Steinskulptur als Sitz (fast) für die Ewigkeit

„Corrosive“ nennt Guido Hofmann seine etwa 3,5 Tonnen schwere Plastik für die „Ostrale“ in Dresden.
„Corrosive“ nennt Guido Hofmann seine etwa 3,5 Tonnen schwere Plastik für die „Ostrale“ in Dresden.
Foto: WAZ FotoPool
Guido Hofmann, Mitglied des Bottroper Künstlerbundes, zeigt zwei Skulpturen auf der Dresdner „Ostrale“, einer der größten internationalen Ausstellungen für zeitgenössische Künste.

Bottrop.  Wenn Guido Hofmann anfängt zu arbeiten, bewegt er meistens mehrere Tonnen. Auch jetzt, für seine Steinplastiken „Corrosive I + II“, die einigen Wochen bereits nach Dresden transportiert werden sollen, bewegte der 50-Jährige bereits anderthalb Tonnen Sandstein - von Hand. Denn soviel Substanz hat das größere seiner neuen Objekte, „Corrosive I“, bereits eingebüßt.

Seit einigen Wochen arbeitet Hofmann wie der sprichwörtliche Berserker an den großen Blöcken aus Ibbenbürener Sandstein. Die Zeit drängt. Bereits Mitte Juni sollen sie nach Dresden transportiert werden. In der Kunstmetropole ist Hofmann erstmals Teilnehmer der „Ostrale“, immerhin einer der größten Ausstellungen für zeitgenössische Künste in Europa, die einen imposanten Querschnitt der bildenenden aber auch der darstellenden Künste zeigt.

Aus dem Block mit seiner dezenten Farbigkeit sanfter Hellbrauntöne wird gerade ein steinernes Sitzmöbel für drei Personen - mehr ginge auch, dann wäre es aber nicht mehr so bequem. Tatsächlich: Stein kann, wenn auch nicht gerade kuschelig, doch immerhin so hergerichtet werden, dass er neben der optisch eher rauen, archaischen Schale eine gewisse Aufenthaltsqualität entwickelt.

Bearbeitet und unbearbeitet: dieser Gegensatz von glatter oder gestalteter und (fast) naturbelassener Oberfläche ist für typisch für viele Arbeiten Hofmanns. Für „Corrosive“ geht er sogar noch weiter. Farbiges Gummi soll aufgetragen werden. „Das wirkt dann so, als hätte das Gummi den Stein verändert, sich seine Bahnen gesucht oder in den Stein eingefressen“, sagt Hofmann. Am Ende soll es so aussehen, als ob der Block in Gummi schwimmt. 600 Kilo dieses farbigen Gummi-Granulats (man kennt es von Bodenbelägen auf Kinderspielplätzen) will der Bildhauer verarbeiten. Denn der Stein soll für „Corrosive“ nicht nur korrodiert und optisch verändert aussehen, sondern auch weicher werden, wenigstens dort, wo man später sitzen kann.

Das soll spätestens am 18. Juni möglich sein. Dann werden „Corrosive I“ und der kleinere Bruder II in die sächsische Hauptstadt transportiert, die kleinere Arbeit in die Villa Baumgarten, die größere direkt auf das Ausstellungsgelände. Das liegt auf dem ehemaligen Schlachthofgelände, einem vor etwa 100 Jahren von Hans Erlwein errichteten Ensembles, einem großen, sowohl architektonisch wie industriegeschichtlich spannenden Areal, auf dem sich Kunst nicht nur zeigen, sondern auch entwickeln lässt.

 
 

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