Es ist noch ein langer Weg

Stefan Rebein
Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
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Nachteile für einen erfolgreichen Lebensweg der in Castrop-Rauxel lebenden Ausländern belegt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. Vor allem der Zugang zu den Hochschulen ist für viele nicht zu erreichen. Sorge bereitet zudem die steigende Zahl ausländischer Hartz-IV-Bezieher.

Ausländische Mitbürger haben in Castrop-Rauxel gegenüber deutschen Einwohnern deutliche Nachteile. Das geht aus dem ersten Integrationsmonitoring der Europastadt hervor. Bei der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt sieht die Studie die nicht deutsche Bevölkerung im Hintertreffen. Eine brisante Entwicklung zeichnet sich im Bereich der Sozialgeldbezieher ab. Im Gegensatz dazu sind aber auch viele Ausländer als Unternehmer erfolgreich.

In Castrop-Rauxel leben Menschen aus 92 unterschiedlichen Ländern. Gleich gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Lebensweg wie ihre deutschen Nachbarn besitzen sie laut der wissenschaftlichen Erhebung, die in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) entstanden ist, häufig nicht. Die nüchternen Zahlen belegen, dass die Europastadt noch einen langen Atem haben muss, um ein besseres Miteinander der unterschiedlichen Kulturen zu erreichen und Chancengleichheit zu schaffen. Die Daten des Monitorings dienen als Grundlage für die Integrationsarbeit. Alle zwei Jahre wird das Zahlenwerk auf den neuesten Stand gebracht, um Trends zu ermitteln und um ihnen zu begegnen.

Sprache als Schlüssel

Zwar liegt die Quote der Schulabschlüsse von ausländischen Schülern über dem Landesdurchschnitt. Allerdings ist der Anteil der Schulabbrecher unter Jugendlichen ohne deutsche Wurzeln höher. Und der Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen scheint für viele ausländische Schüler verschlossen. Nur 11,9 Prozent der ausländischen Schüler erlangten in Castrop-Rauxel 2009 die allgemeine Hochschulreife. Im Vergleich zum Jahr 2006 ein Rückgang um 1,3 Prozent. „Migrantenkinder sind bei der Übergangsquote zu den Schulen deutlich benachteiligt“, fasste dies Professor Andreas Farwick vom Geographischen Institut der RUB zusammen.

Rückläufig war auch der Anteil der Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, die bei der U9-Untersuchung waren. Diese vorschulischen Test stellen die Deutschkenntnisse der einzuschulenden Mädchen und Jungen auf die Probe. Während 2009 fast 90 Prozent der deutschen Castrop-Rauxeler Kinder daran teilnahmen, waren es bei den anderssprachigen rund 75 Prozent. „Die Stadt sollte darauf drängen, dass diese Untersuchung durchgeführt wird“, betonte Professor Farwick.

Von einer „brisanten Entwicklung“ sprach der Sozialgeograph im Hinblick auf diejenigen Ausländer, die von staatlichen Transferleistung leben. Insgesamt ist der Anteil von Hartz-IV-Beziehern angestiegen. Von den hier lebenden Ausländern nehmen 15,2 Prozent - (Deutsche sechs Prozent) - staatliche Hilfe in Anspruch. Ein Anstieg um rund drei Prozent. „Diesem Trend gilt es entgegenzutreten“, heißt es im Monitoringbericht.

Positive Tendenzen

Gute Impulse kommen dagegen von den Gewerbe treibenden Ausländern. Im Vergleich zu ihren deutschen Mitbürgern wagen sie häufiger den Schritt in die Selbstständigkeit. 11,4 Prozent der Ausländer im erwerbsfähigen Alter betreiben ein Geschäft, bei den Deutschen liegt die Quote bei 10,4 Prozent. „Das sind positive Tendenzen“, sagte Farwick.