Die Eltern müssen handeln

Was wird die Zukunft bringen? Das Interesse an der Versammlung in der Nansen-Realschule war riesig groß.
Was wird die Zukunft bringen? Das Interesse an der Versammlung in der Nansen-Realschule war riesig groß.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Kontrovers und sehr emotional wurde bei einer Versammlung in der Fridtjof-Nansen-Realschule über die Zukunft der Realschule diskutiert. Menschenkette ums Rathaus geplant.

Castrop-Rauxel. Der Leiter der Fridtjof-Nansen-Realschule Alfred Horn reagierte am Montag auf den offenen Brief der Grünen. Sie hatten den FNR-Lehrern jüngst vorgeworfen, die Pflicht der politischen Neutralität verletzt zu haben.

Dieser Brief, erwiderte Horn, enthalte für ihn gleich mehrere gute Nachrichten und Komplimente. „Ich finde es großartig, dass meine Schüler von sich aus den Kontakt zur Politik suchen in einer Angelegenheit, die sie betrifft“, betonte er. „Das zeigt, dass es meinen Kollegen gelingt, die Jugend im Geist der Freiheit und der Demokratie zu erziehen – womit sie ihrem schulgesetzlichen Auftrag nachkommen.“ Zudem seien sich die Lehrer der FNR ihrer Verpflichtung zur politischen Neutralität gemäß Schulgesetz bewusst, versicherte Horn am Ende einer gut zweistündigen Diskussionsveranstaltung in der Aula der Fridtjof-Nansen-Realschule.

Zuvor war es dort mitunter hoch her gegangen. Immer wieder konfrontierten die Eltern die anwesenden Vertreter der Ratsparteien sowie die Erste Beigeordnete Petra Glöß mit ihrer massiven Kritik und ihren Fragen. Der Grundtenor: „Warum können 27 Prozent der Mütter und Väter – eine ‘Randgruppe’, wie eine Mutter sagte – ausschlaggebend dafür sein, dass die FNR im Zuge einer Sekundarschul-Gründung geschlossen wird?“ So unterstellte ein Mathematiklehrer gar statistische Ungenauigkeiten, woraufhin Petra Glöß aus der Haut fuhr. „So viel Beleidigung habe ich selten gehört“, empörte sich die Erste Beigeordnete, die mehrfach die Notwendigkeit einer Veränderung der Schullandschaft verdeutlichte. „Wir stehen in Castrop-Rauxel aufgrund der sinkenden Schülerzahlen an der Schwelle, an der wir etwas tun müssen“, führte sie den demografischen Wandel an. „Ich stelle mir die Frage, warum die FNR und das Kollegium den Standpunkt eines gallischen Dorfes vertreten“, sagte Petra Glöß. „Ich habe bisher auch noch nicht so richtig herausgefunden, wer Majestätix ist.“

Gegen das vorgelegte Förderkonzept der FNR sei gewiss überhaupt nichts zu sagen. Die eindeutig besseren Rahmenbedingungen aber, um sowohl Haupt- als auch Realschülern gerecht zu werden, biete die Sekundarschule. Der SPD-Chef Rajko Kravanja pflichtete bei und argumentierte: „Es geht nicht um den Ist-Zustand, sondern um die Zukunft, niemand will die Realschule kritisieren, wir machen uns die Entscheidung auch nicht leicht.“ Die schulpolitische Sprecherin der CDU Marlies Graeber entgegnete: Keiner wisse, ob sich die Sekundarschule überhaupt bewähre. Sie fuhr fort: „Wir beziehen uns immer auf den demografischen Wandel, vielleicht kann man dem begegnen, in dem die Realschule zukünftig einfach nur noch zweizügig startet.“

Das neue Modell hingegen sei zwingend dreizügig. Zudem sei bei der Sekundarschule die ausreichende Lehrerversorgung fraglich, gebe es doch noch gar keine Qualifizierung für die Pädagogen, bezog sich Graeber auf Aussagen des Experten Dr. Heinfried Habeck. „Völliger Quatsch ist auch das Argument, dass dort nicht mehr abgeschult wird“, so Manfred Postel (FWI). Dann schob er sogleich die Frage hinterher: „Wie soll die Sekundarschule denn auch abschulen, wenn es darunter gar keine Schulform mehr gibt?“ Hier werde etwas „ideologisch durchgesetzt, indem man es manipuliert und ergebnisorientierte Fragebögen verteilt.“

Das Ergebnis scheint nun besiegelt, sagte auch Christoph Grabowski (FDP). „Nun haben die Eltern die Möglichkeit, dagegen anzugehen.“ Manfred Postel: „Sie haben keinen Einfluss mehr, es sei denn, Sie organisieren einen Bürgerentscheid.“

Schulpflegschaft plant Menschenkette

Die Schulpflegschaft der Fridtjof-Nansen-Realschule will am 5. Juli – am Tag der entscheidenden Ratssitzung – eine Menschenkette rund um das Rathaus bilden und ruft in einem Brief an die Eltern zur Teilnahme auf. „Bitte kommen Sie und bringen sie bitte viele Befürworter der FNR mit – es geht jetzt um alles“, so der dringende Appell.

Die Menschenkette in der Zeit von 16 bis 18 Uhr soll ein deutliches Signal sein. Noch einmal will die Schulpflegschaft der Politik zeigen, „wie viele Menschen hinter der FNR stehen und sie erhalten wollen“.

Mit dem Motto „Die FNR umarmt Castrop-Rauxel“ solle verdeutlicht werden, „dass wir auf diese Stadt zugehen, dass wir aber auch von dieser Stadt erwarten, dass sie unsere Interessen respektiert und im Gegenzug auf uns zukommt.“ Die Fridtjof-Nansen-Realschule müsse auf jeden Fall bleiben.

 
 

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