Verdi: Modell Bürgerarbeit fördert erneut den Billiglohnsektor

Bottrop..  „Skeptisch bis ablehnend“ steht die Gewerkschaft Verdi dem Modellprojekt „Bürgerarbeit“ gegenüber. Seit Januar 2011 sollte es bundesweit 34 000 Langzeitarbeitslose in Arbeit bringen, für Brutto-Monatslöhne von 1080 Euro bei einer 30-Stunden-Woche und 720 Euro für 20 Stunden wöchentlich. Finanziert wird das Projekt etwa zu gleichen Teilen aus dem europäischen Sozialfonds und dem Bundeshaushalt.

Auch im Verdi-Bezirk Emscher-Lippe Süd (Gelsenkirchen, Bottrop, Gladbeck) stellten Träger bei den zuständigen Jobcentern entsprechende Förderanträge. Martina Peil, Geschäftsführerin im Bezirk: „Wir betrachten das als Problem, da es oft um Arbeit geht, die entsprechend gute Qualifikation voraussetzt. Die Entlohnung dafür ist jedoch erheblich unter Tarif.“

Bezirksvorsitzender Wolfgang Gottschalk schlägt in die selbe Kerbe: „Die Gewerkschaften haben es nach langem Kampf geschafft, das Thema ‚gesetzlicher Mindestlohn’ auf die öffentliche Agenda zu setzen. Mit der Bürgerarbeit wird nun erneut Arbeit gefördert, von deren Entlohnung niemand leben kann.“

Gottschalk verkennt nicht, „dass viele Langzeitarbeitslose froh über jeden Strohhalm sind“. Aber das von der Bundesarbeitsministerin ausgegebene oberste Projektziel Menschen dauerhaft in reguläre Jobs zu bringen, werde damit nicht erreicht. Es sollte einmal Zahlen darüber auf den Tisch, „wie viele Bürgerarbeiter bisher in den ersten Arbeitsmarkt integriert wurden“, fordert der Verdi-Chef.

Gottschalk und Peil sehen den Nutzen der Bürgerarbeit denn auch eher bei den Trägern: „Sie können sich damit die eigenen Strukturen und Mitarbeiter öffentlich finanzieren lassen“.

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