Wer austritt, kriegt Kirchen-Post

Propst Paul Neumann ist seit Oktober 2010 als Dechant im Amt .
Propst Paul Neumann ist seit Oktober 2010 als Dechant im Amt .
Foto: WAZ FotoPool
Über Kirchenaustritte und ihre Folgen wird zurzeit diskutiert. Die WAZ sprach darüber mit Propst Paul Neumann.

In der katholischen Kirche wird über das Thema Kirchenaustritt diskutiert. Sie hat gerade ihre Regelungen für den Umgang bei einem Kirchen-Austritten verändert. Zudem fällte das Bundesverwaltungsgericht ein Grundsatzurteil: Es entschied, dass nur derjenige Kirchenmitglied sein kann, der auch zur Zahlung der Kirchensteuer bereit ist. Angelika Wölk sprach mit Paul Neumann darüber, dem Propst an St. Cyriakus und Stadtdechant.

Herr Probst, was halten Sie von dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts?

Probst Neumann: Es liegt ja ganz auf der Argumentations-Linie der Deutschen Bischofskonferenz.

Hören Sie von Bottroper Katholiken auch: Ich möchte Katholik bleiben, aber ich zahle die Kirchensteuer nicht mehr?

Wir wissen nicht, aus welchen Gründen Menschen aus der Kirche austreten. Sie teilen uns das ja nicht mit. Aber wir erfahren es von den Menschen, die später wieder eintreten. Dann begründen sie das meist und viele sagen uns dann: Ich bin aus finanziellen Gründen ausgetreten, aber ich habe mich trotzdem immer noch zugehörig gefühlt.

Was ändert das Gerichtsurteil?

Es sorgt für klare Verhältnisse.

Die Kirche will künftig jedem Katholiken, der ausgetreten ist, einen Brief schreiben. Was steht da drin?

Darin steht zum einen drin, dass derjenige, der die Kirche verlassen hat, keine Sakramente mehr empfangen, dass er keine Ämter mehr ausüben darf, etwa als Taufpate oder als Firmpate.

Zweitens: Er wird zu einem Gespräch mit einem Priester eingeladen.

Kritiker sagen, der Brief sei weniger ein Werbebrief für die Kirche, sondern eher ein Drohbrief.

Das ist eine Sache der Einstellung. Ich sehe keine Drohung darin, sondern für mich steht die Einladung zum Gespräch im Vordergrund. Gut, vielleicht wird er sagen: Das kommt zu spät. Aber immerhin: Er wird eingeladen.

Die Priester haben in den Großpfarreien schon jetzt ordentlich zu tun, nun kommen noch neue Gesprächs-Termine dazu. Eine zusätzliche Belastung für die Priester?

Das wird sich zeigen. Aber es ist doch die originäre Aufgabe des Priesters, seelsorglich im Gespräche zu sein.

Wie viel Katholiken hat die Kirche in Bottrop in den vergangenen Jahren verloren?

2010 waren es 243 Personen, das sind 0,51 Prozent aller Katholiken in Alt-Bottrop. 2011 waren es 198 (0,42 Prozent). Damit liegen wir leicht unterhalb des Schnitts im Bistum Essen. Vor allem das Jahr 2010 war ein schwieriges Jahr für uns, weil damals die Missbrauchsfälle in der Kirche bekannt wurden. In dem Jahr blieben wir in Bottrop deutlich unter dem Schnitt des Bistums.

 

EURE FAVORITEN