Folgen des Großbrands beschäftigen das Gericht

Am Boden brennende Tanklaster, am Himmel eine riesige Rauchwolke: Vor drei Monaten zerstörte ein Großbrand große Teile eines Industriebetriebs im Castrop-Rauxeler Stadtteil Habinghorst. Am Freitag erreichten die Nachwehen der verheerenden Feuer- und Explosions-Katastrophe das Arbeitsgericht in Herne.

Castrop-rauxel.. "Wir wollten uns eigentlich von niemandem unserer Mitarbeiter trennen", erklärte eine Bevollmächtige des betroffenen Familienunternehmens. Angesichts der wie vor ungeklärten Frage, ob, wie und wann es mit dem Betrieb an der Lippestraße überhaupt weitergehen kann, sah man sich aber nun zum Handeln gezwungen.

Als ersten getroffen hat es einen technischen Zeichner. Nach 13 Jahren im Betrieb hat ihm das Unternehmen zum 30. Juni 2015 gekündigt. "Wenn in den nächsten vier Wochen nicht etwas passiert", so die Firmenvertreterin, drohe notgedrungen ein Kahlschlag. Dann stünden womöglich sogar alle 25 Beschäftigten vor dem beruflichen Aus. "Dann schaffen wir es nämlich gar nicht mehr."

Nach Ansicht der Firma, die auf Reinigung und Reparaturen von Industrie- und Tankanlagen spezialisiert ist und die bis heute nur eine Art Notbetrieb installiert hat, haken die Wiederaufbaupläne in erster Linie am Faktor Zeit. Der Bauantrag liege zwar in der Schublade, aber bis heute sei ja nicht mal eine Abrissgenehmigung für die bis auf die Grundmauern niedergebrannten Werksgebäude erteilt. "Der Kreis Recklinghausen verschleppt seit Wochen eine Antwort", hieß es.

Kreis Recklinghausen: Prüfungen fast abgeschlossen

Hintergrund: Weil durch das Großfeuer auf dem Werksgelände auch kontaminierte Stoffe freigesetzt worden sind, ist neben den örtlichen Baubehörden auch ein Fachbereich beim Kreis Recklinghausen beteiligt. Auf Nachfrage dieser Redaktion hieß es aus dem Recklinghäuser Kreishaus: "Die Prüfungen in diesem Komplex sind weitestgehend abgeschlossen." Das hieße: Es gibt noch Hoffnung für den Familienbetrieb.

Am Arbeitsgericht verständigten sich der Mitarbeiter und das Unternehmen darauf, ihren Streit zunächst ruhen zu lassen. Die Firmenvertreterin signalisierte, dass der Zeichner sofort weiter arbeiten könne, wenn die Wiederaufbaupläne sich tatsächlich umsetzen lassen. Schlusswort von Richter Ulrich Nierhoff: "Es wäre eine Katastrophe, wenn der Mitarbeiter jetzt auch noch seinen Job verlieren müsste."

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