Wikipedia läutet vor 15 Jahren eine Wende ein

Marc Pietrek, Leiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums, lässt wie viele andere Pädagogen die Wikipedia-Nutzung allenfalls zur Orientierung zu
Marc Pietrek, Leiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums, lässt wie viele andere Pädagogen die Wikipedia-Nutzung allenfalls zur Orientierung zu
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Schüler dürfen das Lexikon im Netz zur Orientierung nutzen. Als Quelle geht es nicht durch. Im Buchhandel verschwindet die gedruckte Enzyklopädie.

Bottrop.  Wikipedia ist eine der größten Informationsplattformen im Netz. Täglich wird sie von Jung und Alt in Anspruch genommen, wenn schnell etwas nachzuschlagen ist. Heute vor 15 Jahren ging das stetig wachsende Lexikon, dessen Inhalt von den Internet-Nutzern selber hergestellt wird, an die Öffentlichkeit.

Mark Pietrek ist Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums. „Wir bekommen sehr oft mit, dass Schüler Wikipedia als erste Informationsquelle nutzen – gerade bei Facharbeiten in der Jahrgangsstufe 11. Das ist für diesen Zweck vollkommen in Ordnung, solange es dabei bleibt“, hebt er hervor. Plagiate und direkte Abschriften bildeten jedoch die Ausnahme. Im Durchschnitt falle eine Arbeit pro Jahrgang auf, bei der eine direkte Abschrift ersichtlich werde. „Die kritische Auseinandersetzen ist das A und O. Das versuchen wir als Lehrer zu vermitteln. Denn Wikipedia ist nicht wissenschaftlich fundiert, es ist schwer zitierbar, dient aber immerhin der Orientierung.“

2013 erschien ein Brockhaus

Das Heine-Gymnasium führte auch aus diesem Grund Vorbereitungskurse für das wissenschaftliche Arbeiten ein, bei denen unter anderem die Angabe von Quellen thematisiert wird. Zugleich eine Vorbereitung auf das Studium, in dem die Herkunft eines Textes von gravierender Bedeutung ist.

Bottroper Buchhandlungen beobachten, dass mit der Einführung von Wikipedia die Enzyklopädien in Buchform immer seltener nachgefragt werden: „Es besteht einfach kein Interesse an mehrbändigen Ausgaben; die Verlage produzieren sie auch schon gar nicht mehr“, sagt Kathrin Allkemper, Filialleiterin der Humboldt-Buchhandlung. „Wir hatten kürzlich schon Schwierigkeiten, für einen Kunden ein aktuelles Lexikon zu finden.“ Die jüngste Brockhaus-Ausgabe in einem Band erschien 2013. Das einzige, was als Nachschlagewerk noch verkauft werde, seien Kinder- und Jugendlexika. Die Gründe dafür seien definitiv im Online-Angebot zu suchen, meint die Buchhändlerin.

Ralf Becker, Inhaber der Buchhandlung Erlenkämper, kann da nur zustimmen. „Nachgefragt werden Enzyklopädien ab und an schon, sie werden aber nicht mehr gedruckt.“ Er höre manchmal die Frage, wozu denn noch ein Lexikon gebraucht werde, wenn man doch heute alles bei Wikipedia nachlesen könne. . .

Weil an dem Online-Lexikon jeder mitwirken darf und soll, werden Artikel zu nahezu allen Themen erstellt oder bearbeitet. Davon abgesehen, dass hier mancher bewusst oder unbewusst eine Neigungsdarstellung verfasst, steht die Überprüfung von Daten und Fakten durch Experten oft noch aus.

Auf Bottrop reagiert das Nachschlagewerk mit Basiswissen 

Wer auf Wikipedia nach Orten, Personen oder Daten aus oder um Bottrop sucht, dem wird schnell klar: Die Internetseite bietet derzeit viele Einträge zu Einzelpersonen, Eckdaten der Stadt oder Kultureinrichtungen, die von unterschiedlichsten Autoren verfasst wurden.

Je nach Schwerpunkt finden sich auf dem Portal wenige Zeilen oder längere, erläuternde Artikel plus eine Menge Zahlenmaterial. Als Quelle werden häufig andere Seiten im Netz oder Zeitungsartikel aufgeführt. Selten findet sich ein Buchhinweis oder ein direktes Zitat. Die Verweise sind in vielen Fällen schlichte und wenig transparente Weiterleitungen.

Nachdem der Suchbegriff „Bottrop“ eingetippt wurde, kommt als erste elektronische Reaktion die geografische Lage der Stadt, ihre Geschichte, das politische Geschehen, die Kultur, die Infrastruktur, Auszeichnungen und einzelne Persönlichkeiten, alles in Gründzügen dargestellt.

Ob Tetraeder, Museum Quadrat oder Movie Park – viele der Beiträge drehen sich um die kulturelle Szene und ihre Veranstaltungsorte. Personen, die auf den Webseiten mit ihrer Funktion einem kurzen Lebenslauf charakterisiert werden, sind zum Beispiel August Everding, Josef Albers oder der amtierende Oberbürgermeister Bernd Tischler.

Einige „Verlinkungen“ sind zwar angelegt, führen jedoch oft zu keinem Artikel. Wikipedia - zweifellos eine Dauerbaustelle.

 
 

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