„Sie wird einen schwierigen Start haben“

Vom oft beschworenen Schulkompromiss schien nichts mehr übrig, als die Bezirksvertretung Kirchhellen gestern über die Organisationsform der geplanten Sekundarstufe debattierte. CDU und FDP wollen eine kooperative Form, SPD und Grüne eine teilintegrative. Dass beide Lager aus der Elternbefragung Argumente für ihre jeweilige Position herauslasen, brachte den Schuldezernent Paul Ketzer schließlich zur kontrollierten Explosion.

Fast 2000 Eltern von Zweit- und Drittklässlern hatte die Stadt befragt, welche Organisationsform sie für eine Sekundarschule bevorzugen würden. Fast die Hälfte hat gar nichts zurück gemeldet, von der restlichen Hälfte äußerte sich wiederum die Hälfte entschieden unentschieden. Vom letzten Viertel wiederum entfielen 276 Elternwünsche auf ein kooperatives Modell, 125 auf ein teilintegriertes und 111 auf ein integriertes Modell (die WAZ berichtete). Die Schulaufsicht und die Vorbereitungsgruppe hatten sich beide aus fachlichen Gründen für eine teilintegrative Form, unter anderem deshalb, weil die formale Differenzierung in einer dreizügigen Schule schwer praktikabel sei.

Vorwürfe gegen die Verwaltung

Dieser Empfehlung hatte die Verwaltung sich angeschlossen, und das schlugen CDU und FDP dem Dezernenten nun um die Ohren. Das Abstimmungsverhalten spiegele den Elternwillen wider, eine Mehrheit wolle die kooperative Form, nahe an der Realschule, die in Kirchhellen dringend fehle. Zwei Klassen pro Jahr, würden nicht im Dorf zur Schule gehen, weil sie Realschulen in Bottrop, Gladbeck oder Dorsten besuchen würden.

Als Bezirksbürgermeisterin Margot Hülskemper (CDU, „Ich bemerke einige Unruhe neben mir“) dem so angegangenen Dezernenten schließlich das Wort erteilte, ließ Ketzer dem angestauten Druck freien Lauf. „Für so etwas ist der Begriff Fremdschämen erfunden worden“, wetterte der Dezernent. Und: „Wenn man in Kirchhellen eine Realschule haben will, dann muss man das sagen!“

In der Sache verwahrte sich Ketzer dagegen, „eine Elternbefragung zur Volksabstimmung hoch zu stilisieren“. Es sei im Ratsbeschluss ausdrücklich vorgesehen, neben der Meinung der Eltern auch die der Schulexperten einzuholen. Das änderte nichts daran, dass CDU und FDP ihren Standpunkt noch einmal zur Weitergabe an die anderen politischen Gremien zementierten: Man wünsche sich „dringend die kooperative Form“. Seufzte die Bezirksbürgermeisterin: „Die Sekundarschule wird einen schwierigen Start haben.“

 
 

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