Suppenküche – das letzte Ma(h)l

Das war’s. Die Suppenküche Kolüsch packt Schüssel und Teller wieder ein. Hans-Georg Zsolnai arbeitete zum zweiten Mal ehrenamtlich im Barbaraheim und hat wieder Hunderte von Mahlzeiten ausgegeben.
Das war’s. Die Suppenküche Kolüsch packt Schüssel und Teller wieder ein. Hans-Georg Zsolnai arbeitete zum zweiten Mal ehrenamtlich im Barbaraheim und hat wieder Hunderte von Mahlzeiten ausgegeben.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop..  Das Pfarrheim Sankt Barbara ist mal wieder gut gefüllt, fast jeder Stuhl ist besetzt. In der Suppenküche gibt es Frikadellen, Würstchen und Kartoffeln mit Soße – das letzte Gericht, das die Bottroper Suppenküche „Kolüsch“ ihren Gästen in dieser Wintersaison serviert. Mit dem gestrigen Freitag endet die Essensausgabe im Pfarrheim. Die Suppenküche hilft, älteren Menschen mit einer kleinen Rente, Hartz-4-Empfängern und Obdachlosen, ein wenig besser über den Winter zu kommen.

Am liebsten Rührei

Ingrid Wenzlawski ist schon seit fünf Jahren Gast der Suppenküche und dankbar, dass es die gibt. „Meine Rente reicht einfach nicht aus, davon kann ich nicht leben“, sagt sie. Bevor sie die kostenlose Essenausgabe in Anspruch genommen hat, habe sie die Unterstützung ihrer Kinder dringend benötigt. „Ohne die Suppenküche wären viele Rentner aufgeschmissen, müssten betteln oder womöglich stehlen“, sagt die 75-Jährige. Über das Essen könne sie nicht klagen, am liebsten isst Ingrid Wenzlawski Rührei.

Die Suppenküche wird von der evangelischen Sozialberatung (ESB) organisiert, und wie wichtig ihr Einsatz ist, erklärt Sprecherin Claudia Kretschmer: „Wenn es dieses Angebot nicht gäbe, würden viele Ältere vereinsamen und sich nicht ausreichend ernähren.“ In jeder Saison fänden sich dieselben Gruppen zusammen, und „durch das gemeinsame Essen in der Suppenküche entstehen auch viele soziale Kontakte.“

Von Anfang an dabei

Ingo Washofer ist ein ehemaliger Obdachloser und gehört seit der Eröffnung der Suppenküche vor 20 Jahren zu den Stammgästen. Jeden Tag komme er nicht, aber immer, wenn sich die Möglichkeit biete. Ingo Washofer macht sich über die Budgetkürzung im Rahmen der städtischen Sparmaßnahmen seine Gedanken. Statt der bisherigen 8000 Euro stehen der ESB künftig nur noch 4000 Euro für die Suppenküche zur Verfügung. „Ich würde einen kleinen Obolus geben.“ 50 Cent pro Essen schlägt er vor. Denn immerhin könne er dafür auch nicht selber kochen.

Dankbarkeit

Seit mittlerweile zehn Jahren hat Washofer einen festen Wohnsitz. „Das habe ich in gewisser Weise auch der ESB zu verdanken“, meint er. Deshalb bemühe er sich, jedem der zehn ehrenamtlichen Helfer der Suppenküche seine Dankbarkeit und seinen Respekt vor ihrem Engagement zu zeigen.

 
 

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