlitt einen Haarriss.

Aufgrund einer Unachtsamkeit habe die Unfallverursacherin übersehen, dass sie an der Ampel Rot gehabt habe, so die Staatsanwaltschaft. Sie warf der 23-Jährigen fahrlässige Körperverletzung vor. Zudem musste sich die Friseurin wegen Unfallflucht vor dem Amtsgericht verantworten. Denn: Nach der Kollision soll sie sich zwar nach dem Befinden des Jungen erkundigt, zugleich aber ignoriert haben, dass er über Schmerzen klagte. Laut Staatsanwaltschaft soll sie ihre Personalien anschließend bei einer Unbeteiligten hinterlassen haben und weitergefahren sein.

„Ich war auf dem Weg zur Arbeit“, sagte die Angeklagte. „Ich hatte gelb und erwischte den Jungen am Arm.“ Geweint habe er, aber nicht über Schmerzen geklagt. Sie sei mit der Situation völlig überfordert gewesen, habe nicht gewusst, was sie tun solle. Die unbeteiligte Frau an der Ampel habe ihr angeboten, ihre Personalien entgegen zu nehmen, den Jungen zur Schule zu bringen, um von dort aus die Eltern zu benachrichtigen.

Die Zeugin bestätigte dies. „Ich bin in dem Moment nicht auf die Idee gekommen, die Polizei zu rufen“, sagte die 36-Jährige. Sie stand gemeinsam mit dem Jungen und zwei weiteren Kindern an der Ampel. „Wir haben die Straße definitiv bei Grün überquert“, erklärte sie. Der Sechsjährige sei dabei nur wenige Schritte voraus gegangen. Die Kollision müsse recht heftig gewesen sein, da der Außenspiegel des Wagens abgefallen sei. „Der Junge war ganz durcheinander, der Arm tat ihm weh.“

Der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung sei somit erfüllt, so der Richter. Der Vorwurf der Unfallflucht habe sich ebenfalls bestätigt, wenn die Schuld auch gering sei. „Es reicht nicht, nur die Personalien abzugeben, man muss vor Ort bleiben“, betonte der Richter. Sein Urteil: eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à zehn Euro. Den Führerschein, den die Polizei unmittelbar nach dem Unfall eingezogen hatte, händigte er der Angeklagten wieder aus.

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