Zahl der Jobs erreicht in Bottrop Höchststand

Bergarbeiter steigen auf Prosper V in den Schwarzbus. Noch ist Bottrop eine Bergbaustadt. Über 4000 Kumpel gehen auf den Zechen zur Arbeit.
Bergarbeiter steigen auf Prosper V in den Schwarzbus. Noch ist Bottrop eine Bergbaustadt. Über 4000 Kumpel gehen auf den Zechen zur Arbeit.
Foto: Winfried Labus
  • Bergbau prägt noch immer Arbeitsmarkt der letzten deutschen Kohlestadt
  • Doch im örtlichen Handel arbeiten mittlerweile mehr Leute als auf Zeche
  • Beschäftigungseinbruch steht mit Ende des Bergwerks erst noch bevor

Bottrop..  Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt ist weiter angestiegen. 32 975 Beschäftigte haben die Statistiker des Landes in Bottrop Ende September 2015 gezählt. „Bottrop hat den höchsten Beschäftigungsstand seit dem Jahr 2000“, hält auch Petra Lessing aus der Statistikabteilung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) fest. Die soeben veröffentlichte RVR-Untersuchung zeigt auch auf: Bottrop ist zwar noch immer eine Bergarbeiterstadt, doch im Handel insgesamt gibt es jetzt schon mehr Jobs als auf der Zeche.

Blick in die Landesstatistiken

4975 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten im Bottroper Handel. Im Bergbau und in der Energiewirtschaft sind noch 4104 Beschäftigte tätig. 546 Jobs gingen dort nach RVR-Angaben allein von Sommer 2014 auf Sommer 2015 verloren - so viele wie in keiner anderen Branche in der Stadt.

Ein Blick der WAZ-Redaktion in die Statistiken des Landes und die jüngsten Zahlen des Regionalverbandes machen schnell klar, dass der Stadt mit der Schließung des Bergwerks Prosper-Haniel ein großer Beschäftigungseinbruch in den nächsten Jahren bevorstehen wird. So bleibt von den jetzt 4100 Jobs im Bergbau nach dem Zechensterben 2018 etwa gut die Hälfte übrig. Ab 2022 werden dort dann noch etwa 1000 Mitarbeiter tätig sein. Über 3000 Arbeitsplätze werden somit verloren gehen. Zum Vergleich: Bis Herbst 2015 haben 1873 Beschäftige mehr als vor zehn Jahren eine Stelle in Bottrop bekommen. Im Durchschnitt sind das über 180 neue Stellen im Jahr. Der RVR vermeldet zwar einen Beschäftigungshöchststand, doch verglichen mit den Landeszahlen zeigt seine aktuelle Bilanz auch, dass das derzeitige Beschäftigungswachstum in der Stadt unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt. Denn im Sommer 2015 gab es laut RVR in Bottrop insgesamt 99 Arbeitnehmer mehr als ein Jahr zuvor.

Macht im Ruhrgebiet der Dienstleistungssektor inzwischen 75 Prozent des Arbeitsmarktes aus, hält die RVR-Statistikerin Petra Lessing mit Blick auf Bottrop fest: „Der Dienstleistungsbereich fällt eher unterdurchschnittlich aus“. Bei 69,4 Prozent liegt sein Anteil am örtlichen Arbeitsmarkt, niedriger ist er nur in Mülheim und im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Die größten Stellenzuwächse verzeichnen in Bottrop derzeit die Anbieter wirtschaftlicher Dienstleistungen wie Autovermieter, Reisebüros, Wachdienste oder Gartenbauer. Viele Jobs entstehen auch in Heimen und im Gesundheitswesen. Allein im Bergbau aber fielen fast so viele Stellen fort wie in diesen Zuwachsbranchen zusammen.

 
 

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