Auf Tuchfühlung mit Wurst-Achim

arbeiterin Nina, als sie den amtierenden Deutschen Meister Achim auf seinem Wagen unterstützte.
arbeiterin Nina, als sie den amtierenden Deutschen Meister Achim auf seinem Wagen unterstützte.
Foto: WAZ FotoPool
Die Gilde der Marktschreier war zu Gast in Ickern. Mit dabei war auch der amtierende Deutsche Meister, der sich über die Schulter schauen ließ. Im Wettbewerb zeigte sich schnell, wer die allergrößte Klappe hat.

Castrop-Rauxel.. Jede Woche eine andere Stadt, 45 Wochen im Jahr. Dieses Zigeunerleben ist nichts für Jedermann. Aber zum Leben des Marktschreies gehört es dazu wie das laute Organ. Seit 24 Jahren zieht „Wurst-Achim“ nun schon mit seiner Gilde der Marktschreier durch das Land und bietet seine Schinken und Salamis feil. Das hat ihm mittlerweile einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad verschafft, und sogar die deutsche Meisterschaft im Marktschreien eingebracht. Am Wochenende präsentierten er und seine Kollegen ihr Können auf dem Ickerner Marktplatz und verscherbelten geradezu ihre Waren.

Zu seinem Beruf kam der eher zufällig. „Ich habe immer schon gerne mit Menschen gearbeitet, das ist auch wichtig bei einem Beruf wie meinem. Man muss Spaß haben und einen Sinn dafür, die Leute zu unterhalten.“ Diesen Sinn hat der Wurstverkäufer und schafft es, mit seinen derben Sprüchen immer wieder die Zuschauer und Schlenderer in seinen Bann zu ziehen – zum Beispiel mit Geständnissen wie: „Leute, meine Alte is’ schwanger. Die hat wieder die Pille mit den Smarties verwechselt, und jetzt brauch’ ich Kohle, aber so sind sie, die Ostfriesenweiber!“

Wichtig ist auch, die anderen Schreier mit in seine eigene Show einzubeziehen, erklärt Wurst-Achim. „Das wollen die Leute sehen, wir sollen miteinander reden und uns auch ein bisschen gegenseitig ansticheln und uns Sprüche drücken, dafür kommen die Zuschauer auf solche Märkte. Das heißt aber nicht, dass wir nicht abends auch gerne alle mal ein Bier zusammen trinken gehen. Man muss nicht alles so ernst nehmen, was wir hier schreien.“

Dank seinem Schrei-Talent ist er im Moment auch auf dem ersten Platz im Marktschreierwettbewerb. „Aber der Blumen-Holländer ist immer dicht hinter mir auf dem zweiten Platz“, erzählt er. Die Kunden aber wollen für ihr Geld nicht nur eine Show geboten bekommen, sondern auch gute Angebote sehen. „Natürlich muss man auch nett sein zu den Zuschauern, auch mal probieren lassen und ordentlich was bieten für einen guten Preis. Dann kaufen die Leute auch.“ Und sparen kann man alle Mal auf dem Markt der Marktschreier. „Bei einer Wursttüte von mir kann man schon mal so 14 oder 15 Euro sparen im Schnitt, und das wollen die Leute“, rechnet Wurst-Achim vor. Als nächstes geht es für die Gilde der Marktschreier nach Homburg. „Wir waren schon in Hannover dieses Jahr, da lief es besonders gut, aber auch im Ruhrpott kommen wir immer gut an“, sagt Wurst-Achim.

Derb, derber, Marktschreier

„Ich muss ja besoffen sein, bei den Preisen hier“ und „Leute, kauft schnell, bevor die Polizei kommt und mir das Diebesgut wieder abnimmt“ sind nur zwei Sprüche aus dem Repertoire eines Marktschreiers. Durch Geschrei wie dieses konnten sich die Zuschauer auf dem Ickerner Marktplatz am Samstag auf die Seite der jeweiligen Marktschreier ziehen lassen und per Zettelwahl für ihren persönlichen Favoriten abstimmen.

Und dass sich die Teilnehmer des Wettbewerbs gegenseitig nichts Schenken, wurde schnell klar. „Wenn Arschlöcher fliegen könnten, wäre der Aalwagen ein Flugplatz“ schallte es über den Platz, genauso wie „Das dumme Schwein verkauft ein halbes Schwein“ – den Schaulustigen und Bummlern scheint es zu gefallen. „Wir wissen noch nicht, wen wir wählen, aber bisher ist ja auch noch nicht so viel los“, meint Anita Kluge, neben der die Ausbeute vom Blumenkönig steht, und Peter Kluge fügt hinzu: „Die Schreier sind alle ganz gut, aber früher hatte man so was ja auch auf dem normalen Wochenmarkt, da hat jeder geschrien.“

Auch die kleinen Zuschauer kommen natürlich bei dem Stimmzettel-Buhlen nicht zu kurz. So kann sich die vierjährige Lea über eine dicke Scheibe Salami von Wurst-Achim freuen, und ihre Patentante Silke Ogryssek freut sich über eine Spartüte mit Wurst, „Es ist ja eine gute Masche, den Kindern kleine Proben anzubieten“, sagt sie schmunzelnd und fügt hinzu: „Am besten gefällt mir aber der Blumenkönig.“ Während Wurst-Achim noch brüllt „Wer hat noch Geld, ich hab noch Wurst“, wandern die letzten Stimmzettel.

Der glückliche Gewinner der Stimmauszählung in Ickern ist der amtierende Deutsche Meister Wurst-Achim, der dadurch seine Gesamtführung noch ausbauen konnte. Auf den zweiten Platz wurde der holländische Blumenkönig gewählt, Aal-Axel hat den dritten Platz geholt, den vierten belegt Käse-Rudi.

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