Gegen die Schwerkraft

Foto: WAZ FotoPool

Castrop-Rauxel.. Der Mann ist weltbekannt, errichtet an vielen Flecken dieser Erde seine auffälligen Großraum-Plastiken - im privaten und öffentlichen Raum. Am Freitag, 24. Februar, kommt Thomas Schönauer nach Frohlinde, um seine Ausstellung „universe“ in der dortigen Galerie Schwenk zu eröffnen: Seine Kunst ist schon da.

Galeristin Petra Weber-Schwenk ist hin und weg. Natürlich mag sie all die Kunst, die in ihrer kleinen Galerie im Innen- und Außenraum ausgestellt wird, doch diese Kunst mag sie besonders. „Schönauers zentrales Thema ist das Zusammenspiel von Stoff und Vakuum, von Körper und Geist“, sagt sie und spricht von einer guten Beziehung zwischen Künstler und Galerie. „Wir kennen uns aus Düsseldorf. Es gibt ein wechselseitiges Interesse und er findet unsere Konzeptarbeit gut.“

Zu sehen sind Plastiken und Malerei, wobei typisch für die Arbeiten Schönauers lackierte Stahlplastiken und Stahlplatten sind. Diese Objekte, so Weber-Schwenk, halten Hagel, Hitze, Regen aus. „Es gibt sogar Sammler, die sie sich aufs Dach gelegt haben.“ Doch Schönauers Arbeiten sieht man zunächst nicht an, dass hier Metall als Untergrund einer Farbschicht dient.

Dies stellt sich erst bei näherer Betrachtung heraus. Wie eine rote Schnur zieht sich durch seine Arbeiten die Auseinandersetzung mit Wissenschaft, Technik und Forschung. Und genau in diesem Spannungsgefüge steht seine Kunst. Weber-Schwenk: „Sein Atelier sieht aus wie ein Chemielabor, kein Wunder, arbeitet er doch auch mit Projektentwicklern aus der Chemischen Industrie zusammen.“ Und: „Seinen Wünschen wird entgegen gekommen.“

Keine Angst: Die benutzten Farben sind nicht giftig, sie erfüllen sogar die DIN-Norm von Großküchen, weiß die Galeristin. Altmeisterliche Farbkompositionen sind nicht sein Ding. Seine Farbwelten sind abstrakt, oftmals hochglänzend und überaus berauschend bunt. Sie sehen aus wie Ansichten von einem anderen Stern oder aus der Tiefsee und bieten faszinierende Blicke in Mikro- und Makrokosmos.

Dahinter steht immer die Idee, von der Zweidimensionalität einer Tusch- oder Aquarellzeichnung zu einer dreidimensionalen Objekthaftigkeit der Malerei zu kommen. Bei ihm, so Weber-Schwenk, wird die Farbe selbst zur Form. Räumlichkeit wird durch die Schichtung des Materials erreicht. Die Farbe selber bringt Schönauer nicht mit dem Pinsel auf den Stahl, sondern schüttet sie direkt aus Dosen auf den Untergrund - gelenkt, nicht willkürlich.

Erst chemische Prozesse lassen die Bilder entstehen. „Dann“, so Weber-Schwenk, „verläuft die Farbe gegen die Schwerkraft, was die Schwere des Materials aufhebt.“ Die Skulpturen wiederum sind bis zu zwölf Metern groß und vermitteln trotz ihrer eigentlichen Materialschwere eine „unglaubliche Leichtigkeit und irre Dynamik“. Es ist das ewige Spiel mit der Schwere und der Leichtigkeit des Materials, von Schwingung, Masse und Gleichgewicht. Besonders sein Werkzyklus „Skydrops“ (Himmelstropfen) macht dies deutlich. Hier wächst nichts aus dem Boden hervor, hier fällt etwas vom Himmel, bewegt sich von oben nach unten.

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