Von Bottrop hinaus in die Welt

Helmut J. Psotta: DasHohelied Salomos. Holzschnitt von 1960.
Helmut J. Psotta: DasHohelied Salomos. Holzschnitt von 1960.
Foto: Arndt Beck

Bottrop.. Seine Geburt stand unter keinem guten Stern. Ausgerechnet am 9. November, dem Tag, an dem die Synagogen brannten und jüdische Häuser geplündert wurden, brachte Rosa Psotta 1937 im Bottroper Knappschaftskrankenhaus ihren Sohn Helmut zur Welt. Sie war als Jüdin im so genannten „Dritten Reich“ verfolgt und dazu mit einem gewalttätigen Metzgermeister verheiratet, der überdies NSDAP-Mitglied war. Für Rosa Psotta sollte ihr Sohn der einzige Trost in einer feindlichen Welt werden.

Ausgewandert mit 25 Jahren

Die Kindheit von Helmut J. Psotta ist von schweren Krankheiten geprägt aber geradezu symptomatisch enden diese mit dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft. Bald zeigen sich seine vielfältigen künstlerischen Ambitionen, die die Mutter nach Kräften fördert. Psotta zeichnet, dichtet, fotografiert, gestaltet das Schaufenster der heimischen Metzgerei, vor allem aber macht er Musik: er wird Mitglied im Collegium Musicum, gründet das gleichnamige Streichquartett, singt in den Gottesdiensten der Herz-Jesu-Kirche und spielt im katholischen Waisenhaus zur Frühmesse die Orgel.

Nach dem Wechsel auf die Realschule findet er in seinem Deutschlehrer Leo Kluge einen wichtigen Förderer. Da sich sein Berufswunsch, Schauspieler zu werden, gegen den Vater nicht durchsetzen lässt, beginnt er eine handwerkliche Ausbildung in der Glasmalerei Otto Peters. Zugleich besucht er Abendkurse an der Essener Folkwangschule, an der er nach seiner Lehre ein Studium der Malerei beginnt. 1957 erhält er den Jugendkunstpreis des Landes NRW und sicher erinnern sich einige Besucher des Lichthofs der Berufsschule an seine Hinterglassilhouetten, die dort über Jahrzehnte integriert waren.

1959 verlässt er Bottrop in Richtung Gahlen, wo die Organistin Ruth Johow (neben seiner Mutter die wichtigste Person in seinem Leben) dem jungen Künstler ein Atelier zur Verfügung stellt. Seine Entwicklung bleibt rasant. Er wechselt zur Werkkunstschule nach Düsseldorf. Auf Anregung seiner Lehrerin Lili Schultz nimmt er an einem internationalen Wettbewerb um die Glasmalereien einer Kirche in Santiago de Chile teil und gewinnt den ersten Preis. Wenig später bietet ihm die dortige katholische Universität ein Professur an und im Dezember 1962 verlässt der gerade 25-Jährige Deutschland mit dem Ziel Chile.

Die Ausstellung in Berlin zeigt nun erstmals ausschließlich Arbeiten, die vor seinem langjährigen Abschied aus Deutschland entstanden sind. Neben über 70 unterschiedlichsten Werken sind dort die Glasmalereientwürfe zu sehen, die ihm zum „Ticket“ in die Neue Welt wurden. In Kürze erscheint ein Katalog im Karin Kramer Verlag Berlin.

Helmut J. Psottas Leben nimmt einen weiteren Verlauf, den hier zu schildern den Rahmen sprengen würde. Doch eines hat er nie vergessen: woher er kommt.

Die Ausstellung: Helmut J. Psotta: „Radikale Poesie. Frühe Arbeiten 1954-1962“ ist noch bis zum 17. Februar 2013 im „studio im hochhaus – Kunst- und Literaturwerkstatt“ an der Zingster Straße 25 in Berlin zu sehen.

Info unter 030/9293821 im Internet: www.hjpsotta.de

 
 

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