Stotterer brauchen früh Hilfe

Logopädin Pia Grontzki plädiert dafür, Kindern mit Sprechproblemen so früh wie möglich zu helfen.
Logopädin Pia Grontzki plädiert dafür, Kindern mit Sprechproblemen so früh wie möglich zu helfen.
Foto: Oliver Mengedoht
Heute ist der Welttag des Stotterns. Die Redaktion sprach mit der LogopädinPia Grontzki über das Sprechproblem und mögliche Therapien.

Bottrop..  „Stottern ist für Betroffene furchtbar“, sagt die Bottroper Logopädin Pia Grontzki. Sie denkt an einige erwachsene Patienten, die in ihrer Praxis Hilfe gesucht haben, als der Leidensdruck zu groß wurde.

Den heutigen 22. Oktober, hat die Bundesvereinigung „Stottern & Selbsthilfe“ (BVSS) zum Welttag des Stotterns erklärt und ruft dazu auf, Barrieren zu überwinden. Wenn es hilft, das Augenmerk aufs Stottern zu lenken und gleichzeitig für frühe Hilfe zu werben, kann Pia Grontzki den Welttag nur begrüßen. Denn für die Fachfrau steht fest, dass Kinder so früh wie möglich behandelt werden sollten, damit sich ihr Sprechproblem erst gar nicht verfestigt. Mehr als 800 000 stotternde Menschen gebe es in Deutschland, sagt die Bundesvereinigung und auch, dass eine Heilung im klassischen Sinne bei Erwachsenen nicht mehr möglich sei.

Pia Grontzki weiß, dass bei etwa fünf Prozent der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren Stottern auftritt. Bei etwa 25 Prozent der Kinder verfestige sich das Problem, bei den anderen verschwinde es wieder. Stottern sei eine Veranlagung, eine Störung des Redeflusses, erklärt die Logopädin. Durch verschiedene Ursachen könne es verstärkt werden. Warum genau es aber zum Stottern kommt, sei nicht erforscht. Fest stehe aber, dass Stottern – anders als man lange geglaubt hat – keine psychische Komponente habe.

„Das wächst sich aus“ würden Eltern oft zu hören bekommen, wenn sie etwa beim Kinderarzt Hilfe suchen, weil ihr Kind ein Sprechproblem hat. Aber es wächst sich eben nicht immer aus. „Oft kommen Kinder ein halbes Jahr vor der Einschulung zu uns“, berichtet Pia Grontzki, und dann werde erwartet, dass die Logopädin das Problem vor dem ersten Schultag beseitigt, damit das Kind keine Schwierigkeiten in der Schule bekommt.

Eltern sollten Sprechvorbild sein

Je jünger die Kinder sind, desto besser können die Therapeutinnen helfen. „Elternarbeit spielt dabei eine wichtige Rolle.“ Eltern sollten ihrem Kind in Ruhe zuhören, ihm Zeit und Raum geben, seine Gedanken zu formulieren und so den Druck von ihnen nehmen. Sie sollten das Kind nicht unterbrechen und keine gutgemeinten Ratschläge geben. Sie sollten nicht zu viele Fragen auf einmal stellen und auch nicht die Sätze ihrer Kinder beenden. Und die Eltern sollten Sprechvorbild für ihre Kinder sein. Wenn das Stottern einmal weg ist, kommt es in der Regel nicht mehr wieder. Stottern entwickelt sich immer vor dem 12. Lebensjahr.

Etwa ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung stottert, erklärt Pia Grontzki. Oft hätten Betroffene nur wenig soziale Kontakte und seien wenig kommunikativ. In der Therapie nach der Van Riper-Methode gehe es vor allem darum, Erwachsenen ihre Sprechangst zu nehmen, „heilen“ könne man sie nicht. „Die Patienten müssen das Stottern annehmen. Wir arbeiten mit ihnen daran, flüssiger zu stottern und entspannter zu sein. Die Patienten entwickeln ihre Strategien damit umzugehen.“

 
 

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