Siemens stellt Feuerwehr-Technik ein

Die Arbeit in der Leitstelle der Feuerwehr – im Hintergrund arbeitet die Siemens-Technik
Die Arbeit in der Leitstelle der Feuerwehr – im Hintergrund arbeitet die Siemens-Technik
Foto: WAZ FotoPool
Das Unternehmen will seine Leitstellen-Technik nicht länger vermarkten. Die Feuerwehr Bottrop gehört zu den Kunden der Sparte.

Bottrop..  Wer die 112 wählt, landet bei der Feuerwehr – und im Hintergrund steht Siemens. Denn das Unternehmen hat die Leitstellentechnik der Feuerwehr geliefert – und ist auch für Wartung und Updates zuständig. 2012 begann der Umbau der Leitstelle und der Einbau der neuen Technik, inzwischen arbeitet die Feuerwehr im Alltag damit. Doch nun hat Siemens angekündigt, sich aus dem Geschäft mit der Leiststellen-Technik verabschieden zu wollen. Ein Sprecher bestätigte gegenüber dieser Zeitung, das das Unternehmen das entsprechende Produkt „Siveillance Command“ nicht mehr weiter vermarkten werde.

Was genau das für die Feuerwehr heißt, wisse man noch nicht offiziell, sagt Feuerwehrchef Kim Heimann. Für übernächste Woche hätten Siemens-Vertreter ihren Besuch in Bottrop angekündigt, da werde das sicher ein Thema sein. „Aber wir haben einen Vertrag abgeschlossen und ich gehe davon aus, dass Siemens den erfüllt.“ Der Siemenssprecher bestätigte auf Nachfrage, dass das Unternehmen vertraglich vereinbarte Leistungen und Dienstleistungen erfüllen werde. „Siemens wird mit seinen eigenen Mitarbeitern die Wartung in gewohnter Qualität übernehmen.“

Der Vertrag zwischen der Stadt und Siemens läuft über 96 Monate, rund zwei Jahre seien davon inzwischen verstrichen. Bestandteil der Vereinbarung sind auch gewisse Fristen. So müsse sich bei Fehlern innerhalb von 30 Minuten ein Techniker in das System einschalten, und versuchen ihn aus der Ferne zu beheben. Je nach Art der Störung müsse innerhalb von vier Stunden ein Techniker vor Ort sein. Heimann fragt sich vor allem, inwieweit Siemens das nötige Fachpersonal bereithält. Seine Überlegung: Werden die Fachleute tatsächlich bei Siemens bleiben, wenn das entsprechende Produkt nicht weiter entwickelt und vermarktet wird? „Denkbar ist doch auch, dass die sich anderweitig orientieren.“ Auch die Schnittstelle zum Digitalfunk müsste noch fertig gestellt werden.

40 Städte sind betroffen

Sorgen macht sich Heimann auch mit Blick auf die Upgrades. Denn ob die weiterhin von Siemens zur Verfügung gestellt werden, ist unklar. Dazu heißt es nur: Dass man die Verträge erfüllen und die genauen Details mit den Kunden besprechen werde. Doch sind Upgrades eben nicht Bestandteil des Wartungsvertrags. Denkbar also, dass die Leitstelle nach Ablauf des Vertrags veraltet ist --vergleichbar mit einem PC mit veraltetem Betriebssystem.

Schwer vorstellbar, so Heimann, dass die Technik eines anderen Anbieters kompatibel mit den Siemens-Lösungen sei. „Kein Hersteller wird darauf aufsetzen.“ Im schlimmsten Fall müsste die Technik früher als geplant für viel Geld erneuert werden. Siemens sicherte jedoch zu, dass auch das im Gespräch mit den Kunden erläutert werde. „Wir lassen niemanden im Regen stehen.“

Rund 40 Feuerwehren in ganz Deutschland hat Siemens mit der Technik ausgestattet, darunter auch Köln, Mülheim, Herne oder Hagen. Dort ist man ebenfalls unglücklich über die Siemens-Entscheidung. Ähnlich wie Kim Heimann in Bottrop bleibt der stellvertretende Feuerwehrchef in Hagen, Veit Lenke, trotz aller Fragen aber zunächst einmal entspannt: „Inzwischen sehe ich die Entwicklung sehr gelassen. Siemens hat uns zugesichert, dass alle Vertragsvereinbarungen erfüllt werden.“

 
 

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