Veröffentlicht inStädte

Brütende Habichte fliegen Angriffe auf Jogger

Die Isenburg im Zeichen des_0--543x199.jpg

Alpen. 

Klingt nach Hitchcocks „Die Vögel“, ist aber ganz natürlich. Sagt Christian Pfeiffer. Den Förster hatte jüngst ein Arzt um Rat gefragt: Sein Patient war in Alpen (Kreis Wesel) von einem Habicht verletzt worden. „Die Tiere verteidigen ihre Brut“, erklärt Pfeiffer. Der Tiefflug war nicht die erste Attacke.

Eigentlich ist Sport an der frischen Luft eine gesunde Angelegenheit, da bildet der Ausdauerlauf in freier Natur keine Ausnahme. Für einen Jogger, der am Dienstag durch die Alpener Leucht lief, endete das Fitness-Programm allerdings in einer Arztpraxis.

„Der behandelnde Arzt rief mich an und fragte, ob nach einer Attacke von einem Raubvogel Tollwutgefahr besteht“, erzählt der Alpener Förster Christian Pfeifer.

Vier „Scheinattacken“ in diesem Frühjahr

Immerhin: Pfeifer konnte Arzt und Patient beruhigen, die Tollwut gilt in Deutschland schließlich als ausgerottet. Dass der Jogger von einem Habicht überhaupt verletzt wurde, hält der Förster für einen Unfall. „Das wird ein Scheinangriff gewesen sein, bei dem sich das Tier schlicht verschätzt hat.“

Dass ein Raubvogel einen Menschen attackiert, ist nach Pfeifers Wissen in seinem Revier noch nie passiert. „Die Tiere fliegen nur Scheinangriffe, weil sie jetzt ihre Brut verteidigen wollen“, erklärt er. Und da reagieren die Vogeleltern eine Spur aggressiver als sonst: Neben dem Angriff in der Leucht weiß der Förster noch von vier Scheinattacken auf Menschen im Vluyner Busch in diesem Frühling. „Wir haben in den beiden Gebieten wohl Habichtpärchen, die ihre Horste sehr nah an einem Weg gebaut haben.“

Bunt gekleidete Jogger machen Tiere aggressiv

Die reine Anwesenheit von Menschen reizt die Vögel noch nicht – langsame Fußgänger etwa sehen sie nicht als Gefahr für den Nachwuchs an und ignorieren sie. Schnellere Jogger – gerade wenn sie auch noch Sportkleidung in leuchtenden Farben tragen – machen die Tiere während der Brutzeit bisweilen aggressiv. Neben Habichten fliegen auch Mäusebussarde und einige Falkenarten in der Brutzeit solche Scheinangriffe.

Die Gefahr, von einem rabiaten Raubvogel attackiert zu werden, besteht nach Einschätzung des Alpener Försters noch etwa sechs Wochen. In dieser Zeit sollten Jogger, deren Laufstrecke an Raubvogel-Horsten entlang führt, entweder alternative Routen wählen, oder zumindest Sportkleidung in gedeckten Farben tragen. Im Falle einer Attacke rät der Förster, Ruhe zu bewahren. „Wenn man sich nicht bewegt, sehen die Tiere keine Gefahr mehr und verlieren schnell das Interesse.“

Es sind allerdings nicht nur die Raubvögel, bei denen sich gerade alles um den Nachwuchs dreht. „Das gilt momentan für so ziemlich alle wild lebenden Tierarten“, erklärt Förster Pfeifer. „Deshalb sollte man im Wald jetzt unbedingt auf den Wegen bleiben, um den Tieren keinen Stress zu bereiten.“ Das ist ein auch ohne Scheinattacken nachvollziehbares Argument.