Der Geschichtenerzähler

Gerhard Römhild
Horst Lichter, und Johann Lafer machen Lafer! Lichter! Lecker! im ZDF. Foto: zdf/Oliver Fantitsch
Horst Lichter, und Johann Lafer machen Lafer! Lichter! Lecker! im ZDF. Foto: zdf/Oliver Fantitsch
Foto: Oliver Fantitsch wp

Castrop-Rauxel. Er guckt gerne über den Tellerrand hinaus, ist mal Koch, mal Comedian. Verbal-Koch Horst Lichter ist ein echtes Original und weiß sein Publikum bestens zu unterhalten. Mit dem lebenslustigen Schnurrbartträger, der am Donnerstag, 1. Dezember, in der Europahalle auftritt, sprach Gerhard Römhild über den Wert der bodenständigen Küche, private Schicksalsschläge und den Aufreger mit der „Sauren Gurke“.

Sie haben Ihren Herd mit der Bühne getauscht. Warum?

Horst Lichter: Es ging mir nie wirklich ausschließlich ums Kochen. Ich wollte die Menschen unterhalten und Geschichten erzählen. Dass ich das nun auf der Bühne tun darf, ist für mich eine riesige Freude. Es ist schön zu sehen, dass die Zuschauer am Ende des Abends glücklich nach Hause gehen, weil sie gut und viel gelacht haben.

Was wird aus all den in zwei Jahrzehnten gesammelten Antiquitäten und Trödelitäten in Ihrer Oldiethek?

An der Schließung meiner Oldiethek war das fast der schwierigste Teil. Auf einem offenen Trödelmarkt haben wir gerade vier Tage lang alles, was sich an Schätzchen und Sammlerstücken angesammelt hat, verkauft. Mit den Erlösen wird zwar Gutes getan, aber leicht ist es mir nicht gefallen. Da habe ich schon das eine oder andere Tränchen verdrückt.

Apropos Umzug: Kann das denn funktionieren - eine rheinische Frohnatur im Schwarzwald?

Das funktioniert sogar sehr gut. Ich habe mich in die Menschen und die Umgebung einfach verliebt. Es gibt hier viele tolle kleine Metzgereien und Bäckereien. Außerdem wohne ich immer noch am Rhein. Mein Vater hat früher immer gesagt: „Wenn ich mal ins Alter komme, möchte ich mich aufs Land zurückziehen.“ Er hat diesen Traum nie verwirklichen können. Ich hab es getan.

Sie hatten Schicksalsschläge (Schlaganfälle, Ehe-Aus) zu verpacken. Was hilft einem derart Gebeutelten?

Diese Schicksalsschläge haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, auch wenn ich so etwas niemandem wünsche. Heute empfinde ich es als großes Glück, wenn ich ich selbst sein darf. Ich kann nur raten, nie den Mut zu verlieren und immer nach vorne zu schauen.

Im TV wird gekocht, dass die Töpfe glühen. Wie lange wird der Kochboom noch andauern?

Was wir machen, ist Unterhaltung. Menschen lachen dabei, sind amüsiert, bekommen vielleicht Lust, es auch mal nachzukochen. Solange die Zuschauer diese Art von Unterhaltung mögen, werden Sie auch weiter einschalten.

Sie gelten als Verfechter der ehrlichen Küche. Wie sollte die idealerweise aussehen?

Idealerweise wie bei Mama. Sie hat immer bodenständige Küche für uns gekocht, nie überkandidelt. Für mich muss die Soße nicht auf den Teller gemalt werden. Wobei ich große Hochachtung vor meinen visionären Kollegen in der Küche habe.

Nebenbei Herr Lichter: Steht das private Weihnachtsmenü? Und was kommt auf den Tisch?

Weihnachten wird bei uns seit Jahren immer ganz traditionell gegessen. An Heiligabend gibt es ganz schlicht Kartoffelsalat und Würstchen. Dafür wird am ersten Weihnachtstag richtig aufgetischt. Dann gibt es einen Kaninchenbraten mit einer schönen dunklen Bratensoße, dazu Knödel, Kartoffeln und Rotkohl. Sehr lecker.

Ihr Markenzeichen ist ein gewaltiger Schnauz. Wie hält man den in Form?

Ach, das ist recht einfach. Ich brauche morgens nicht viel länger im Bad als alle Anderen. Drei, vier Minuten den Föhn drunter halten, Haarlack rein, glatt ziehen und fertig.

Was sind Sie lieber: Koch oder Comedian?

Comedian ist ein sehr großer Begriff. Ich sehe mich eher als Geschichtenerzähler. Eben einer, der die Menschen gerne unterhält, sozusagen als kochenden Entertainer.

Ein Blick zurück: 2007 gab es die „Saure Gurke“, den Medienpreis für einen frauenfeindlichen Fernsehbeitrag. Was war da los?

Ich habe einen weiblichen Gast eine „nougatgefüllte Marzipanpraline“ genannt. Jeder der mich und meine Vorliebe für Nougat und Marzipan kennt, weiß dass das aus meiner Sicht eines der größten Komplimente ist, das ich einer Frau machen kann.

Auf was dürfen sich die Castrop-Rauxeler bei Ihrem Auftritt freuen? Und ist der Herd dabei?

Auf zweieinhalb Stunden Horst Lichter pur. Tränen lachen, zuhören und nachdenken. Ich erzähle viele neue Geschichten aus meinem Leben. Es macht mir einfach großen Spaß, meine Anekdoten zu erzählen. Mein Herd ist natürlich auch mit dabei. Wobei, ich muss ja schon sagen, dass ich so ein guter „Verbal-Koch“ bin. Ich erzähle so lange übers Essen bis alle glauben sie haben gegessen.

Herr Lichter, Hand aufs Herz: Kann denn Butter Sünde sein?

Im Grunde ist es mit der Butter wie mit vielen Dingen im Leben. Wenn wir etwas im Übermaß genießen, kann es uns natürlich auch schaden. Mama hat früher schon immer gesagt: „Das ist die gute Butter.“ Und gute Butter kann doch keine Sünde sein.

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TV-Koch Horst Lichter ist am Donnerstag, 1. Dezember, um 20 Uhr in der Europahalle zu Gast. Die Eintrittskarten gibt es (33,30 und 35,50 Euro) im Forum-Ticket-Shop in der Castroper Altstadt (Münsterstraße 2, Karten-Telefon: 02305/22299, Fax 2665) und allen CTS-Vorverkaufsstellen.