Dieser Castrop-Rauxeler liefert Essen für Bedürftige

Die Tafel versorgt Bedürftige mit Lebensmitteln. Aber woher kommen die Produkte eigentlich, wer bringt sie zur Tafel und zu den Bedürftigen? In Castrop-Rauxel ist Markus Kümmel genau dafür zuständig. Dabei trifft er täglich Menschen, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben. Unser Reporter hat ihn einen Tag bei der Arbeit begleitet.

Castrop-Rauxel.. 10 Uhr: Vorsichtig parkt Markus Kümmel den Transporter mit Kühleinrichtung auf dem Parkplatz am Castrop-Rauxeler Lambertusplatz aus. "Der Wagen ist noch ganz neu, da will man ja keine Macke reinfahren", sagt er mit einem Augenzwinkern. Zu dem Job als Fahrer für die Tafel ist er "wie die Jungfrau zum Kinde" gekommen. Seit Februar dieses Jahres ist der gelernte Berufskraftfahrer über eine Maßnahme des Jobcenters bei der Caritas tätig. "Ich wollte unbedingt wieder arbeiten und war dann selbst ganz überrascht, wie viel Spaß ich hier habe", sagt Kümmel. Die zwischenmenschlichen Erfahrungen, die er täglich macht, seien das Beste an seiner Arbeit.

10.20 Uhr:Ankunft am ersten Spendermarkt. An der Verladerampe wird der Kühltransporter der Tafel schon von einer Mitarbeiterin erwartet. "Hey Markus, alles auf der Palette ist für euch." Sorgsam packt Kümmel Obst, Gemüse und auch einige Produkte aus dem Kühlregal ein. Die Tafel sammelt Lebensmittel ein, die noch genießbar sind, aber im Einzelhandel nicht mehr verkauft werden können. "Es wundert mich immer wieder, was da so alles dabei ist. Das ist ja nicht schlecht, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr Wochen in der Zukunft liegt", meint er. Verdorbene Lebensmittel werden natürlich nicht eingesammelt oder gar ausgegeben.

Ist die Ware verstaut, geht die Tour weiter. "Das läuft hier mit den Supermärkten sehr gut", so Kümmel. Nach Angaben der Caritas sammeln die Fahrer der Tafel monatlich zehn Tonnen Lebensmittel - mit einem PKW und dem Kühltransporter - ein.

13 Uhr: Nachdem alle Adressen auf der Liste abgehakt sind, fährt Kümmel zurück zum Lambertusplatz 17. Lieferung auspacken, von Mitarbeiterinnen gepackte Essenskisten einpacken. Kümmel und seine zwei Fahrerkollegen beliefern nicht nur die sechs Ausgabestellen der Caritas, die im Stadtgebiet liegen. "Es gibt Menschen, die einfach nicht mehr selbst einkaufen gehen können, da bringen wir das Essen dann auch nach Hause."

13.20 Uhr:Ankunft bei Rentnerin Lydia Grünewald. Bis in die Küche trägt Kümmel die Kiste mit Nudeln, Gemüse, Obst und Aufschnitt. Kaum abgestellt, nimmt die Frau ihn herzlich in den Arm. "Der Markus ist fast schon wie ein Sohn für mich", meint Lydia Grünewald. Immer bringe er gute Laune mit. Und Zeit für ein kurzes Schwätzchen mit ihr nehme er sich auch.

Kümmel schätzt den Kontakt mit den Leuten, die von der Tafel versorgt werden, sehr, wie er sagt. Das richtige Maß aus Mitgefühl und emotionaler Distanz zu finden, sei zu Beginn eine Herausforderung gewesen. "Wenn man mitbekommt, was die Leute für Schicksalschläge erlitten haben, nimmt einen das schon mit", meint er. Auch sei es vielen Leuten unangenehm, auf die Hilfe der Tafel angewiesen zu sein. Mit seiner freundlichen und ehrlichen Art steht Kümmel ihnen bei. "Die Menschen haben manchmal niemanden sonst zum Reden, und ich nehme mir gerne ein paar Minuten Zeit."

14 Uhr: Die letzte Lieferung für heute an eine Familie in Habinghorst. "Können wir das mit dem Geld nächste Woche machen?", fragt die Frau Markus Kümmel. "Kein Problem, ich schreib‘s mir auf", antwortet er. Einen Beitrag von zwei Euro zahlt jeder Erwachsene für die Lebensmittel. Kinder werden grundsätzlich kostenfrei versorgt. "Trotzdem haben die Leute das Geld manchmal nicht. Dann zahlen sie es, sobald sie können", sagt Kümmel. Probleme habe er damit noch nie gehabt. "Umgekehrt zahlt mancher auch im Voraus, wenn er das Geld hat."

14.30 Uhr. Zurück am Lambertusplatz. Unsere Tour mit Markus Kümmel endet hier. Seine geht weiter: Er wird noch weitere Kisten mit Lebensmitteln ausliefern. Immer mit einem Lächeln im Gesicht.

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