Forum für Menschen mit Migrationshintergrund

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Castrop-Rauxel.. In Zukunft, sagt Fahimeh Farsaie, gehören solche Projekte abgeschafft. Denn es müsse selbstverständlich sein, dass Menschen mit Migrationshintergrund ein Forum bekommen. Selbstverständlich sollte es sein, dass ihre Lebenswirklichkeiten mit all den kulturellen Spannungsfeldern ihren Weg in eine sensibilisierte Gesellschaft finden.

Ein Schritt dorthin dürfte das Projekt „In Zukunft“ sein, ein Projekt des Westfälischen Landestheaters (WLT). Es handelt sich um einen Wettbewerb für Autoren mit Migrationshintergrund. Ziel des bemerkenswerten Projektes ist es zum einen, Menschen zu ermutigen, für die Bühne zu schreiben. Zum anderen sollen die Stücke der Teilnehmer die kulturelle Vielfalt innerhalb der deutschen Gesellschaft abbilden – eben um zu sensibilisieren, um den Horizont des Rezipienten zu erweitern.

Es geht somit um das Miteinander. Ein interkulturelles Miteinander, das die neun ausgewählten Teilnehmer des Wettbewerbs aktuell vorleben. Nachdem sie ihre Exposés eingereicht hatten, treffen sie sich nun ein Mal im Monat zu einem Workshop im Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel. Gemeinsam mit dem WLT-Dramaturg Christian Scholze, Tine Jerman von exile-Kulturkooperation und der Junior-Professorin an der Universität der Künste in Berlin, Margareth „Maxi“ Obexer, erarbeiten und entwickeln sie im steten Austausch ihre Werke für die Bühne.

Erst jetzt am vergangenen Samstag kamen die kreativen Köpfe aus ganz Deutschland erneut im Studio zusammen. „Wir diskutieren sehr kontrovers miteinander“, berichtet Dozentin Maxi Obexer. Von Konkurrenz könne überhaupt keine Rede sein. Die Teilnehmer seien ernsthaft und aufrichtig bemüht, in die Gedankenwelten der anderen einzutauchen. „Sie gehen sehr liebevoll miteinander um“, betont auch Christian Scholze, der von der Workshop-Atmosphäre völlig eingenommen ist. „Das sind immer Flash-Wochenenden für mich“, lächelt er. „Es treffen hier sehr unterschiedliche Menschen aufeinander, die sich durch den Austausch extrem bereichern.“

Ja, diese Zusammenkunft der Kulturen ist faszinierend, das spürt jeder, der in den Workshop hinein schnuppern darf. Beeindruckend sind die Persönlichkeiten, die sich hier treffen, von sich erzählen, ihre künstlerischen Fähigkeiten offenbaren.

Da ist zum Beispiel Jubril Sulaimon aus Dortmund, 1968 in Nigeria geboren, ein Theaterpraktiker und „Einbrecher in die deutsche Kulturszene“, wie er von sich selbst sagt. Er kam für sechs Monate und blieb viele lange Jahre. Sulaimon mimte in Freiburg den Othello. Und als erster Afrikaner in Deutschland spielte er auf plattdeutsch an der Fritz-Reuter-Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin.

Da ist auch die Journalistin Tanya Zeran, in Hamburg als Tochter einer türkischen Gastfamilie geboren und aufgewachsen. Oder da ist Fahimeh Farsaie, 1952 in Teheran/Iran geboren. Heute lebt sie in Köln. Mehr als 30 Jahre sei sie nun in der Bundesrepublik. „Ich fühle mich als Deutsche und als Iranerin“, sagt die Kunstkritikerin, die in ihrem Stück „Das giftige Grün des Herzens“ eine interkulturelle Freundschaft aufarbeitet.

„Ich möchte dazu beitragen, dass jene Thematik der Migration in die Gesellschaft getragen wird“, erklärt Fahimeh Farsaie. Der Gewinn des Projektes – die Produktion und Aufführung des eigenen Stückes – steht für sie somit nicht im Vordergrund. Wesentlich sei vielmehr die Intention von „In Zukunft“.

 
 

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