Helfer im schwierigen Alltag

Vest..  Thomas B. wurde gehörlos geboren, als Erwachsener ließen seine Augen wegen einer Netzhautablösung immer mehr nach. Inzwischen ist der 52-Jährige taubblind. „Aber ich habe den Mut nicht verloren“, betont er. Trotz seiner Behinderung ist der Borkener sehr aktiv: Er geht einkaufen, besucht Veranstaltungen, engagiert sich in den Taubblinden-Selbsthilfegruppen in Recklinghausen und Gelsenkirchen. Dabei ist Thomas B. klar: „Ohne Taubblinden-Assistenten würde das alles nicht gehen.“

Thomas B. erzählt von seinem Leben im neuen Kurs für angehende Taubblinden-Assistenten. 16 Teilnehmer aus ganz NRW sind im Recklinghäuser Gehörlosenzentrum dabei, um Begleiter von Taubblinden zu werden – bis zum Ende des Jahres müssen sie dafür die gut 400 Stunden umfassende Qualifizierung absolvieren.

„Wir sind die einzige Stelle in Nordrhein-Westfalen, die diesen Kurs anbietet. Bislang haben wir seit 2007 insgesamt 80 Taubblinden-Assistenten qualifiziert“, berichtet Kursleiterin Claudia Preißner. Initiiert wurde das Angebot vom „Förderverein für hör- und hörsehbehinderte Menschen im Vest Recklinghausen“, finanziert werden die Kurse vom Sozialministerium des Landes.

„In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Studien schätzungsweise 1900 taubblinde Personen, im Vest ungefähr 60 bis 70. Da sind landesweit 80 Assistenten natürlich viel zu wenig“, sagt Claudia Preißner. Denn der Bedarf ist groß, die Taubblinden sind in ihrem Alltag auf Begleitung angewiesen, wie das Beispiel Thomas B. zeigt: „Zu Hause komme ich klar, weil ich mich da auskenne. Aber sobald ich das Haus verlasse, geht es nicht mehr“, sagt der Borkener. Vom Arztbesuch über den Behördengang bis zum Treffen von Freunden: „Wie soll ich das ohne Hilfe machen?“, fragt Thomas B. „Der Taubblinden-Assistent ist notwendig – zum Beispiel für den Weg, vor allem aber auch für die Gespräche. Dabei ist der Kontakt zu Gleichbetroffenen besonders wichtig.“

So sind verschiedene Kommunikationsformen wesentliche Inhalte der Qualifizierung zum Taubblinden-Assistenten. „Die Kurs-Teilnehmer erlenen die Gebärdensprache, das taktile Gebärden, die Braille-Blindenschrift und das Lormen. Hier werden die einzelnen Buchstaben in die Handfläche der Taubblinden geschrieben“, erläutert Claudia Preißner.

Wibke Wehner ist angetan vom Auftakt der Qualifizierung. „Die Mischung von Theorie und Praxis gefällt mir“, sagt die 29-jährige Kurs-Teilnehmerin aus Bochum. Für die Sozialpädagogin ist klar: „Die Begleitung der Taubblinden ist eine wichtige Aufgabe – um ihnen zu helfen, selbstbestimmt Dinge zu machen, zu denen sie Lust haben.“ Ein Satz, den Thomas B. in seinem Vortrag an die angehenden Assistenten unterstreicht: „Ohne euch geht es nicht.“

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