Auf dem Weg

Dieter Decker
Foto: hg pressefotografie gbr

Castrop-Rauxel. Getrennte Wege werden der Kreis und die Bundesagentur für Arbeit gehen.

Einstimmig sprachen sich sowohl der Sozial- als auch der Wirtschaftsausschuss des Kreises dafür aus, die Betreuung der Langzeitarbeitslosen künftig unter eigener Regie zu nehmen. Die Vestische Arbeit soll als „Jobcenter Vestische Arbeit Recklinghausen“ Betreuung, Vermittlung sowie Leistungszahlungen übernehmen. Vorausgesetzt, der Kreis wird als Optionskreis anerkannt. Acht sollen in NRW neu zugelassen werden. 15 Städte und Kreise werden in NRW voraussichtlich Anträge stellen. Die Chancen, dass der Kreis den Zuschlag erhält, wurden gestern während der Sitzung als gut eingeschätzt.

Seit 2005 bewältigen die Städte sowie die Agentur für Arbeit diese Aufgaben gemeinsam. In den Dienststellen in den Städten, die mit der Hartz-IV-Reform eingerichtet wurden, arbeiten ehemalige Mitarbeiter des Arbeitsamtes sowie Mitarbeiter der Sozialämter zusammen. Das soll auch so bleiben. Das Personal soll, nicht zuletzt wegen des bereits vorhandenen Know How, behalten werden.

Hintergrund der Trennung ist die Unzufriedenheit der Politik mit der Arbeitsweise der Agentur für Arbeit. Zu zentralistisch, zu wenig auf regionale Bedürfnisse abgestimmt, hieß es gestern in den Fachausschüssen. Brigitte Puschadel (SPD): „Der Umgang war den Menschen, die um Hilfe gebeten haben, nicht gemäß.“ Rolf Hempel (CDU) kritisierte, dass regionale Belange zu kurz kämen: „Was in Baden-Baden gut ist, muss in Bottrop nicht richtig sein.“ Grundsätzlich hat die Politik den eigenen Weg bereits 2008 beschlossen. Doch der ist nicht so einfach. Insbesondere in der Übergangsphase. Neue, eigene Daten- und Verarbeitungsprogramme müssen erstellt werden. Die der Bundesagentur für Arbeit müssen von den Computern entfernt werden. Dazu verlange die Agentur, dass alle Computer nach Nürnberg geschickt werden müssen.

Konzeptionell werde das kommunale Jobcenter sich neu aufstellen. Im Eingangsbereich werden eigens geschulte Mitarbeiter die Menschen in Empfang nehmen und mit ihnen ihren Fall durchsprechen und gleich an die richtigen Stellen lotsen. Im neuen „Haus der sozialen Leistungen“ sollen die Wege zum Jugendamt, Schulamt, Wohnungsamt, Rentenberatung, Vestische Arbeit sowie Unterhalts-Beratung und Schwerbehinderten-Angelegenheiten sowie Beratungs- und Info-Center-Pflege kurz sein. Ein eigener Arbeitgeberservice soll aufgebaut werden. Kurz: Der Kreis will es besser machen und die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in Arbeit steigern. Dies wiederum würde letztendlich auch die kommunalen Kassen entlasten. Vorausgesetzt, der Kreis wird Optionsgemeinde.