Dschungelcamp für Grimme-Preis nominiert - Gag-Autor Beisenherz nicht sehr überrascht

Foto: RTL
Micky Beisenherz, der in Castrop-Rauxel sein Abitur machte, schreibt die Gags für das RTL-"Dschungelcamp". Die Show wurde nun für viele überraschend für den Grimme Preis nominiert. Freunde pointierter Dialoge und scharf beobachteten Zeit-Geschehens seien beim Dschungelcamp gut aufgehoben, so Beisenherz.

Castrop-Rauxel. Die Fachwelt steht Kopf: Das RTL-„Dschungelcamp“ ist für den Grimme Preis in der Sparte „Unterhaltung“ nominiert. Damit könnte das Camp in den Fernseh-Olymp aufsteigen. Mit Gag-Autor Micky Beisenherz, der sein Abitur in Castrop-Rauxel machte, sprach Gerhard Römhild.

Dschungelcamp goes Grimme - das ist doch wohl der Hammer?

Micky Beisenherz: Soll ich ehrlich sein? So richtig überrascht bin ich nicht. Grimme hat uns schon vor zwei Jahren gebeten, einen längeren Artikel im Programmheft zu schreiben. Da wurde uns bereits eine gewisse Sympathie angedeutet. Mir ist schon klar, dass die Nominierung bei vielen Befremden auslöst. Als das Thema „Grimme Preis“ in der Lanz Sendung am Dienstag aufkam, gab es ja ein Raunen im Publikum, als sei Rösler gerade Kanzler geworden. Dankenswerterweise ist der Anteil derer, die verstehen, warum wir nominiert sind genauso groß. Und da sind auch nicht nur Trottel dabei.

Wie war die Reaktion im Team?

Die Nominierung wurde erst bekannt, als wir gerade wieder unserer Wege flogen. Aber ich darf davon ausgehen, dass sich alle sehr darüber freuen. Die Autoren tun es ganz bestimmt. Schade, dass die Meldung nicht schon ein paar Tage früher draußen war, als wir alle noch zusammen in unserer Produktionsfavela im Busch gehockt haben. Wobei: Ich kenne den Produktionsleiter. Den Champagner hätten wir uns eh selber kaufen müssen.

Haben Sie damit gerechnet?

Vor ein paar Jahren sicher nicht. Aber ich bin ja ziemlich dicht dran und lehne mich mal soweit aus dem Fenster, zu behaupten, dass Freunde pointierter Dialoge und scharf beobachteten Zeit-Geschehens bei uns regelmäßig gut bedient wurden und werden. Davon ab ist es einfach gut gemachtes - allein die Montagen und die herausragend gute Musik - Fernsehen. Lediglich den immer wieder mal informationsbefreiten Vorwurf, dass „das ja eh alles gescripted“ sei, muss ich ganz klar als Unsinn abtun.

Ist das Camp in der Mitte der Gesellschaft angekommen?

Bei mitunter 50 Prozent Marktanteil ist es nicht kühn, wenn ich sage: Ja. Davon ab drängt einen ja nicht nur die reine Zustimmung in die Mitte. Ich finde, im Januar haben wir das gesellschaftliche Dirndl gut ausgefüllt.

Die ersten schreien im Netz auf und im Feuilleton stürmt es. Wie kann man die beruhigen?

Gar nicht. Ich hab’ in den letzten Jahren auch schon über das ein oder andere Format gestaunt, das da nominiert oder gar prämiert wurde, aber so ist das eben. Jeder einzelne Teil dieser Produktion darf die Nominierung als Würdigung seiner Arbeit verstehen, und das ist auch gut so. Schade ist es allenfalls, das Dirk Bach das nicht mehr miterleben darf. Denn sein Anteil an dieser Nominierung - und wir reden hier ja explizit über „Staffel 6“ ist wahnsinnig groß. Was ich mit Sicherheit preiswürdig finde, ist der Mut seitens der Redaktion, eine Sendung zuzulassen, die in Ihrer Sprache bewusst aneckt, niemanden verschont und auch in Sachen musikalischer Untermalung ganz klar vom Mainstream abweicht. Das ist schon eine ziemlich smarte Sendung.

Grimme-Institut-Chef Uwe Kammann spricht von der „letzten Möglichkeit des Lagerfeuerfernsehens“.

Dschungelcamp 2013Da möchte ich an eben genannte Zahl anknüpfen. Ich bin weiß Gott nicht der große Quotenjunkie. Allein schon deshalb, weil ich sonst mitunter für Formate tätig bin, die Prozente einholen, die wir im Dschungel höchstens als Schwankung kennen. Aber die Werte zeigen, dass im Januar Mengen vor der Glotze hängen, die man so nur von EM- und WM- Zeiten kennt. Übrigens auch mit demselben Echauffierungspotenzial. Da wird Fiona plötzlich zum Balotelli des Dschungels. Wenngleich der oben ohne weniger bedenklich aussah. Das Ding ist ein Straßenfeger, ganz klar.

In der Unterhaltungs-Kommission wurde die Nominierung einstimmig beschlossen. Mehr Adel geht doch gar nicht?

Doch. Das Ding holen. Wenn nicht, geh ich an dem Tag pöhlen. Oder ich fahr doch nach Marl - und hol mir eines von diesen Castroper Kennzeichen.

Jetzt kommt die letzte Hürde...

Wenn ich bedenke, wie sich die vorherigen Preisträger danach quotentechnisch entwickelt haben, müsste ich ja fast sagen: Geh mir weg damit. Aber da ich auf Familienfeiern vom bildungsbürgerlichen Teil gerne mal behandelt werde, als würde ich altgedienten Burgschauspielern die Känguruhhoden persönlich ins Gesicht drücken, nehme ich den Grimme Preis als intellektuelles Totschlagargument gerne an. Außerdem freut sich Omma.