Weil sie keinen Ausweis hatte - Bottroper Sanitäter schicken Ärztin weg

Die Sanitäter warteten lieber auf den Notarzt, als der der Frau zu vertrauen.
Die Sanitäter warteten lieber auf den Notarzt, als der der Frau zu vertrauen.
Foto: WAZ FotoPool
Müssen sich Ärzte mit einem Ausweis legitimieren? Als Dr. Anke Liesenklas in Bottrop zufällig Zeugin eines Notfalls wurde und eine Infusion legen wollte, schickten Sanitäter sie weg - da könne ja jeder behaupten, Arzt zu sein. Die Medizinerin findet das unverständlich, die Rettungskräfte stehen jedoch zu ihrem Verhalten.

Bottrop. „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“ Wer kennt nicht den Hollywood-Satz, wenn der Lebensretter plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht. Doch was im Film so selbstverständlich daher kommt, stößt im deutschen Alltag auf strenge Regeln. Diese Erfahrung musste jetzt Dr. Anke Liesenklas machen.

Die Sanitäter warteten lieber auf den Notarzt

In der Filiale einer Bank hatte die Ärztin einem bewusstlosen Menschen erste Hilfe geleistet. Beim Eintreffen des Rettungswagens wollte sie dem Mann eine Infusion legen. Sie nannte den Sanitätern der Feuerwehr ihre Anfangsdiagnose und bat um die Materialien für die Infusion. „Die wurden mir mehrfach verweigert mit der Begründung, es könne ja jeder behaupten, dass er Arzt ist.“ Stattdessen hätten die Sanitäter auf das Eintreffen des Notarztes gewartet.

„Als Arzt habe ich die besondere Verpflichtung und die Fähigkeit, zu helfen“, sagt die Anästhesistin. „Die Situation, von Sanitätern infrage gestellt zu werden, war neu für mich.“ Wobei sie zugibt, dass sie sich nicht als Ärztin ausweisen konnte, weil ihr entsprechender Ausweis abgelaufen sei. „Ärzte sind nicht verpflichtet, einen solchen Ausweis mitzuführen“, sagt die Medizinerin. Das ihre ärztliche Hilfe im Notfall von der Vorlage ihres Arztausweises abhängt, ist ihr unverständlich.

Bei der Feuerwehr verweist man auf das fehlende Dokument. Weil sie sich eben nicht habe legitimieren können, sei das Handeln der Sanitäter „absolut korrekt“ gewesen, bekräftigt Christian Markwitz von der Feuerwehr. Hätte sich im nachhinein herausgestellt, dass sie keine Ärztin sei, „hätten sich die Beamten der Beihilfe zur Körperverletzung strafbar gemacht“, erläutert er.

Auch die Ärztekammer empfiehlt einen Ausweis

Daher gelte in Absprache mit dem leitenden Notarzt eben die Regelung, dass nur Ärzte, die sich als solche ausweisen könnten, am Ort des Einsatzes eingreifen dürfen. In dem Falle, so Markwitz „dürfen sie gerne an der Unfallstelle helfen oder auch Anweisungen geben, was zu tun ist“. Außerdem verweist Markwitz darauf, dass die Sanitäter ausgebildet sind, im akuten Bedarfsfall auch ohne den Notarzt einen Zugang oder eine Infusion zu legen.

Anke Liesenklas wundert sich, dass eine solche Regel den Ärzten nicht bekannt gemacht werde. „Deshalb habe ich jetzt an die Ärztekammer geschrieben.“

Dort bestätigt man auf WAZ-Anfrage den Eingang des Schreibens. „Doch der geschilderte Fall muss erst einmal von der Rechtsabteilung geprüft werden“, sagt Volker Heiliger, Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Unabhängig von diesem konkreten Ereignis ist es immer hilfreich, wenn ein Arzt einen Arztausweis dabei hat.“

 
 

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