Trotz Pflegebedarf besser leben

Anne Wohland
Nicht nur im Krankenhaus, auch im eigenen Zuhause, sollen Pflegekräfte künftig ein festes Kontingent der Pflegezeit für soziale Kontakte nutzen können. So wie Pflegerin Janine Büscher sich um Hannelore Leuschner, die im Bethsda Altenheim Essen-Borbeck lebt, kümmern kann.
Nicht nur im Krankenhaus, auch im eigenen Zuhause, sollen Pflegekräfte künftig ein festes Kontingent der Pflegezeit für soziale Kontakte nutzen können. So wie Pflegerin Janine Büscher sich um Hannelore Leuschner, die im Bethsda Altenheim Essen-Borbeck lebt, kümmern kann.
Foto: WAZ FotoPool
Wer Angehörige pflegt, kann künftig leichter Urlaub machen: So lautet eine der Verbesserungen, die das Pflegeneuausrichtungsgesetz PNG mit sich bringt. Der Bottroper Sozialauschuss ließ sich ausführlich informieren und lobt die Hilfen für Demenzerkrankte. Dennoch bleibe die Versicherung nur eine „Teilkasko-Variante“, wie Ausschussvorsitzende Renate Palberg (SPD) betont

Bottrop.  Es ist die erste „richtige“ Pflegereform, die sich hinter dem Wortungetüm Pflegeneuausrichtungsgesetz verbirgt. Die Reform soll – neben den medizinisch notwendigen Hilfen wie Kompressionsstrümpfe anziehen oder waschen – auch soziale Kontakte als Pflegeleistung etablieren. Das interessiert auch den Sozialausschuss, der sich in der gestrigen Sitzung alle Neuerungen von Henning Scholz-Devigne, Geschäftsstellenleiter der Knappschaft, vorstellen ließ.

Private Vorsorge weiterhin nötig

„Man sieht an dem Gesetz, dass viele Probleme in der Pflege erkannt worden sind. Es ist eben zusätzlich Hilfe nötig, gerade für Demenzerkrankte“, fasst Ausschussvorsitzende Renate Palberg (SPD) zum Abschluss des Vortrags das Positive zusammen.

Das Bundesgesetz, das abgekürzt PNG heißt, trat am 1. Januar in Kraft. Wer zu dem Zeitpunkt bereits pflegebedürftig war, erhielt entsprechend ein Informationsschreiben seiner Kasse über mögliche höhere Leistungen und die veränderten Pflegestufen. Weil aber in Deutschland mittlerweile ein Kind durchschnittlich 60 Jahre alt ist, wenn seine Eltern pflegebedürftig werden, hat das Thema größere Relevanz – vor allem finanzielle. „Trotz der Reform bleibt die staatliche Pflegeversicherung eben nur eine Teilkasko-Variante, wie der Bundesgesundheitsminister selber gesagt hat. Man muss privat vorsorgen“, ergänzt Palberg.

Hilfen für Demenzerkrankte

Das PNG sieht viele Änderungen vor, hier die wichtigsten: Für Demenzerkrankte sollen spezielle Betreuungsleistungen von ambulanten Pflegediensten angeboten werden. Damit ein langes Leben im eigenen Zuhause erleichtert wird. Zudem erhalten Demenzkranke mehr Geld. Die Beträge der unteren drei Pflegestufen wurden aufgestockt: Erstmals haben nun Erkrankte der Pflegestufe Null ein Anrecht auf monatlich 120 Euro Pflegegeld oder bis zu 225 Euro für Pflegesachleistungen. Dies gilt zusätzlich zu den schon zuvor beziehbaren Betreuungsleistungen von 100 bis 200 Euro. Die Pflegegeld der Stufe I wird für Demenzerkrankte auf 305 Euro aufgestockt, oder es werden bis zu 665 Euro für Sachleistungen gezahlt. Bei Betroffenen der Stufe II steigt das Pflegegeld auf 525 Euro, oder auf Sachleistungen bis zu 1250 Euro.

Wer Angehörige pflegt, kann künftig mit weniger Sorgen bis zu 28 Tagen Erholungsurlaub machen. In dieser Zeit werden nun 50 Prozent des Pflegegeldes weitergezahlt.

Berater von Pflegekassen oder Medizinischen Dienst erhalten einen Verhaltenskodex. Dieser soll für transparentere Infos für die Betroffenen sorgen. Zudem sollen Pflegekassen Strafe an den Betroffenen zahlen (70 Euro pro Woche), wenn nach vier Wochen des Eingangs des Pflegeantrags noch keine Begutachtung erfolgt ist.

Wer Pflege braucht, soll diese auch in den eigenen vier Wänden in Anspruch nehmen können. Dieser Grundsatz zieht sich durchs Gesetz. Doch genaue Konzepte, wie sich private Wohngemeinschaften, in denen sich mehrere Pflegebedürftige zusammentun realisieren lassen, gibt es derzeit noch nicht. Das Gesetz sieht aber diverse Zuschussvarianten vor: Pro Bewohner einer neuen ambulante Wohngruppe sollen bespielsweise 2500 Euro an Förderung fließen. Zusätzlich gibt es Geld für technische Hilfen, die benötigt werden. Weil unklar ist, wie eine Wohngruppe die hohen Fixkosten für die Pflegekräfte weiterzahlt, sollten Bewohner mal eine zeitlang ins Krankenhaus müssen, muss man hier aber noch auf umsetzbare Modelle warten.

Kostenlose Beratung im Pflegestützpunkt:

Wer Rat rund um das Thema Pflege sucht, findet diese beim vom Land eingerichteten Pflegestützpunkt. Dieser berät neutral, also unabhängig von Verbänden und Pflegediensten. In Bottrop sitzt diese im: Hause der Knappschaft, Hochstraße 24.

Kontakt: Unter der Telefonnummer 72500-542 oder über E-Mail: psp-bottrop@kbs.de

Geöffnet: montags bis mittwochs von 8 bis 15 Uhr, donnerstags von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 12:30 Uhr.