Vor zehn Jahren wurde das erste Bottroper Second-Hand-Warenhaus gegründet

Martina Peukert (li.) und Inge Barth eröffneten vor zehn Jahren das erste Second-Hand-Warenhaus in Bottrop. Heute wird im „Allerhand“ gefeiert.
Martina Peukert (li.) und Inge Barth eröffneten vor zehn Jahren das erste Second-Hand-Warenhaus in Bottrop. Heute wird im „Allerhand“ gefeiert.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
„Allerhand aus zweiter Hand“ an der Gladbecker Straße wuchs von einst 200 auf nun 600 qm Verkaufsfläche. Junge Kunden schätzen 70er-Jahre-Chic und den Ökologie-Gedanken.

Bottrop.. „Allerhand“ lautet der Schriftzug über der Schaufensterfront, und das ist nicht zu viel versprochen: Allerhand findet, wer das Second-Hand-Warenhaus an der Gladbecker Straße betritt. Spazierstöcke und Kruzifixe, Hauskittel und funkelnde Lüster, Kaffeeservice „Wildrose“ und edles Bleikristall, Elektrogeräte und gleich einen ganzen Raum voller Weihnachtsartikel nebst alter Puppen. „Hundert Jahre Wohnkultur“, fasst Inge Barth zusammen. Mit Martina Peukert gründete sie vor genau zehn Jahren dieses etwas andere Warenhaus.

Kein Stillstand

Zehn Jahre, in denen Stillstand für die beiden gelernten Sozialpädagoginnen offenbar ein Fremdwort war. Die Grundidee ist zwar immer noch die gleiche: Eine Dienstleistung für Haushaltsauflösungen anzubieten in Kombination mit der Wertschätzung und dem Verkauf der hinterlassenen (und aufgearbeiteten) Dinge. Plus der Schaffung von Arbeitsplätzen. Drumherum aber hat sich viel verändert. „Heute haben wir 600 Quadratmeter Verkaufsfläche – inklusive der Möbelausstellung“, sagt Peukert. Angefangen hatten die beiden, denen die Bank einst den Kredit verweigerte, mit rund 200 qm im Hinterhof. Mit der Fläche wuchs auch das Team, auf insgesamt 16 Beschäftigte samt zwei Azubis.

Gleichzeitig habe das Internet den Gebrauchtwarenhandel verändert; bei Büchern und Kleidung habe es einen regelrechten Preisverfall gegeben. Anderes lässt sich heute gar nicht mehr verkaufen – Röhrenfernseher etwa. „Die Leute haben heute auch weniger Möbel“, so Peukert. Dinge, die die beiden nicht verkaufen, spenden sie oftmals der Osteuropa-Hilfe.

Was beiden Freude macht: „Ein jüngeres Publikum interessiert sich heute für das Angebot.“ Sie fänden die Waren zum Teil abgefahren, stünden z.B. auf die 70er Jahre. Kauften aber auch unter ökologischen Gesichtspunkten bewusst aus zweiter Hand, so Peukert.

An all die Veränderungen „haben wir uns angepasst“, resümiert Barth. „Wir werden uns weiter am Markt behaupten.“ Seit einem Jahr hat „Allerhand“ auch einen Online-Shop. Aktuell gibt’s dort viel Wohnaccessoires der Richtung Shabby Chic, eine alte Handprothese und allerlei Zierrat. „Kitsch“, sagt Barth, „ist gut für die Seele.“

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