Fleißige Helfer geben dem Dreck keine Chance

Die Mannschaft vom Center im Stadtteil Pöppinghausen sammelte  am Kanal und befreite die Uferzone an der Kanalbrücke am Westring von Unrat.
Die Mannschaft vom Center im Stadtteil Pöppinghausen sammelte am Kanal und befreite die Uferzone an der Kanalbrücke am Westring von Unrat.
Foto: WAZ FotoPool
Viele Freiwillige packten wieder bei der Aktion ,Platzverweis dem Dreck’ an und bargen säckeweise Unrat und Schrott. Insgesamt machten rund 1000 Bürger mit, darunter etwa 600 Kinder.

Castrop-Rauxel.  Für Reinhard Ramlau ist das organisierte Müllaufsammeln schon seit zehn Jahren eine Selbstverständlichkeit. Die stadtweite Aktion „Platzverweis dem Dreck“ steht bei ihm jedes Frühjahr im Kalender. „Es ist unglaublich, was die Bevölkerung so wegschmeißt“, sagt der Rentner. „Wirklich beklagenswert“, sei die Marotte, den Müll einfach auf den Boden fallen zu lassen. Deshalb sei das Gebiet vom Wanderparkplatz an der A42 bis zum Kreisverkehr am Westring seit jeher das Revier von ihm und seinen Kollegen des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV). Indem die Männer die Fläche am Samstagmorgen vom Unrat befreiten, wollten sie ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Vor allem leere Alkoholflaschen

„Wir haben hier in den vergangenen Jahren schon so manch merkwürdige Sache gefunden“, erinnert sich Ramlau. „Ein angemeldetes Moped, ein verendetes Reh, unzählige gebrauchte Pariser und Porno-DVDs sind die Dinge, die mir im Gedächtnis geblieben sind“, sagt er. Ansonsten sammle er neben Bauschutt meist vor allem leere Alkoholflaschen und Kleinkram wie Bonbonpapiere auf. „Hier trifft sich scheinbar nachts die Szene“, mutmaßt der engagierte Rentner.

Ähnliche Vermutungen werden auch bei den Müllsammlern vom Angelverein DoCasBlinker laut. Ihr Einsatzgebiet war am Samstag der Erinpark. „See und Bachlauf sind unsere Patengewässer“, erklärt Jürgen Sattler. Deshalb seien die Männer nicht nur bei der jährlichen städtischen Aktion vor Ort, um Ordnung zu schaffen, sondern gleich mehrmals im Jahr. „Einer muss es ja machen“, bemerkt er etwas resigniert. Stets aufs Neue müssten er und seine Anglerfreunde leere Bier- und Schnapsflasche aus dem Wasser fischen.

„Das Schlimmste sind aber die Scherben“, findet Guido Nehring. „Hier gehen Leute mit ihren Hunden entlang und auf der Wiese spielen Kinder – es kann doch nicht sein, dass unsere Stadt so zugemüllt wird“, empört er sich. Gerade deshalb engagiere er sich im Angelverein und bei „Platzverweis dem Dreck.“ Die Mitglieder der Kleingärtner-Vereins Castrop-Rauxel Süd sehen das ganz ähnlich. Eine Leiter, Zaunelemente und eine Schubkarre, alte Sitzkissen, eingefrorene Farbeimer, Radkappen, Teppichreste und gar ein Faltbett für Kinder hatten die Kleingärtner im Umland ihrer Anlage aufgelesen.

„Direkt neben unserer Grünanlage ist das Altenheim. Unsere Gärtner und die Besucher sollen es schön haben“, findet Dieter Ricken. Da dürfe der Müll einfach nicht liegen bleiben. „Außerdem sieht es sonst aus, als hätten wir den Müll über den Zaun geworfen“, ergänzt Kleingärtner Peter Schmerfeld. „Das wollen wir nicht, weil es ja nicht so ist.“ Stattdessen sorgten die Männer am Samstagvormittag für Sauberkeit in der Kleingartenanlage und drumherum. „In einigen Ecken, die im Dunkeln nicht so gut beleuchtet sind, halten sich wohl gern junge Leute auf und feiern dort“, sagt Schmerfeld. Wo sie sich unbeobachtet fühlen, ließen sie meist auch ihren Müll liegen. „Wo bereits Müll liegt, wirft man wahrscheinlicher noch was dazu“, schätzt Bürgermeister Johannes Beisenherz. Dort, wo es hingegen sauber ist, sei die Hemmschwelle höher. „Darum ist die Aktion sehr wichtig“, findet Beisenherz. Der Bürgermeister ist begeistert vom Einsatz der insgesamt 30 teilnehmenden Privatpersonen, Schulen und Gruppen.

„Unterm Strich sorgen so am Wochenende und in der kommenden Woche rund tausend Castrop-Rauxeler, davon 600 Kinder und Jugendliche, für eine sauberere Stadt“, resümiert Hanna Fenner vom Stadtbetrieb EUV.

„Dafür möchte ich ganz laut danke sagen“, sagt Johannes Beisenherz dazu. „Durch Aktionen wie ,Platzverweis dem Dreck’ werden Zeichen gesetzt, durch die langfristig weniger Müll entsteht“, erklärt er den Gedanken hinter der stadtweiten Reinigungsoffensive. Vor allem durch die Beteiligung der Schulen und Kindergärten werde bereits in jungen Jahren ein Umweltbewusstsein geschaffen, dass hoffentlich bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibe, so das Stadtoberhaupt. „Es ist ganz wichtig, dass auch die Eltern, Lehrer und Betreuer mitmachen“, so Beisenherz. Sie seien schließlich die Vorbilder für die Sprösslinge der Europastadt.

Michael Goerke vom Center Pöppinghausen geht mit gutem Beispiel voran. Er konnte insgesamt 18 junge Helfer aktivieren, die Gegend um das Jugendzentrum im Westen Castrops von Unrat zu befreien. Den Jugendlichen macht es Spaß, sich für die Umwelt und ihre Stadt einzusetzen. „Das Müllsammeln ist sehr gut für Pöppinghausen“, findet das 13-jährige KiJuPa-Mitglied Jason Giese. In nur einer Stunden hätten sie zwei Anhänger voll Müll und Schrott gesammelt, fügt sein Freund Frederik (15) hinzu. „Es ist traurig, dass wir so viel Müll finden, aber das Schrottsammeln macht mir Spaß“, sagt er. Manches finde er jedoch seltsam: „Am Yachthafen haben wir vier große Säcke mit immer der gleichen Sorte Sektflaschen gefüllt. Irgendwas läuft da falsch.“

 
 

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