Wo Männer sorgsam alte Schätzchen pflegen

In diesem makellos restaurierten Thunderbird erkundete der Fotograf - hier im Bild sein Guide Faustino De Jesus  Zamora Vargas - die kubanische Hauptstadt Havanna.
In diesem makellos restaurierten Thunderbird erkundete der Fotograf - hier im Bild sein Guide Faustino De Jesus Zamora Vargas - die kubanische Hauptstadt Havanna.
Foto: HPK
Hans-Peter Keller setzt seine fotografische Städtetour in Havanna fort. In Kubas Hauptstadt fand er nicht nur neue Freunde, sondern auch eine individuelle Oldtimer-Szene. Die zeigt er bald in einer Ausstellung

Bottrop.. Was von seinen Reisen übrig bleibt, das zeigt Hans-Peter Keller auch. Seine Fotoserien, die u.a. in London, Barcelona, New York, Köln aber auch im heimischen Bottrop entstanden, stellt der 61-Jährige sogar hin- und wieder aus. Nach seinen Paris-Impressionen vor drei Jahren zeigt er demnächst in Passmanns Kulturkneipe ein kleine Auswahl seiner jüngsten Serie. Die entstand vor einiger Zeit bei einem Trip nach Havanna.

In der kubanischen Hauptstadt begab sich Keller natürlich nicht allein auf Motivsuche. Über das Internet lernte er eine Dolmetscherin kennen: Miriam, Mitte 70, früher im Staatsdienst des trotz aller Annäherungen an den Westen noch von der kommunistischen Einheitspartei kontrollierten Landes. „Miriam gefielen meine Fotos und hielt sofort nach einem, wie sie meinte, für mich passenden Guide Ausschau“, sagt Hans-Peter Keller.

Früh aufstehen lohnt sich

Und so traf er im Februar auf Faustino und dessen Sohn. Der Mittsiebziger, der auf den klangvollen Namen Faustino De Jesus Zamora Vargas hört, spricht perfekt Deutsch. Kein Wunder: „Studierte er doch im damaligen sozialistischen Bruderstaat namens ,DDR’, unter anderem Germanistik“, lacht Keller. Und mit den beiden Vollblut-Kubanern zog der Bottrop los.

Natürlich fand er mit seinen neuen Kumpels einen Verleih, in dem er für einen perfekt restaurierten Ami-Schlitten nicht pro Stunde sondern für vier Stunden 80 Euro zahlen musste. „Es ist dort alles irgendwie im Fluss, nichts so wirklich in Stein gemeißelt, auf jeden Fall nicht, wenn man mit Einheimischen unterwegs ist“, lacht der Bottroper.

So fand er im Februar nicht nur ein wunderbares Licht - oft war es bewölkt und so fielen keine langen Schatten -, sondern auch Orte, an denen man als Tourist normalerweise vorbei läuft.

Kellers Bilder zeigen Blicke in Hinterhöfe, in denen alte Männer liebevoll altes Metall pflegen. Die riesigen Ami-Schlitten, die dort über 50 Jahre lang Dienst tun mussten, weil es einfach keinen Nachschub gab. Schon lange sind sie die automobilen Hingucker auf der Karibikinsel. Und in der letzten Zeit gibt es verstärkt Material, sie stilgerecht zu restaurieren. Buicks, Chevroletts, Oldsmobile in knalligen Retrofarben oft als „Dropheads“, also als Cabrios, bevölkern Straßen und Strand.

Vor den alten Kolonialbauten, wie der prachtvollen Oper oder der Kathedrale, immer wieder ein Hingucker. Aber natürlich widmet sich Keller zumeist den Menaschen, die er en passant bei ihrer Beschäftigung oder ganz gezielt „aufnimmt“. Für einige Motive begab er sich sogar morgens um fünf Uhr auf die Pirsch. Das lohne sich in jeder Stadt, egal ob in Havanna, Berlin oder Bottrop.

Einen Teil der Fotos druckt er in einer Größe von 120 mal 80 Zentimetern auf Alu-Dibond. „So erhalten vor allem die Bilder der Oldtimer einen zum Motiv passenden metalischen Effekt“, findet Keller. Diese Arbeiten möchte er demnächst in Bottrop und dann auch anderswo zeigen.

Eine Auswahl der in Havanna entstandenen Arbeiten zeigt Hans-Peter Keller ab Samstag, 22. Oktober, 18 Uhr, Passmanns Kulturkneipe, Kirchhellener Straße 57, 46236 Bottrop.

 
 

EURE FAVORITEN