Wenn der Dudelsack das „Te Deum“ krönt

Angelika Belz (Dudelsack) und Ingo Funken an der Orgel spielten beim Festival „Orgel Plus“ Arrangements für diese ungewöhnliche Kombination.
Angelika Belz (Dudelsack) und Ingo Funken an der Orgel spielten beim Festival „Orgel Plus“ Arrangements für diese ungewöhnliche Kombination.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop.  Dudelsack ist nicht gleich Dudelsack. Davon konnten sich gleich mehrere Hundert Zuhörer in der gut besuchten Herz Jesu-Kirche überzeugen, als das Festival „Orgel Plus“ wieder seinem Motto Ehre machte - und dieses Mal die exotische Kombination der „Königin der Instrumente“ mit der uralten Familie der Sackpfeifen präsentierte.

Davon hatte Angelika Belz vom benachbarten Niederrhein gleich mehrere Bauarten im Gepäck. Von der französischen „Cornemuse“, den irisch-gälischen „Uilleann Pipes“ bis zur markanten Rauschpfeife, die wohl in der Renaissancemusik ihre Hoch-Zeit hatte. Mit Ingo Funken an der Orgel hatte Belz nicht nur einen kongenialen Partner für diese erfrischend-farbenreiche Musik, sondern auch gleich den Mann zur Hand, der für Satz und Arrangements sorgte.

In der weiten Halle von Herz Jesu entfaltete sich die zum Teil prächtig auftrumpfende Musik des Barock. Wer an silbrigen Trompetenklang zum Beispiel bei Händels „Wassermusik“ oder dem Präludium aus Charpentiers „Te Deum“ gewohnt war, hatte sich bald an das zuweilen leicht „näselnde“ und nicht immer eindeutig intonierte „Singen“ des Dudelsacks gewöhnt.

Ein bisschen ,Last Night of the Proms’

Irische „Traditionals“ zeigten dagegen zunächst die solistischen wie emotionsgeladenen Qualitäten des Dudelsacks, der seine klagend-melancholischen Melodien durch die Kirche schickte - beinahe so, als ob es sich um die Weiten der sanften irischen Hügellandschaft oder der schrofferen Highlands Schottlands handelte.

Wenn die Orgel dann mit eher grundtönigen Stimmen scheinbar wie aus dem Nichts kommend einen dunkel getönten Klangteppich webte, über dem die einsame Stimme des Dudelsacks schwebte, konnten sich die Zuhörer dieser beinahe mystischen Stimmung nur schwer entziehen. Dabei setzte das Duo Belz-Funken besonders auf die Möglichkeiten der umfangreich disponierten Rensch-Orgel, mit deren Fertigstellung 1986 die Grundlage für „Orgel Plus“ erst gelegt wurde. Die zahlreichen (zuvor noch einmal frisch intonierten) Zungenstimmen der verschiedenen Teilwerke der Orgel „rieben“ sich reizvoll mit den Soloinstrumenten - sind sie doch in ihrer Klangerzeugung einander nicht unähnlich.

Melodien aus dem nordspanischen Galizien - auch dort, nicht nur in Irland oder Schottland, lebten traditionell keltische Stämme - standen im schönen Kontrast beispielsweise zu Telemanns „Heroischen Märschen“, denen Angelika Belz mit der Rauschpfeife disziplinierten Glanz verlieh.

Einen Hauch von Londons legendärer „Last Night of the Proms“ gab es beim fulminanten Ende: Fast als hätte man drauf gewartet erklang Edward Elgars „Land of Hope and Glory“, der wohl bekannteste Hit aus seiner Marschfolge „Pomp and Circumstance“. Die Zugabe „High-land Cathedral“ - von Deutschen komponiert und zeitweise sogar als schottische Hymne im Rennen - rundete das europäische Programm des begeistert aufgenommenen Abends eindrucksvoll ab.

Weitere Informationen zum Festival „Orgel Plus“ unter: www.orgelplus.de

 
 

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