Tagesmutter als Traumberuf

Tagesmutter Sandra Pereira Cordeiro malt mit „Gastkind“ Romina und ihrem Tageskind René.
Tagesmutter Sandra Pereira Cordeiro malt mit „Gastkind“ Romina und ihrem Tageskind René.
Foto: FUNKE Foto Services
Sandra Pereira Cordeiro bietet eine private Kinderbetreuung an. Dafür musste sie einespezielle Ausbildung absolvieren. „Man bekommt immer etwas zurück von den Kindern.“

Es ist schon eine außergewöhnliche Atmosphäre, die im Haus der Tagesmutter Sandra Pereira Cordeiro herrscht: Es ist nämlich ruhig, wirklich ruhig. Kein Quengeln, kein Lärmen. „Sind die Kinder draußen?“ Nein, sind sie nicht. René, zwei Jahre alt, sitzt auf dem bunten Teppich und spielt frohgemut und gedankenversunken mit den Autos, seine Schwester Romina, die ausnahmsweise dabei ist, weil die Kita heute geschlossen ist, beschäftigt sich hingebungsvoll mit der Puppe. Es ist ein Bild voller froher, unbeschwerter Eintracht. Kinder, die sich geborgen fühlen.

Sandra Pereira Cordeiro ist seit 2013 Tagesmutter. Zurzeit ist René das einziges Tageskind, am liebsten hätte sie noch eines, besser zwei weiterer Kinder dazu. In Grafenwald ist sie wohl die einzige Frau, die eine private Kinderbetreuung anbietet. Zweimal pro Woche betreut sie zudem nachmittags zwei Schulkinder. „Aber dann fahre ich zu ihnen nach Hause.“

Private Betreuung heißt aber nicht, dass sie das sozusagen frei in Eigenregie betreibt. Die Tagesmutter musste zuvor eine anspruchsvolle Qualifizierung absolvieren. „Ich habe die bei dem PME-Familienservice in Münster gemacht“, erklärt sie. Die werde in Kooperation mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) gemacht. In Bottrop vermittelt der SkF auch die Tagesmütter. Die Qualifikation erstreckt sich über 160 Unterrichtsstunden. Pädagogik gehöre beispielsweise dazu, ein Erste-Hilfe-Kurs für Kinder, es würden Anregungen zum Spielen und Basteln gegeben, zudem werde über das Verhalten in schwierigen Situationen geredet. „Es kann ja sein“, verdeutlicht die 40-Jährige, „dass ich bei einer Frage anderer Meinung bin als die Eltern.“ In diesen Fällen würde sie Tipps geben, „aber im Zweifel ist immer der Elternwille entscheidend“. Bisher jedoch sei das nur in der Theorie ein Thema gewesen.

Ihr Tag mit René beginne gegen 7.30 Uhr. „Dann bringt ihn seine Mutter.“ Nach dem Spielen mit Sandra Pereira Cordeiros Sohn – sie hat zwei Söhne im Alter von sechs und 13 Jahren – bringen sie und René den jüngern Sohn mit dem Auto zur Schule. Dann spielt René noch ein bisschen, wenn er möchte. Um neun gibt es Frühstück. „Wir singen jeden Tag.“ Es wird gespielt und gebastelt. Und wenn es nicht gerade regnet, sind sie draußen. „Ich treffe mich öfter mit einer anderen Tagesmutter, damit René auch mit anderen Kindern zusammen kommt.“ Um 12 Uhr wird der kleine Kerl wieder abgeholt. „Grundsätzlich betreue ich aber bis 15 Uhr.“

Sich mit Kindern zu beschäftigen, sagt sie, davon habe sie schon in ihrer Jugend geträumt. „Ich hab dann aber zuerst eine Ausbildung als Arzthelferin gemacht.“ Nach der Geburt des zweiten Sohnes habe sie ihren Traum endlich verwirklicht. „Es ist total schön, mit Kindern zu arbeiten“, gesteht sie. „Es kommt immer etwas zurück.“

René sieht das offenbar ganz genau so wie sie. Er ist so sehr in sein Spiel versunken, wie man es nur unter einer Bedingung sein kann: wenn man sich rundum wohlfühlt.

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