Triumphale Rückkehr nach einem Jahrzehnt

Die Wall Drawings (Wandbilder) gehören zu den berühmtesten Arbeiten von Sol LeWitt. Unter den weit über 1000 weltweit existierenden Arbeiten ist eine, die speziell für Bottrop, für den Raum des Josef Albers Museums Quadrat geschaffen wurde. Nach zehn Jahren ist dieses Wandgemälde ab morgen nun wieder in „seinem“ Haus im Stadtgarten zu sehen.

Sieben Farben 21 Mal variiert

Sieben Farben, in übergroßen Quadraten 21 Mal variiert. Eine im wahrsten Sinne raumgreifende Abfolge üppig-sinnlicher Farbigkeit, deren genau festgelegter Parcours sich von außen nach innen bewegt. Bei LeWitts Wandbildern handelt es sich nicht um Arbeiten, die fix und fertig im Depot lagern und die bei Bedarf nur hervorgeholt und für Ausstellungen mehr oder weniger sinnvoll gehängt werden.

Die Konzeptkunst des 2007 verstorbenen Amerikaners ist vielmehr eine Gemeinschaftsarbeit des Künstlers mit dem Zeichner oder Maler, der das Werk wieder auf die Wand bringt, wobei der Künstler mehr und mehr in den Hintergrund tritt.

Auch die Arbeit, die LeWitt speziell für das Quadrat und mit Bezug auf das Werk von Josef Albers schuf, musste nach einem Jahrzehnt wieder neu gemalt werden. Sol Le Witts damaliger Assistent, der Niederländer Wim Starkenburg, war mit einem vierköpfigen Team auch dieses Mal wieder zwei Wochen damit beschäftigt, die „Regieanweisung“ - oder wenn man so will die „Partitur“ - des Künstlers umzusetzen. Ein Kunstwerk, das zunächst nur als detaillierter Plan existiert.

Für die Bottroper Arbeit verließ Sol LeWitt seinen eigentlich schon fast barocken Schwung und die Üppigkeit, die seine Arbeiten zu der Zeit schon prägten“, sagt Museumsdirektor Heinz Liesbrock. So zeigt er in der ansonsten gänzlich ausgeräumten Halle - selbst fast alle Stellwände verschwanden, die festen Sockel wirken nun wie flache Sitzbänke - nur eine von Albers Homages to the Square, „Profundo“ von 1965.

Ansonsten strömen die großen Acryl-Farbflächen gleichsam auf den Betrachter zu. Ein kräftiges Orange scheint dabei wie aus seinem grünen Kontext den Besucher förmlich aus der Fläche heraus anzuspringen. Sachlich, aber sinnlich und schön durchzieht die Arbeit die weite Halle, die sonst der ständigen Albers-Sammlung vorbehalten ist.

Und wieder wird schmerzlich deutlich, wie sehr dem Haus ein Raum für Wechselausstellungen wie diese fehlt. Wie will man Albers im Kontext zeigen, wenn nur der Kontext präsentiert werden kann, weil das Herzstück der Sammlung - die wichtigen Arbeiten des großen Sohnes der Stadt - dafür jedes Mal abgehängt werden muss.

Mittelfristig wird es zu einer befriedigenden Lösung kommen müssen, damit das Pfund, mit dem Bottrop wuchern kann, auch ständig zu sehen ist.

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