Eine Chance für den Perspektivwechsel

Sekundarschule oder nicht? Noch wird diskutiert.Foto: dapd
Sekundarschule oder nicht? Noch wird diskutiert.Foto: dapd
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Sekundarschul-Diskussion: Delegation aus Castrop-Rauxel besuchte Martin-Luther-Schule in Herten

Castrop-Rauxel.. Individualisierter Unterricht sei die Zukunft, eine Schule, geprägt durch Heterogenität. Eine stärkere Differenzierung sei der Schlüssel, trage sie der Tatsache Rechnung, dass Kinder in den unterschiedlichen Fächern unterschiedlich gut sind und unterschiedlich schnell lernen.

„Ich bin deshalb absolut überzeugt davon, dass das neue Modell für Schüler, Eltern und Lehrer einen Perspektivwechsel bedeuten kann“, sagt Hermann Kuhl, aktuell Leiter der Martin-Luther-Schule in Herten, einer Hauptschule, und künftig Leiter der Sekundarschule in Herten. Sie wird nach den Sommerferien ihren Betrieb starten. Ihr Konzept sowie den Prozess ihres Werdens erläuterten Hermann Kuhl und zwei Vertreter der Stadt Herten gestern einer kleinen Delegation aus Castrop-Rauxel, die über den eigenen Tellerrand hinaus schauen wollte.

Auf Initiative der SPD fuhren Vertreter der Partei, eine interessierte Grundschulmutter sowie die Leiter der Franz-Hillebrand-Hauptschule und der Janusz-Korczak-Gesamtschule nach Herten. Und für alle, wie sie bekundeten, war es ein interessanter Besuch, der einen positiven Eindruck hinterließ. Schon sehr zeitig habe sich die Stadt Herten den Herausforderungen der Zukunft gestellt, erklärte zunächst Ulrich Stromberg, Leiter des Fachbereichs Bildung, Kultur und Sport. „Vor acht Jahren haben wir eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe „Rückbau – Umbau – Neubau“ gebildet und haben es geschafft, die gesamte Schullandschaft neu zu strukturieren“, so Stromberg. Das wiederum bedeutete: „Wir haben Schulen saniert, aber eben auch rückgebaut, also aufgelöst.“ Nicht immer ohne Widerstände der Bürger.

„Aber die sinkenden Schülerzahlen und das veränderte Wahlverhalten der Eltern zwingen uns nun mal zum Handeln“, betonte Jörg Kersten vom Bereich Schule. „Man darf nicht darauf beharren, dass alles so bleibt wie es ist.“ Zumal auch der Finanzdruck nicht wegzudiskutieren sei. „Wir haben uns dann im vergangenen Jahr auch schon mit der Gemeinschaftsschule beschäftigt“, so Kersten. Die Stadt sei für Veränderungen und Innovationen offen gewesen. „Als dann im Sommer der Wechsel von der Gemeinschafts- zur Sekundarschule erfolgte, wollten wir die Umstrukturierung zeitnah auf die Reihe kriegen.“

Die weitere Entwicklung: Die städtische Realschule läuft, bedingt durch eine eingebrochene Nachfrage und einen hohen Sanierungsbedarf, künftig aus, die Martin-Luther-Schule wird zur teilintegrativen Sekundarschule. Voraus gegangen war dieser Entscheidung ein intensiver Diskussionsprozess. „In den Herbstferien habe ich dann ein erstes Konzept für die neue Schule erarbeitet“, erzählte Hermann Kuhl. Er fuhr fort: „Im Februar haben wir dann eine Konzeptrunde gegründet, begleitend dazu gibt es eine Beraterrunde.“ Ihr gehören ausgewiesene Fachleute wie eine Literaturdidaktikerin der Uni Duisburg-Essen, an. „Die Beratergruppe prüft die Konzepte“, erklärte Kuhl, der ein solches Gremium im Falle einer Sekundarschulgründung auch den Castrop-Rauxelern empfahl.

Ein weiterer Tipp: „Zeitig ein Konzept erarbeiten“, so Kuhl und benannte die Vorteile einer Sekundarschule. „Durch die Kooperationsverträge wird der Übergang in die Oberstufe erleichtert, sie bietet drei Fremdsprachen statt nur zwei wie an der Realschule an.“ Zudem ermögliche die Kapitalisierung des Ganztagszuschlag bereichernde, praxisorientierte Angebote und Projekte. Und: „Die Sekundarschule ist kleiner, sie muss nicht vierzügig sein“, sagte Kuhl, der in Herten in diesem Zusammenhang auf optimale Startbedingungen setzt. So habe er darauf geachtet, berichtete er, die Klassen so klein wie möglich zu halten: Bei 75 Anmeldungen sei Schluss gewesen.

Hermann Kuhl kann die Argumentation, es gebe nicht ausreichend Personal für eine Sekundarschule nicht nachvollziehen. So berichtete er, dass das neue Modell gerade bei jüngeren Kollegen auf größtes Interesse stößt. Auf entsprechende Stellenausschreibungen sei das Echo sehr groß. „Es wollen engagierte und fachlich wirklich gute Leute einsteigen“, sagte er. Und Peter Braukmann, Leiter der Franz-Hillebrand-Hauptschule, bestätigte das. „Für die jüngeren Kollegen stellt die Arbeit in einer Sekundarschule eine interessante Perspektive dar.“

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