Erst kaufen, dann spielen

Gerhard Römhild
Foto: WAZ

Castrop-Rauxel. Der Recklinghäuser Künstler Peter Witucki zeigt aktuelle Arbeiten unter dem Namen „Zurichtungen II“ in der Galerie „Art.ist“ am Altstadtmarktplatz.

„Willkommen im Baumarkt“ - „Art.Ist“-Galerist Winfried Radinger breitet in seinem Ausstellungsdomizil Am Markt 21 die Arme aus, grinst und weist auf die Bildinstallationen von Peter Witucki. Den eher flapsigen Empfangsmoment nimmt der Recklinghäuser Bildhauer und Zeichner nicht krumm, eher voller Humor. Schließlich kennt und schätzt man sich, zeigte Witucki doch seine Arbeiten bereits im Jahr 2007 bei Radinger. Und überhaupt, Kunst soll schließlich Spaß machen, hier geht’s ja nicht um den städtischen Sanierungsplan.

Wobei: Saniert, renoviert wird ja eigentlich immer und natürlich auch bei Witucki. Der legt im Jeans-Blaumann letzte Hand an seine Arbeiten an und murmelt dabei entschuldigend etwas von „mein metrosexueller Look“. Dabei ist alles ganz einfach. Der Mann führt neben seinem Künstlerdasein noch eine eigene Schreinerei, schwappt, gerade von einer anderen Baustelle kommend, zur Galerie ‘rüber und erklärt seine Künstlerwelt. Was wie die genauen Zuschnitte von Holzplatten im Baumarkt (!) aussieht, ist wohlüberlegte Kunst.

Das Objekt seiner künstlerischen Begierde ist „MDF“. Wie bitte? Ja, die mitteldichte Faserplatte, besser auch als gepresster Holzstaub bekannt. So weit so heimwerklerisch. Doch was Witucki damit macht, hat echten Pfiff. Vor eine feste Halterung, dem sogenannten Etui, liegen aneinandergelehnt die unterschiedlich großen, rechteckigen Holzplatten - in Natur oder farbig lackiert. Sie lassen sich vor- und hintereinander verschieben, wirken so als Kollektiv jedes mal völlig anders. Witucki nennt es ein offenes System, „eine Art Kunstbaukasten“, in dem „die Dinge nicht festgelegt sind, sie sind mobil“.

Ihre spezielle Wirkungsweise erhalten sie durch die Anordnung, die ja variabel ist. Was natürlich gewollt ist: „Man sieht ihnen die Veränderbarkeit an. Witucki. „Durch wenige Dinge ändert sich alles.“ Und: „Die Anordnung macht es, mit leichter Hand und leichter Geste ragt es heraus.“ Auch das eher puristische Erscheinungsbild, dieser Baumarkt-Holzzuschnitt-Abteilung-Charakter ist gewollt. „Das Holz nimmt sich als Werkstück sehr zurück und hält die Idee transparent.“

Witucki geht es nicht um Scheinästhetik, denn „dann würde ich es mit Blattgold versehen“. Vom Rumfummeln der Betrachter hält er nicht viel. Es gilt: „Nichts anfassen.“ Die Bilder sind zwar aufs Verändern angelegt, aber nicht mehr darauf angewiesen. „Wer die Idee verstanden hat, der braucht es nicht mehr.“ Was natürlich nicht heißt, dass das „Spiel mit den Parametern“ verboten ist. Es gilt: „Erst kaufen, dann spielen.“