Ein Saufspiel als Sozialstudie

Der Literaturkurs der Stufe 11 des Ernst-Barlach- Gymnasiums probt derzeit das Theaterstück „Frei(t)räume – Shit happens“ von Jonas Schütte und bringt es Ende März zur Aufführung. Foto: Karl Gatzmanga
Der Literaturkurs der Stufe 11 des Ernst-Barlach- Gymnasiums probt derzeit das Theaterstück „Frei(t)räume – Shit happens“ von Jonas Schütte und bringt es Ende März zur Aufführung. Foto: Karl Gatzmanga
Foto: WAZ FotoPool
Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 11 des Ernst-Barlach-Gymnasiums probt derzeit „Frei(t)räume - Shit happens“ und bringt das Stück Ende März auf die Bühne.

Castrop-Rauxel.. Sind das wirklich sie? Sieht so das Leben von Teenagern aus? Sich zum Feiern treffen, weil gerade nichts besseres los ist? Sätze sagen wie „Saufen ist auch interessant. Der ganze Dreck, der Schmutz aus den eigenen Tiefen kommt hoch“? Solche Szenen bringt gerade der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 11 des Ernst-Barlach-Gymnasiums auf die Bühne, das Theaterstück „Frei(t)räume – Shit happens“ von Jonas Schütte. „Das ist schon krasser als bei uns“, antwortet Charlotte (16) auf Frage, ob ihr Leben wirklich so sei. Und Kai (17) sagt: „Es ist überspitzt, aber jeder von uns hat so seine eigenen Probleme.“ Deshalb könne er sich schon mit den Figuren in dem Stück identifizieren.

Kursleiterin Manuela Kirsch hatte ihren Schülern mehrere Theaterstücke zur Auswahl gestellt, darunter auch eine moderne Adaption von „Romeo und Julia“. Doch der 11er-Literaturkurs hat sich schnell für „Shit happens“ entschieden, erzählt die Kursleiterin. Und warum? „Weil das Thema am nächsten an uns dran ist“, sagt Konstantin (17). Eben die Fragen behandelt, die Jugendlichen unter den Nägeln brennen: Wie komme ich bei den anderen an? Wie komme ich mit meinen Eltern klar? Finde ich nun Jungen toller als Mädchen oder umgekehrt? Und letztlich die Frage: Führt genügend Alkohol irgendwann zu freiem Denken? Ein großes Saufspiel beginnt – als Sozialstudie und Selbstversuch zugleich.

„Was am Ende dabei herauskommt, lassen wir bewusst offen“, sagt Lehrerin Manuela Kirsch – aus dem Dargestellten eigene Erkenntnisse zu ziehen, wolle man dem Publikum überlassen. Dass aber die Charaktere des Stücks durchaus weitere Facetten an sich entdecken, andere Seiten von sich zeigen – eben unter dem Einfluss von Alkohol – soviel kann Kai schon verraten.

Noch bleibt den Nachwuchsschauspielern genau eine Woche bis zur Premiere (siehe Info-Kasten), aber die Fieberkurve steigt schon ordentlich an, geben die Schüler zu. Doch bei der Probe klappen die Abläufe bereits gut, Kursleiterin Manuela Kirsch hat bei ihrer Manöverkritik kaum mehr zu bemäkeln als zu schnelles Sprechen. Sätze aber wie „Meine Zukunft ist unsicher, Alkohol ist meine Gegenwart“ schleudern die Mädchen und Jungen dem Zuschauer schon mit voller Wucht entgegen. Keine Frage, dass Stück stimmt nachdenklich. „Aber“, so räumt Lehrerin Manuela Kirsch ein, „es ist eine gute Mischung – es gibt Szenen zum Lachen, aber eben auch solche, bei denen man einen Kloß im Hals hat.“

Aufführungen am 28. und 29. März

Der Literaturkurs führt das Theaterstück „Frei(t)räume – Shit happens“ am Mittwoch, 28. März, und Donnerstag, 29. März, jeweils um 19 Uhr in der Aula des Ernst-Barlach-Gymnasiums an der Lunastraße auf. Der Eintritt ist frei, über Spenden aber freuen sich die Schüler – das gesammelte Geld soll in ihre Abi-Planung einfließen.

> Fotostrecke von der Theaterprobe in der EBG-Aula

 
 

EURE FAVORITEN